30.8.2012

"Abendgruß" für Vorschulkinder

Schon ab 1957 strahlte der DFF auch Sendungen für Kinder von drei bis fünf Jahren aus. In der gleichen Zeit hatten die Kinderfernsehredakteure der ARD aufgrund der Novellierung des Jugendschutzgesetzes beschlossen, keine Sendungen für Kinder unter sechs Jahren anzubieten.

"Sandmännchen": DFF schneller als SFB

Das SandmännchenDas Sandmännchen Lizenz: cc by-sa/3.0/de (Bundesarchiv Bild 183-1984-1126-312 / Fotograf: o. Ang.)

1959 wurde das "Sandmännchen" ins Programm genommen. Es handelte sich hier um eine Weiterentwicklung des bereits seit 1958 gesendeten "Abendgrußes", der letztlich auf die Sendung "Abendlied" der Kinderfunkspezialistin Ilse Obrig im (Ost-) Berliner Rundfunk zurückging. 1959 planten Ilse Obrig, inzwischen beim West-Berliner Sender Freies Berlin beschäftigt, und die Puppengestalterin Johanna Schüppel, für den SFB eine Sandmännchen-Sendung mit einer einfachen Handpuppe zu schaffen. Noch bevor "Sandmännchens Gruß für Kinder" am 01.12.1959 im SFB auf Sendung ging, sendete der DFF aus Berlin-Adlershof am 22.11.1959 "Unser Sandmännchen". Die Ost-Berliner Fernsehmacher unter dem damaligen Fernsehchef Walter Heynowski hatten von der West-Berliner Idee erfahren. Daraufhin entwickelte der Bühnen- und Kostümbildner Gerhard Behrendt die Trickfilmfigur des Sandmännchens – zusammen mit Harald Sekowski, der für die Kulissen und die später oft futuristischen Fahrzeuge zuständig war. Seine endgültige Gestalt mit dem Bart erhielt das Sandmännchen im Sommer 1960. Die Sendung wurde in einem gesonderten Studio in Berlin-Mahlsdorf produziert.

Gaststars: Figuren aus anderen Sendungen

Das Sandmännchen führte in jeder Sendung auf einem kleinen Fernsehgerät Geschichten (Einspielfilme) vor, die zumeist von Märchenfiguren oder Alltagszenen handelten, aber auch von Besuchen bei der Nationalen Volksarmee, den Grenztruppen oder von Pionierferienlagern erzählten. Weitere Figuren waren Flax und Krümel, Pittiplatsch und Schnatterinchen, Moppi, der Hund, das Küken sowie Herr Fuchs und Frau Elster, die teilweise auch in anderen Kinderfernsehsendungen des DFF präsent waren, etwa in "Meister Nadelöhr erzählt Märchen". Die verschiedenen Geschichten folgten über lange Zeit einem festen Abfolgeplan, so dass an jedem Wochentag eine bestimmte Geschichte gezeigt wurde (Sandmännchen, 2008).

Das "Sandmännchen" als Identifikationsfigur

Das Sandmännchen wurde über Generationen hinweg zu einer wichtigen Identifikationsfigur für die DDR-Zuschauer. Der Kosmonaut Sigmund Jähn, der 1978 als erster Deutscher ins Weltall flog, nahm auch eine Sandmännchen-Puppe mit, die dann mit der von dem sowjetischen Kosmonauten mitgebrachten Fernsehpuppe Mascha eine 'Puppenhochzeit' feierte. Nach dem Ende der DDR sollte das Sandmännchen zunächst eingestellt werden, wurde jedoch nach zahlreichen Protesten weitergeführt und wird heute vom RBB, dem MDR und dem Kinderkanal KiKA ausgestrahlt.