30.8.2012

Qualität: altersgerecht und Orientierungshilfe


Für die Fernsehmacher steht die Unterhaltung im Vordergrund, schließlich wollen auch die werbefreien Sender gesehen werden. Daher formuliert Barbara Biermann, Leiterin des Programmbereichs Kinder und Jugend beim ZDF, ihre Definition aus Sicht der Zielgruppe: Kinder erwarteten ein Programm, "das Spaß macht und ihre Neugier befriedigt", das auf unterhaltsame Weise Geschichten erzähle und, ganz wichtig: "das sie angeht".

Denn "nur wer die Kinder auf Augenhöhe ansprechen kann, vermag auch zu erkennen, welche Bedürfnisse und welche Ansprüche die jungen Zuschauer in ihrem Programm bedient sehen wollen" (ebd.). Siegmund Grewenig, Leiter des Programmbereichs Kinder und Familie beim WDR, zählt gleich zehn Aspekte auf: Kinder in ihrer Lebenswelt ansprechen, Kindern Spaß machen, Kindern Identifikation anbieten, Kindern die Welt zeigen und sie staunen lassen, Kinder informieren, Kindern etwas beibringen, Kinder brauchen Ereignisse, für Kinder erreichbar sein, Kinder ästhetisch ansprechen, Kinder motivieren und sie mobilisieren (Gangloff 2006, S.3).

Fernsehen als Orientierungsmedium

Der langjährige KiKA-Programmgeschäftsführer Frank Beckmann nähert sich dem Qualitätsbegriff, indem er sich erst einmal abgrenzt: "Neue Programmanbieter begreifen allein die Tatsache, dass es mehr Sendungen gibt, als Aufwertung des deutschen Kinderfernsehens. Aber was ist besser daran, wenn man dasselbe sieht – nur öfter? Ist es Qualität, nur amerikanisches oder asiatisches Trick-Einerlei anzubieten?" (ebd.). Für den ehemaligen KiKA-Chef ist Fernsehen "das Orientierungsmedium Nummer eins. Es ist deshalb keine Zeitverschwendung, zunächst darüber nachzudenken, welche Werte dieses Medium vermitteln soll. Wir prägen zum Teil die Meinungsbildung von Kindern". Die Frage sollte daher sein, was Kinder brauchen: "Wenn wir Fernsehmacher die Anforderungen an die Kinder mit ihren eigenen Wünschen in Übereinstimmung bringen können, dann kommen wir dem Qualitätsbegriff schon sehr nahe" (ebd.).

Altersgerechte Themenumsetzung

Bei Claude Schmit, Geschäftsführer von Super RTL, bekommen zunächst einmal jene Sendungen die besten Noten, die am meisten Quote machen. Wer das gestellte Ziel nicht erreicht, wird aus dem Programm genommen. Doch was so einfach klingt, ist in Wirklichkeit komplizierte Arithmetik, schließlich gibt es "die Zielgruppe" überhaupt nicht: "Das Kinderpublikum ist vielmehr ausgesprochen heterogen und individuell". Seine Definition: "Qualität im Kinderfernsehen bedeutet, Themen altersgerecht umzusetzen, alle Möglichkeiten dieses faszinierenden Mediums zu nutzen, um Kinder zu fordern, neugierig zu machen und ihre Fantasie und Kreativität anzuregen. Gutes Kinderfernsehen macht Spaß, ist lehrreich und informiert, nimmt seine Zuschauer mit in fremde und neue Welten und erklärt ihnen die eigene" (Gangloff 2006, S.4). Eine solche Formulierung könnte auch von öffentlich-rechtlichen Kinderfernsehredakteuren stammen. Es kommt also immer darauf an, wie solche Zielsetzungen realisiert werden.