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30.8.2012

Sportübertragungen in den 50er Jahren (BRD)

Fussball Weltmeisterschaft 1954, Fritz Walter mit Jules Rimet Pokal, links Horst EckelFussball Weltmeisterschaft 1954, Fritz Walter mit Jules Rimet Pokal, links Horst Eckel (© picture-alliance, Pressefoto Baumann)


An diese ersten Erfahrungen wurde Anfang der 1950er Jahre angeknüpft, als es um den Aufbau des Fernsehens in der Bundesrepublik ging. Dass Sportübertragungen zum Programm gehörten, war eine nicht weiter hinterfragte Gewissheit, und so bestimmte der jeweilige Stand der Fernsehtechnik, welche Sportarten übertragen wurden. Ab 1952 standen dem Fernsehen des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) Übertragungswagen zur Verfügung.

Im August 1952 zeigte der NWDR das Fußballspiel zwischen dem Hamburger SV und Altona 93 in voller Länge. Wie die NWDR-Zeitung damals berichtete, waren drei Fernsehkameras im Einsatz, von denen zwei auf die Tore und eine auf das Mittelfeld ausgerichtet waren. In der Folgezeit übertrug der NWDR bis Mitte März 1954 24 Fußballspiele der Regional- und Oberligen und entwickelte eine erste Übertragungsroutine, obwohl die Bundesliga erst 1962 gegründet wurde und dann für einen weiteren Schub in der Entwicklung des Fernsehfußballs sorgte. Hinzu kamen Übertragungen von anderen Sportveranstaltungen, nicht zuletzt von Rudermeisterschaften. Im Sommer 1954 kommentierte der Sportreporter Hugo Murero auch die Deutsche Meisterschaft im Seifenkistenrennen. Man erprobte noch die verschiedenen Sportarten auf ihre Fernsehtauglichkeit und präsentierte auch, wenn es sich anbot, ausgefallene Sportereignisse.

Berichterstattung von Olympischen Spielen

Die Übertragung von Olympischen Spielen war anfangs durch die fehlenden Übertragungsleitungen zwischen den europäischen Ländern auf die Ausstrahlung von Filmberichten vom Vortage begrenzt. Von den Winterspielen in Oslo 1952 gab es deshalb nur Statements im Studio und Filme. Auch bei den Sommerspielen in Helsinki im gleichen Jahr gab es nur Filme, Tabellen und Standbilder, weil die Finnen Fernsehen noch nicht zugelassen hatten. Deshalb sollte im Studio durch das Miteinander der verschiedenen Materialien der Eindruck des Dabeiseins bei einer Live-Sendung vermittelt werden (Hickethier 1998, S.86). Das änderte sich erst 1956: Aus dem italienischen Cortina d´Ampezzo gab es die ersten Live-Berichte, aber von den Sommerspielen in Melbourne und aus Stockholm (dort fanden die Reiterspiele 1956 statt) kamen nur Filmberichte.

Die Fußball-Weltmeisterschaft 1954

Einen neuerlichen Schub brachte die Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz, bei der die deutsche Mannschaft unter Trainer Sepp Herberger den Titel holte. Hier konnte eine Fernsehverbindung genutzt werden, die inzwischen durch die Europäische Rundfunkunion (EBU) aufgebaut worden war. Wie bedeutsam diese Weltmeisterschaft für die Verbreitung von Fernsehgeräten war, mögen einige Zahlen verdeutlichen. In dem betreffenden Jahr stieg die Anzahl der bei der Bundespost angemeldeten Fernsehgeräte von 11.658 im Januar 1954 auf 84.278 im Dezember. Die Industrie musste Überstunden leisten, um die Nachfrage nach Geräten befriedigen zu können. Der "Spiegel" berichtete am 7. Juli 1954, dass die "erregenden Weltmeisterschafts-Übertragungen" einen Run auf Fernsehgeräte ausgelöst hätten. Die Lagerbestände bei den Herstellern Telefunken, Saba und Mende waren ausverkauft. Auch in der DDR konnte ein Zuwachs an Fernsehgeräten in Privathaushalten verzeichnet werden.

Sportübertragungen am Sonntag

Die meisten Sportübertragungen fanden sonntags statt, weil es eben an diesen Tagen die meisten Sportveranstaltungen gab und sich für Übertragungen, die tagsüber gesendet wurden, ein Publikum fand. Gleichzeitig wurde das Konzept der Programm-Macher, nicht mehr als 2-3 Stunden werktäglich Programm auszustrahlen, nicht tangiert. Reit- und Springturniere zogen sich über den ganzen Tag, Eiskunstlaufen füllte ganze Abende. Autorennen, wie z. B. das von Le Mans, gingen über 24 Stunden. Man behalf sich auch, indem man vom Anfang und Ende etwas zeigte, doch oft verpasste man dabei die wichtigsten Momente: Als es z. B. in Le Mans zu einem Unfall kam, war die Kamera nicht eingeschaltet (vgl. Hickethier 1998, S.166f.).

Beginn der Sport-Aufzeichnung



Auf Live-Übertragungen, so faszinierend sie wegen der Illusion der unmittelbaren Teilhabe waren, konnte sich das Sportfernsehen also nicht beschränken. Es musste auch komprimierte Zusammenfassungen geben. Bereits 1955 startete Hugo Murero mit der "Bunten Sportschau" – einem Magazin, in dem über verschiedene Sportereignisse berichtet wurde. Die Einführung der "Schnellumschaltung" der Dezimeterverbindungen 1956 erlaubte eine Art von Live-Konferenzschaltung zwischen verschiedenen Sportplätzen. Erst Ende 1958 wurden beim Südwestrundfunk die ersten Anlagen der sogenannten Magnetischen Bildaufzeichnung, kurz: Magnetaufzeichnung (MAZ), eingesetzt. Doch es dauerte noch bis Anfang der 1960er Jahre, bis es durch die MAZ-Technik in Übertragungswagen möglich war, aus den Aufzeichnungen der Sportereignisse vor Ort und schnell komprimierte Zusammenfassungen herzustellen und sie zeitversetzt zu senden.