30.8.2012

Die "Aktuelle Kamera" (AK) im DDR-Fernsehen

Am 21.12.1952 wurde erstmals die Nachrichtensendung "Aktuelle Kamera" des DDR-Fernsehens vom Fernsehzentrum Berlin-Adlershof ausgestrahlt. Die SED hatte beschlossen, dass der Deutsche Fernsehfunk (DFF) der DDR noch vor dem offiziellen Programmstart des (west)deutschen Fernsehens am 26.12.1952, mit seinem "offiziellen Versuchsprogramm" zu beginnen hatte. Angekündigt von der Ansagerin Margit Schaumäker als "groß gefunkte Bilderzeitung", die "aus dem aktuellen Geschehen – aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport" berichten sollte, wurde die erste "Aktuelle Kamera" ("AK") mit der Nachricht vom Geburtstag des "Generalissimus" Josef Stalin eröffnet. Weitere Themen waren automatisierte Walzstraßen, Mähdrescher, Produktionsgenossenschaften, die Arbeit von Zimmerleuten und Maurern. Sprecher war der Schauspieler Herbert Köfer.

Veränderungen im Konzept der "Aktuellen Kamera"

Die "Aktuelle Kamera" war von 1952 bis 1990 die Nachrichtensendung des DDR-Fernsehens. Ab Oktober 1957 liefen die Nachrichten täglich, zunächst um 20:00 Uhr oder um 19:45 Uhr, ab Oktober 1960 immer um 19:30 Uhr. Oftmals wurde Bezug zu Nachrichten genommen, die um 19:00 Uhr in der "heute"-Sendung des ZDF ausgestrahlt worden waren. (Ausschnitt aus der Sendung vom 4.10.1989) (© Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv, 1989)
Bis 1954 präsentierte die "Aktuelle Kamera" eine Montage aus Wortnachrichten und stehenden Bildern (Fotos, Karten, Grafiken). In einer Art mäßig illustrierter Hörfunksendung. Die Sendelänge betrug zehn Minuten. Die Ausstrahlungsfrequenz war noch unregelmäßig. Bis 1955 wurden zwei Ausgaben wöchentlich gesendet. Danach bis 1956 vier Sendungen pro Woche. Der Montag war als Tag für die theoretische und gesellschaftliche Arbeit im Rahmen der Parteien und Massenorganisationen der DDR vorgesehen und blieb deshalb zunächst sendefrei. Freitags wurde die DEFA-Wochenschau "Der Augenzeuge" gezeigt.

Bereits Mitte der 1950er Jahre wurden Berichte auch mit Filmbildern versehen, aufgenommen auf 35mm-Film. 1955 kamen die ersten Übertragungswagen hinzu, erworben aus Großbritannien. Zur Umgehung des westlichen Embargos – technische Geräte durften nicht ins sozialistische Lager verkauft werden – wurden beide Wagen "offiziell" bei der Leipziger Messe vergessen. Gegen Ende der 1950er Jahre wurde die aktuelle Berichterstattung schrittweise auf 16mm-Umkehrfilm umgestellt. Damit wurde die Berichterstattung erleichtert. Daneben wurden Nachrichtenfilme anderer Fernsehorganisationen und Nachrichtenagenturen zugekauft.

Sendezeit und Umfang

Ab Oktober 1957 sendete die "Aktuelle Kamera" täglich ab 20.00 Uhr, zeitgleich mit der "Tagesschau". Ab 1958 wurden die letzten Nachrichten der "AK" jeweils abends, am Ende des Sendeprogramms, sowie am nächsten Vormittag wiederholt. Vornehmlich für Schichtarbeiter, wie es offiziell hieß. 1960 erfolgte eine Vorverlegung der "AK" auf 19.45 Uhr, wenig später auf 19.30 Uhr. Die Sendezeit erhöhte sich auf 30 Minuten. Mit Beginn des zweiten Programms des DDR-Fernsehens am 3.10.1969 wurden die Hauptnachrichten der "Aktuellen Kamera" um 21.30 Uhr wiederholt. Am 14.12.1990 wurde nach 30.513 Sendungen die letzte "Aktuelle Kamera" ausgestrahlt. Die "AK" blieb die einzige in der DDR hergestellte Fernsehnachrichtensendung. Die Zuschauerquote schwankte in den 1970ern und 1980ern zwischen 10 und 15 Prozent der möglichen Seher.