30.8.2012

Die Entwicklung des Bildungsfernsehens bis heute

Schulfernsehen wird heute noch vom Bayerischen Rundfunk (BR) produziert, vom Hessischen Rundfunk (HR) und gemeinsam vom Südwestrundfunk (SWR) mit dem Westdeutschen Rundfunk (WDR). Die Sendungen werden morgens ausgestrahlt, z. B. in den Dritten Programmen des WDR und des SWR zwischen 6.00 und 9.00 Uhr unter dem Titel "Planet Schule". Sie sind speziell zum Mitschneiden gedacht und darüber hinaus auch online abzurufen. Teilweise werden sie auch auf dem Deutschen Bildungsserver zur Verfügung gestellt.

Themen des Schulfernsehens auf BR-online.de waren Anfang 2009 z. B.: "Ich mach's – Papiertechnologe/Papiertechnologin" (Arbeitslehre); "Von Schwarz bis Rot – Rolle der politischen Parteien" (Gemeinschaftskunde); "La petit gnome" (Französisch); "Phoebe Calling" (Englisch); "Ars poetica – Uwe Timm" (Deutsch); "Meilensteine der Naturwissenschaften und Technik – Edwin Powell Hubble"; "Wasser, Dampf und Eis" (Naturwissenschaften und Technik); "Wenn ein Schmetterling – Wirtschaftsfaktor Auto" (Erdkunde).

"Telekolleg" für die Erwachsenenbildung

Neben dem Schulfernsehen startete das Bayerische Fernsehen 1967 das "Telekolleg", das im Rahmen der Erwachsenenbildung die Möglichkeit schuf, die Mittlere Reife zu erwerben. Unter dem Motto "Mit dem Telekolleg kommt die Schule nach Hause" erhielten junge Erwachsene die Möglichkeit einer zweiten Bildungschance und einer Verbesserung ihrer beruflichen Perspektiven. Das Lernen geschah vielfach in Lerngruppen, die die Volkshochschulen parallel organisierten. Das Projekt war beispielhaft innerhalb des sonst eher festen bundesdeutschen Schulsystems und richtete sich vor allem an Frauen. 1984 wurde dieses "Telekolleg" wegen mangelnder Nachfrage eingestellt, bis dahin hatten aber immerhin 22.000 Teilnehmer die Mittlere Reife erworben. Ab 1972 kam das Telekolleg II hinzu, bei dem die Teilnehmer die Fachhochschulreife erwerben konnten. 2002 wurde das Telekolleg umgestellt und das "Telekolleg Multimedial" eingeführt, das von den Kulturministerien der Länder Bayern, Brandenburg und Rheinland-Pfalz und dem BR getragen wird. Die zu den Lehreinheiten gehörenden Sendungen werden vom Bayerischen Fernsehen (Drittes Programm) und BR-alpha, dem Bildungskanal des Bayerischen Rundfunks, ausgestrahlt. Gleichzeitig wird für das individuelle Lernen in starkem Umfang das Internet genutzt. Bis zum Jahr 2008 zählte das Telekolleg über 60.000 erfolgreiche Absolventen.

Weniger Bildungsangebote durch Umbau der Dritten Programme

In den späten 1970er Jahren begann der Umbau der Dritten ARD-Programme in Vollprogramme. Die ARD-Sender wollten sich mit der Umorganisation auf die kommende Konkurrenz durch kommerzielle Programme einrichten und mit zusätzlichen Vollprogrammen das Terrain besetzen. Vorreiter dieser Entwicklung war der Bayerische Rundfunk mit seinem Dritten Programm (Bayerisches Fernsehen), der unter der Leitung von Walter Flemmer zunächst seine regionale Berichterstattung ausbaute, dann insgesamt das Programm zu einem regionalen Vollprogramm machte (vgl. Flemmer 1977). Damit wurden die Schulfernseh- und Bildungsprogramme nach und nach reduziert, stattdessen wurden mehr Unterhaltungsangebote, Fernsehfilme und regionale Angebote ins Programm genommen. Der Rückgang der Schulfernsehreihen lag aber letztlich auch in der geringen Nutzung der Angebote durch die entsprechenden Zielgruppen begründet.

BR-alpha

Seit 1998 strahlt der Bayerische Rundfunk ein Satellitenprogramm aus, das auch in einzelne Kabelnetze eingespeist wurde: BR-alpha ist nun wieder als ein Bildungsprogramm konzipiert, das 24 Stunden lang gesendet wird und Eigenproduktionen sowie Sendungen anderer ARD-Anstalten ausstrahlt. Das Programm bringt Sprachkurse, das Telekolleg, Hochschul- und Wissenschaftssendungen, Weiterbildungssendungen, Sendungen zur Berufsfindung sowie Sendungen zu den Themenbereichen Philosophie, Literatur, Kunst und Kultur.

Sendereihen, die von anderen ARD-Sendern kommen, sind z. B. "Planet Wissen" von WDR und SWR, "Wissen macht Ah!" vom WDR, "Alpha Österreich" vom ORF. Hinzu kommen zahlreiche selbst produzierte Reihen wie "Geist und Gehirn" mit Manfred Spitzer, die Reihe "alpha centauri" – Sternegucken mit Harald Lesch oder die Berufsfindungsreihe "Ich mach's!". Gleichwohl stellte sich natürlich die Frage, ob nicht durch das Internet und die Entwicklung digitaler Lernsoftware die auf Ausbildung ausgerichteten Angebote zunehmend überflüssig werden.


Materialien zu "Bildungs- und Schulfernsehen, Telekolleg"

PDF-Icon Bildung und Wissen im Fernsehen
PDF-Icon Die Bildungsdiskussion