30.8.2012

Bildungsfernsehen der 1950er und 1960er Jahre in der BRD

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Caption: © -/FIRST LOOK - FLO -- Apollo 11 - Sonderstudio zum 1.Mondflug
1969. Im Bild: Othmar Urban (li.): Die Apollo 11-Mission der amerikanischen
Raumfahrtbehörde NASA war die erste bemannte Mission mit dem Ziel der
weichen Landung auf dem Erdmond.Apollo 11 - Sonderstudio zum 1.Mondflug 1969. Im Bild: Othmar Urban (li.) (© picture-alliance, First Look)


Zu den frühen Bildungssendungen, die sich zu Beginn der Fernsehentwicklung häufig auf geisteswissenschaftliche Themen und Alltagsprobleme bezogen, kamen in West wie Ost Sendungen hinzu, die naturwissenschaftliche und vor allem auch technische Erfolge feierten. Seit den späten 1950er Jahren sind dies vor allem Sendungen zur Monderkundung und zur Raumfahrt. Im DDR-Fernsehen gab es schon 1957 eine Sondersendung zum Start des Satelliten "Sputnik" durch die Sowjetunion, im bundesrepublikanischen Fernsehen kamen vor allem Ende der 1960er Jahre zahlreiche Sendungen zur Mondlandung und zu Raketenstarts ins Programm. Zur Apollo-Mondlandung 1969 übertrug z. B. der WDR Bilder aus einem speziell gebauten Apollo-Sonderstudio (16. bis 24.7.1969). Auch das DDR-Fernsehen berichtete in oft umfangreichen Sendungen von den Raumfahrterfolgen, hier allerdings der Sowjetunion. Das Fernsehen vermittelte auf diese Weise eine naturwissenschaftlich-technische Aufbruchstimmung – in West wie in Ost.

Fernsehangebote gegen die "Bildungskatastrophe"

Auslöser der Bildungsdiskussion in den 1960er Jahren waren in der Bundesrepublik vor allem zwei Bücher: "Die deutsche Bildungskatastrophe" (1964) von Georg Picht und "Bildung ist Bürgerrecht" (1965) von Ralf Dahrendorf, in denen die Notwendigkeit einer aktiven Bildungspolitik beschworen wurde, sollte Deutschland nicht seinen Status als ein führendes Industrieland verlieren. Neben zahlreichen Bildungsinitiativen, die auf den Schul- und Hochschulbereich zielten, fühlte sich auch das Fernsehen angesprochen, hatten doch die Rundfunkanstalten mit den ihnen im ZDF-Staatsvertrag zugestandenen Dritten Programmen die Möglichkeit, hier spezielle Angebote machen zu können. Dazu schienen ihnen audiovisuelle Lernprogramme, wie sie in dem weltweit diskutierten Schulfernsehen erprobt wurden, besonders geeignet.

Arbeitsgemeinschaft für Schulfunk und Schulfernsehen

1964 entstand eine ARD-Kommission für das Schulfernsehen, aus der dann 1972 die Arbeitsgemeinschaft für Schulfunk und Schulfernsehen hervorging, welche die Produktion von multimedialen Unterrichtswerken koordinierte. Die in speziellen Schulfernsehredaktionen der Sender entwickelten, zumeist mehrteiligen Kursangebote wurden zwischen den regional ausgestrahlten Dritten Programmen ausgetauscht. In wenigen Jahren entstanden ca. 1.500 Unterrichtsstunden. Sie machten die Bundesrepublik, obwohl sie sich erst spät dem Schulfernsehen zuwandte, zu einem führenden Land in der Produktion von audiovisuellen Lerneinheiten (vgl. Boum 2003, S.29ff.) Für alle Unterrichtsfächer wurden Kurse angeboten, z. B. für Englisch und Französisch, dann auch für die Naturwissenschaften, für Geografie und andere, auch außerschulische Themenbereiche.

Anfangs stellten die Sendungen abgefilmte Unterrichtsstunden dar. Seit den 1980er Jahren verstand sich das Schulfernsehen stärker als ein Partner der Lehrer denn als Lehrerersatz, so dass man sich von moderierten Studiosendungen stärker auf Dokumentationen und Features verlegte, wobei trotzdem noch auf eine leichte Integrierbarkeit in den Unterricht geachtet wurde.


Materialien zu "Bildungs- und Schulfernsehen, Telekolleg"

PDF-Icon Bildung und Wissen im Fernsehen
PDF-Icon Die Bildungsdiskussion