30.8.2012

Politmagazine im Fernsehen der DDR

In der DDR ging – in der Präsentation und dem Anliegen, brisante Themen aktuell aufzugreifen, den bundesdeutschen Magazinen wie "Panorama" oder "Report" nicht unähnlich – 1963 das einzige zeitkritische Magazin des DDR-Fernsehens auf Sendung: "Prisma. Probleme – Prozesse – Personen" (1963–1991). Themen aus Innen-, Wirtschafts- und Sozialpolitik wurden behandelt. An Misständen wurde - zwar in engen Grenzen - aber immerhin öffentlich Kritik geübt.
Der DDR-Fernseh-Kommentator Karl-Eduard von Schnitzler bei seinem letzten TV-Auftritt in der Sendung "Der Schwarze Kanal" am 31. Oktober 1989Der DDR-Fernseh-Kommentator Karl-Eduard von Schnitzler bei seinem letzten TV-Auftritt in der Sendung "Der Schwarze Kanal" am 31. Oktober 1989 (© picture-alliance/dpa)

"Prisma" war von 1963 bis 1991 das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin des DDR-Fernsehens, in dem auch Missstände im Arbeitsleben und im Alltag der DDR kritisch und z.T. humorvoll beleuchtet wurden. In diesem Beitrag wird das umständliche Belegwesen, verbunden mit dem Ausfüllen seitenlanger Formulare selbst bei kleinsten Einkäufen, unter die Lupe genommen. (Ausschnitt aus der Sendung vom 27.3.1980) (© Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv, 1980)
Die Resonanz bei der DDR-Bevölkerung war groß. Zehntausende Beschwerden, Eingaben, Hinweise gingen im Büro für Zuschauerpost ein. Einige lösten die Produktion neuer Beiträge aus, der überwiegende Teil wurde jedoch an die verantwortlichen Stellen zur Bearbeitung weitergereicht. Erheblichen Anteil am Erfolg der Sendung hatte Redaktionsleiter, Autor und Redakteur Gerhard Scheumann. Er hatte die Sendung entwickelt und sie in den ersten Jahren, in der Art eines Anchorman, verantwortet und präsentiert. Außenpolitik und deutsch-deutsche Themen blieben bei "Prisma" ausgeklammert.

Um den Blick über die DDR-Grenzen hinaus kümmerte sich "Objektiv. – Tatsachen – Hintergründe – Kontraste" (1965–1990). Das Magazin sollte "das Bedürfnis nach umfassender Information über das Weltgeschehen" befriedigen. Wie die "objektive" Perspektive für die politische Berichterstattung aussehen sollte, gaben die Partei (SED) und die Regierung vor.

Materialbeschaffung über Umwege

Ein Problem bildete die Materialbeschaffung für die Berichterstattung. In den 1960er und frühen 1970er Jahren verfügte das Fernsehen der DDR über kein umfangreiches eigenständiges Korrespondentennetz. Hinzu kam die politische Isolierung der DDR, die im ersten Jahrzehnt von "Objektiv" die Versorgung der Redaktion mit Bildern aus der westlichen Welt erschwerte. Deshalb wurden ungewöhnliche Wege beschritten. Über eine im Westen unverdächtige TV-Agentur in Schweden wurden Kameraleute engagiert, die Filmaufnahmen und Hintergrundinformationen lieferten. Daneben wurde seit den späten 1960er Jahren ein Netz an "Undercover-Korrespondenten" in den westlichen Ländern aufgebaut.

"Der Schwarze Kanal"

"Der schwarze Kanal" war eine Propaganda-Sendung des DDR-Fernsehens von 1960 bis 1989, in der der Moderator Karl Eduard von Schnitzler anhand von Ausschnitten aus Sendungen des Westfernsehens die Lebensverhältnisse und die Politik der BRD "entlarvte". In dem Ausschnitt geht es um ein Interview von Konrad Adenauer am Abend vorher, das aufgrund der damals aber nicht erworbenen Ausstrahlungs-Rechte auf der DVD nicht gezeigt werden kann. (Ausschnitt aus der Sendung vom 21.3.2013) (© Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv, 1960)
Einen besonderen Blick nach "Drüben", obgleich mit anderer Perspektive, lieferte Karl-Eduard von Schnitzler mit seiner Sendung "Der Schwarze Kanal" in den Jahren von 1960 bis 1989. Der "Chefkommentator" des DDR-Fernsehens zeigte Ausschnitte aus den bundesrepublikanischen Fernsehprogrammen, die durch Montagen und Kommentare ideologisch-polemisch aufbereitet wurden. Von Schnitzler hatte damit eine Idee aufgegriffen, die der westdeutsche Fernsehjournalist Thilo Koch in den Jahren 1958 bis 1960 in einigen Sendungen mit dem Titel "Die rote Optik" entwickelt hatte. Koch hatte hier Ausschnitte aus dem DDR-Fernsehen für seine Sendungen verwendet. Ziel des "Schwarzen Kanals" war es, das 'Feindbild BRD' (böse, schwarz, faschistoid, sozial ungerecht) gegenüber dem "besseren Deutschland" DDR zu präsentieren. Damit sollten DDR-Bürger in die Lage versetzt werden, das von ihnen konsumierte Westfernsehen vom richtigen "Klassenstandpunkt" aus zu durchschauen. Doch die Rechnung ging nicht auf: Sendung und Macher wurden zum zwar bekanntesten, aber meistgehassten und meistbelächelten Programmbestandteil des DDR-Fernsehens.

Gegenspieler in der BRD – Das "ZDF-Magazin"

Von Schnitzlers direkter Gegenspieler im bundesrepublikanischen Fernsehen wurde ab 1969 Gerhard Löwenthal mit dem "ZDF-Magazin". Löwenthal, ein vehementer Verfechter des Antikommunismus und Fürsprecher konservativer Positionen, legte es darauf an, in nahezu jedem präsentierten DDR-Thema den repressiven Charakter des Landes sichtbar zu machen. Ebenso beschäftigte er sich mit linksgerichteten und liberalen Entwicklungen in der Bundesrepublik aus konservativer Sicht. Auch Löwenthal polarisierte sein Publikum und wurde mit seiner Sendung zum schärfsten Widerpart der kritischen Berichterstattung von "Panorama" und "Monitor". Das ZDF etablierte nach wachsender Kritik ab 1971 mit "Kennzeichen D" - unter der Leitung von Hanns-Dieter Schwarze - ein Gegengewicht zu Löwenthal. Schwarze bewertete beispielsweise die Ostpolitik der sozialliberalen Bundesregierung entschieden positiv und begleitete ihre Entwicklung durch eine aufmerksame Berichterstattung. In der Wendezeit 1988/1989 entwickelte das ZDF zunächst das Magazin "Studio 1". Das wurde 1993 von "Frontal" abgelöst und 2001 nach dem Ende von "Kennzeichen D" als "Frontal 21" weitergeführt.