30.8.2012

Der Kinderkanal von ARD und ZDF

ARD und ZDF haben zwar montags bis freitags ihre Sendungen für Kinder in den beiden Hauptprogrammen eingestellt, liefern aber beide Sendungen für den KiKA. Mit "Bernd das Brot", einer animierten Puppe, die einen stets miesgelaunten Brotlaib darstellt (2004 ausgezeichnet mit einem Adolf-Grimme-Preis), oder "Beutolomäus", dem Geschenkesack des Weihnachtsmannes (Robert Geisendörfer Preis), ist es dem Kinderkanal KiKA gelungen, in den Nullerjahren zwei neue Figuren in der Fernseh-Kinderwelt zu verankern.
Das Bernd-das-Brot-Denkmal auf dem Fischmarkt in ErfurtDas Bernd-das-Brot-Denkmal auf dem Fischmarkt in Erfurt Lizenz: cc by-sa/3.0/de (Michael Sander)


Fernsehen für die Kleinsten: "Teletubbies"

Ein Programm, das in der Öffentlichkeit Aufsehen erregte, war "Teletubbies", von 1997 bis 2001 im Auftrag der BBC produziert und in Deutschland vom KiKA ab 1999 ausgestrahlt. Es handelte sich hier um vier Puppen, die aus einem einheitlichen Kunststoffmaterial mit Antennen auf dem Kopf gefertigt waren. Sie wohnten in einem Haus, erlebten kleine Geschichten, wurden mit für sie neuen oder herausfordernden Gegenständen konfrontiert, staunten dabei und sprachen in einer besonderen 'Kleinkindsprache'. Wenn etwa eine Geschichte erzählt wurde, riefen sie "Nomal, nomal" ("Noch einmal, noch einmal"). Sie sollten angeblich die Fantasie von Kleinkindern anregen. Ihnen wurde aber vorgehalten, die Sprachentwicklung der kleinen Zuschauer zu stören, weil sie im Babyton verharrten. Nach dem Ende der Ausstrahlung der Serie wurde auch die Diskussion über die Schädlichkeit solcher Formate für Kleinkinder nicht weitergeführt.

KiKA auf Erfolgskurs

Anfangs war der 1997 gegründete KiKA bloß als Juniorpartner von ARD und ZDF zu betrachten. Mittlerweile hat sich nicht zuletzt aufgrund der Quotenentwicklung ein beeindruckendes Selbstbewusstsein entwickelt. Auch wenn Frank Beckmann, bis Oktober 2008 Programmgeschäftsführer des Senders, für die Maxime stand, man wolle Meinungs-, nicht Marktführer werden, so waren und sind eindrucksvolle Marktanteile bei Auftritten vor ARD-Gremien ohne Frage von Bedeutung. Mit Doku-Soaps wie "Der Boss sind wir!" (2006), bei der Kinder mit ihren Eltern die Rollen tauschen, oder "Platz für Helden!" (2007), in der Kinder vorgestellt werden, die sich engagieren, wirkt der KiKA zudem immer wieder über das Programm hinaus. Daneben wurden in den letzten Jahren zahlreiche KiKA-Sendungen ausgezeichnet.

Im Mittelpunkt der Fernsehserie "Beutolomäus sucht den Weihnachtsmann", die 2005 im Vorweihnachtsprogramm von KI.KA in genau 24 Episoden täglich bis zum 24.12. ausgestrahlt wurde, steht die Weihnachtsfigur "Beutolomäus", ein Jutesack mit Gesicht und großer Knollennase. Bereits in den Jahren zuvor und auch danach bis 2009 gab es jährlich Weihnachts-Geschichten mit Beutolomäus. (Ausschnitt aus der Sendung vom 1.12.2005) (© KI.KA, 2005)

Herausforderungen für die Branche

Nicht nur KiKA, der gesamte Markt steht vor Herausforderungen, die Beckmann in einem im November 2007 geführten Interview so beschrieb: "Demografische und soziale Veränderungen, neue Verbreitungswege und technologische Entwicklungen werden das Kinderfernsehen massiv beeinflussen". Soll das KiKA-Programm seine Zielgruppe weiter erreichen, muss es dort präsent sein, wo sich die Kinder aufhalten. Frank Beckmann schwebte daher ein ganz anderes Medienmodell vor. Er wollte sich vom klassischen Modell des "linear broadcasting" verabschieden und Programme so zur Verfügung stellen, dass Eltern und Kinder sie nach eigenen Vorlieben und unabhängig vom Erwerb von zu kaufenden DVDs nutzen können. Mit der Einführung der Online-Mediathek "KiKA+" sowie der Sendung "Kikaninchen" mit einem ergänzenden Online-Portal, das das gemeinsame Medienerlebnis von Eltern und Vorschulkindern fördern will, wurde diese Idee 2009/10 umgesetzt.

Auch "ältere" Kinder im Blick

Neue Sendeformate gibt es im KiKA seit 2009/10 nicht nur für Vorschulkinder sondern auch für die 10- bis 13-Jährigen. Einen Schwerpunkt bilden Doku-Soaps, Doku-Reihen ("Schau in meine Welt") sowie Magazinsendungen, z. B. zur Pubertät ("Du bist kein Werwolf"), zur Mediennutzung ("Kurz+Klick) oder zu Umwelt- und Gesellschaftsfragen ("Erde an Zukunft"). Bei den Doku-Soaps werden verschiedene Jugendliche dabei begleitet, wie sie z. B. ein Praktikum in Berlin machen, zum ersten Mal in einer WG leben oder an einem Surfwettbewerb teilnehmen. Die Doku-Soaps werden abwechselnd zu verschiedenen Themen produziert und haben einen eigenen Sendplatz am Nachmittag.