30.3.2013

Nachrichtensendungen bis heute

Nachrichtensendungen bis heute

Peter Kloeppel berichtet in einer Sondersendung von den Geschehnissen in New York und Washington im September 2001.Peter Kloeppel berichtet in einer Sondersendung von den Geschehnissen in New York und Washington im September 2001. (© RTL)


Mit der Einführung des dualen Rundfunksystems 1984 in der Bundesrepublik etablierten auch die kommerziellen Programmanbieter in ihren Programmen Nachrichtensendungen. Da sie insgesamt stärker vom Konzept eines Unterhaltungsfernsehens ausgingen (und auch weiterhin ausgehen), richteten sie die Nachrichtensendungen stärker auf Unterhaltung aus. Es entstanden Mischformen, die sich durch eine lockere Moderation, eine musikalische Untermalung von Berichten und Human-Touch-Themen – die sich auf die Berichterstattung über Personen (Einzelschicksale aber auch Prominente) konzentrieren – auszeichneten. Die neue Präsentationsform wurde und wird als Mischung von Information und Entertainment, als 'Infotainment', bezeichnet. Von den neuen Nachrichtensendungen – "RTL aktuell", "Sat.1 News", "RTL II News" oder "Newstime" (ProSieben) – konnte jedoch mittelfristig nur "RTL aktuell" einen nennenswerten Anteil Zuschauer an sich binden. "RTL aktuell" profilierte sich insbesondere durch eine nüchterne Berichterstattung zu den Terroranschlägen vom 11.9.2001. Das was nicht zuletzt auf den Moderator ("Anchorman") Peter Kloeppel zurückzuführen.

Die öffentlich-rechtlichen Sender, insbesondere die ARD mit ihrem Ersten Deutschen Fernsehen, bauten die Präsenz der Nachrichtensendungen in ihrem Programm aus. Heute gibt es tagsüber eine "Vertaktung" des Programms durch Nachrichtensendungen alle ein bis zwei Stunden. Hinzu kommen eigene Nachrichtenprogramme wie z. B. "tagesschau24" (vor dem 01.05.2012 "EinsExtra") mit "Nachrichten im Viertelstundentakt". Der Zuschauer wird auf diese Weise permanent mit den neuesten Informationen versorgt.

Anchormen – Nachrichtensprecher als Medienstars

Bei den Nachrichtensendungen spielte die Figur des Nachrichtensprechers seit Beginn eine besondere Rolle. Vor allem jedoch seit den 1960er Jahren, als es zu einer Verstetigung und neuen Professionalisierung der Nachrichtenvermittlung kam. Weil die Sprecher bei den täglichen Nachrichtensendungen vertraute und immer wiederkehrende Bindeglieder darstellten, wurden sie rasch zu bekannten Bildschirmgrößen, zu Medienstars. "Tagesschau"-Sprecher wie Karl-Heinz Köpcke, Dagmar Berghoff oder Jo Brauner wurden im Verlauf ihrer Karrieren zu Gesichtern der ARD. Gleiches galt für ihre Kollegen vom ZDF und die Moderatoren der Nachrichtenjournale, die die Rolle von "Welterklärern" übernahmen. Ihre direkte und persönliche Ansprache des Publikums gab vielen Zuschauern das Gefühl, sicher durch die Katastrophen und Konflikte der Welt geleitet zu werden. Auch bei der "Aktuellen Kamera" gab es feste Sprecher, zum Beispiel Angelika Unterlauf oder Klaus Feldmann.

Standardisierung der Darstellung

Neben der besonderen Rolle des Nachrichtensprechers spielte zunehmend auch die Standardisierung der Nachrichten eine Rolle. Sie drückte sich vor allem in der Verwendung von visuellen Stereotypen in der Politikdarstellung (Begrüßungsszenen, Gruppenbilder etc.) und in der Verknappung der Kontexte aus. Nicht immer erhöhte sich damit die Verständlichkeit. So ist es seit den 1960er Jahren ein Problem, dass nur ein geringer Anteil der Meldungen (zwischen 20 und 40 Prozent) von den Zuschauern unmittelbar nach der Sendung aus der Erinnerung noch benannt werden kann. Es stellt sich damit die Frage nach der Bedeutung, die die Nachrichten für die Orientierung der Menschen wirklich haben.

Agenda-Setting

Da die Nachrichtensendungen immer nur aus der Fülle der in der Welt sich ereignenden Geschehen auswählen können, kommt dieser Auswahl besondere Bedeutung zu. Sie bestimmen was wichtig ist, was in der Gesellschaft behandelt und diskutiert werden soll und sie setzen bestimmte Themen auf die 'Tagesordnung'. Dieses 'Themen machen' wird als "Agenda-Setting" bezeichnet. Weil dieser Themenlenkung durch die Medien eine solche Bedeutung zukommt, versuchen viele, die eine Nachricht publik machen wollen, auf diese 'Agenda' der Medien zu kommen.