Neue und neu aufgelegte Musiksendungen

30.3.2013
1996 erlebte der WDR-"Rockpalast" nach einer mehrjährigen Pause eine Wiedergeburt. Er wurde der veränderten Nachfrage angepasst und entsprach der Einführung diverser Unterlabels. Es gab unter anderem die "Classic Nacht", "Rockpalast Bootleg" und "Intro Intim".
DSDS-Gewinner Daniel Schuhmacher jubelt nach dem Finale der RTL Castingshow "Deutschland sucht den Superstar"DSDS-Gewinner Daniel Schuhmacher jubelt nach dem Finale der RTL Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" (© ddp/AP)
Regelmäßig war das "Rockpalast"-Team bei den großen Festivals präsent. Spätestens mit der Renaissance des Live-Konzerts Anfang des neuen Jahrtausends, war die Sendung wieder auf der Höhe der Zeit. Außer im WDR sind "Rockpalast"-Produktionen auch auf 3sat und im Digitalkanal ARD-EinsFestival zu sehen. 3sat veranstaltet zusätzlich an besonderen Tagen den Thementag "Pop around the clock". 24 Stunden lang werden Live-Auftritte unterschiedlichster Künstler aneinander gereiht.

Ebenso verfahren Sat.1 mit dem "Sat.1 Music Special" und ProSieben mit "We love in Concert". In beiden Reihen sind gelegentlich zu nächtlicher Stunde Konzertausschnitte oder Musikdokumentationen von auch bei Jugendlichen beliebten Künstlern zu sehen.

Live-Musik-Formate



3sat unterhielt überdies einen regelmäßigen Sendeplatz für Live-Musik im freitäglichen Nachtprogramm, in der Hauptsache ein Jazztermin, auf dem aber auch verwandte Sparten wie Funk und Rockjazz zur Ausstrahlung gelangten. Auch Freunde US-amerikanischer Country-Musik werden bei 3sat fündig: Die Sendereihe "Country Roads" stellt neueste Clips aus den USA vor, gelegentlich ergänzt um Sondertermine wie die US-Galaveranstaltung Country Music Association Awards. Eigene Live-Produktionen zeigt der SWR in der Reihe "SWR 3 Late Night Extra". Das Spektrum umfasst Künstler wie Herbert Grönemeyer, Scissor Sisters und 2raumwohnung.

In unregelmäßigen Abständen präsentiert der Kultursender arte ebenfalls Live-Mitschnitte sowie ausgiebige Festivalberichte, zum Beispiel über das Open-Air-Konzert in Wacken. Kompetenten und hintergründigen Musikjournalismus leistet darüber hinaus das wöchentliche arte-Kulturmagazin "Tracks".

Popmusik mit Show-Elementen



Die Verbindung von Popmusik mit Show-Elementen finden sich in Sendereihen wie "Die ultimative Chartshow" (RTL, seit 2003) oder "Die Hit-Giganten" (Sat.1, seit 2003) sowie in diversen Musik-Castingshows, die der Suche nach Nachwuchsinterpreten oder der Zusammenstellung einer neuen Band dienten. Die verschiedenen Musik-Castingshows haben direkte Vorbilder in den Produktionen "Star Search" (USA, 1983–1995 und 2003–2004), "Popstars" (Australien/Neuseeland, seit 1999) und "Making the Band" (USA, seit 2000, MTV). Die ab Oktober 2000 bei RTL im Nachmittagsprogramm gezeigte "Reality-Popsoap" mit dem Titel "Deine Band" blieb erfolglos, weil die Sendezeit ungünstig gewählt worden war und das Konzept wenig Raum für Emotionen und Empathie ließ, da die Zusammenstellung der Band gleich zu Beginn der Reihe erfolgte statt wie in den vielen verwandten Formaten als spannender Höhepunkt am Ende einer Staffel.

Musik-Doku-Soaps und Castingshows



Die am 14. November 2000 im RTL II-Abendprogramm gestartete Star-Schmiede "Popstars", später bei ProSieben beheimatet, hatte demgegenüber einen hohen Doku-Soap-Anteil und traf auf ein fasziniertes Publikum. RTL erwarb die deutschen Rechte an der britischen Show-Reihe "Pop Idol" (seit 2001), die der frühere Manager der Spice Girls, Simon Fuller, entwickelt hatte. In Deutschland hieß das in alle Welt verkaufte Format "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) und ist seit Herbst 2002 mit mehreren Staffeln erfolgreich. Durch den Erfolg von DSDS wurde in Deutschland ein regelrechter Casting-Boom ausgelöst mit Castingshows zu diversen Themen. Neben den bereits existierenden etablierten sich auch weitere Musik-Castingshows, z. B. "X Factor" (Vox/RTL) oder "The Voice of Germany" (ProSieben/Sat.1).

Einnahmemöglichkeit durch Telefon-Voting



Bei Castingshows stimmt das Publikum meistens per Telefon über das Fortkommen der Teilnehmer und letztlich über den Sieger ab und entscheidet nicht zuletzt nach Charakter und sozialem Verhalten innerhalb der öffentlich ausgetragenen Konkurrenz. Die veranstaltenden Sender gewinnen mit den kostenpflichtigen Anrufen zusätzlich zur Schaltung von Sponsoren- oder Unterbrecherwerbung eine lukrative Einnahmemöglichkeit aus den Telefongebühren und sind an den Plattenverkäufen beteiligt.