30.8.2012

Nachrichten und ihre Verbreitung

Die Gesellschaft benötigt Informationen über Entwicklungen, um funktionieren zu können. Als Nachricht wird dabei eine Mitteilung über Veränderungen bezeichnet. Diese durchläuft in den heutigen komplexen Gesellschaften unterschiedliche Stufen der Vermittlung: Von einem Journalisten über Nachrichtenagenturen und Redaktionen bis zur Sendung.
Logo der Deutsche Presse-Agentur (dpa)Logo der Deutsche Presse-Agentur (dpa) (© picture-alliance/dpa)
Es kann von einem historisch gewachsenen und weltweiten 'Nachrichtensystem' gesprochen werden. Es besteht ein komplexes System von Nachrichtenagenturen (Reuters, Associated Press, UPI, Deutsche Presse-Agentur u. a.), das über technische Infrastrukturen (Telegrafie, Bildschirmdienste, Internet etc.) wichtige Informationen an Medien und andere Abnehmer schickt. Diese bereiten ihrerseits diese Meldungen auf und vermitteln sie an ein Publikum. Hinzu kommen regionale und fachspezifische Nachrichtendienste und Institutionen wie die Eurovision, die den Austausch von Nachrichtenfilmen zwischen verschiedenen Fernsehanstalten vermitteln, sowie zusätzliche Berichte von Auslandskorrespondenten.

Auswahl und Präsentation von Nachrichten

Natürlich können in einer zeitlich begrenzten Nachrichtensendung nicht alle Ereignisse eines Tages thematisiert werden. Die Redaktion muss auswählen: Welche Mitteilungen sind für die Zuschauer relevant sind, es findet also eine Selektion der Nachrichten statt. Der Zuschauer hat keinen Einfluss darauf, welche Themen ihm präsentiert werden und wie ausführlich sie aufbereitet sind. Es erweckt den Anschein, so eine ironische Deutung der Nachrichtenauswahl, dass immer genau so viel in der Welt passiert, wie in eine Nachrichtensendung zeitlich hineinpasst.

Nachrichtenwerte

Die Auswahl der Nachrichten beschäftigt die Forschung seit langem. Denn die Vermittlung von Nachrichten stellt auch eine Kontrolle darüber dar, was die Menschen von der Welt erfahren und was nicht. Die Nachrichtenforschung spricht hier von der Funktion eines "gatekeepers" (Torwächters), die zum einen durch die weltanschauliche Position des betreffenden Mediums geprägt ist, zum anderen aber auch von allgemeinen 'Nachrichtenwerten', die für die Auswahl entscheidend sind. Zu diesen allgemeinen Nachrichtenwerten gehören: Die Meldung muss in die Erscheinungsweise des Mediums hineinpassen (Frequenz), sie muss ein besonders herausragendes Ereignis betreffen (Intensität) und eindeutig abgrenzbar sein. Das Ereignis muss für die Mediennutzer von Bedeutung sein (Relevanz), einerseits den Erwartungen entsprechen (Konsonanz) und andererseits überraschend sein (Unvorhersehbarkeit). Es muss führende Nationen und führende Personen betreffen, leicht personalisierbar sein und durch 'Negativismus' hervortreten. Also die Störung der Ordnung betreffen, eine Katastrophe oder ein Unglück zum Inhalt haben. Es müssen nicht immer alle Nachrichtenwerte vorhanden sein. Sie bilden jedoch in ihrer Summe eine Hierarchie der in den Redaktionen eingehenden Nachrichten, die bestimmt, was in den Nachrichtensendungen präsentiert wird.

Grundregeln beim Formulieren von Nachrichten

Nachrichten sind immer nur sprachliche und/oder visuelle Formulierungen von Ereignissen, nie die Ereignisse selbst. Von einer absoluten Objektivität einer Nachricht kann deshalb prinzipiell nicht die Rede sein. Sie wird immer von einem Urheber als Text formuliert und von einer Kamera als Ausschnitt aus einem diffusen Weltgeschehen präsentiert. Dennoch gibt es Regeln, die dazu dienen, dass die Nachricht möglichst neutral formuliert wird (Verzicht auf subjektive Bewertungen), auf spezifische Meinungen verzichtet wird (Trennung von Nachricht und Kommentar) und alle wichtigen Aspekte berücksichtigt werden (Wahrheitsgebot, Vollständigkeit). Für den Zuschauer sind diese Aspekte in der Regel bei der Betrachtung der Nachrichtensendungen nicht überprüfbar. Er kann die Wahrheit einer Nachricht nur annehmen, wenn sie in ähnlicher Weise auch in anderen Medien präsent ist.

Glaubwürdigkeit in der Nachrichtenvermittlung

Die Glaubwürdigkeit in der Nachrichtenvermittlung wird vor allem durch die Form der Präsentation erzeugt. Eine nüchterne und sachliche Sprechweise, eine seriöse Aufmachung des Nachrichtensprechers und des Studios sowie die Kontinuität der Institution der Nachrichtensendung sind entscheidend für ihre Glaubwürdigkeit. Zudem tragen Bilder bzw. Filmbeiträge, die am Ort des Ereignisses aufgenommen worden sind, zur Steigerung der Authentizität bei. Sie können als Beleg für die verlesenen Meldungen dienen und dem Zuschauer einen besseren Eindruck vom tatsächlichen Ereignis vermitteln. Die Fernsehnachrichten besitzen insgesamt eine hohe Glaubwürdigkeit, vor allem die "Tagesschau" des ARD-Programms. Zu diesem Eindruck trägt bei, dass sich die "Tagesschau" in ihrer Erscheinungsweise über Jahrzehnte hinweg nur geringfügig verändert hat, weil sie ihre Nachrichten immer noch vom Blatt ablesen lässt (und nicht vom Telepromter, in den der Sprecher hineinschaut) und weil sie sich eines betont nüchternen Darstellungsstils bedient. Nachrichtensendungen im Fernsehen berichten in der Regel zu festen Sendezeiten aktuell von Ereignissen des Tages. Sie liefern in komprimierter Form die wesentlichen Informationen über das Weltgeschehen. Sie sind thematisch universell, wenn auch mit dem Hauptaugenmerk auf die politischen Geschehnisse in der Welt.