30.8.2012

Sportübertragungen seit den 70er Jahren

Bei der Olympia-Berichterstattung 1972 aus München baute das DDR-Fernsehen den Umfang seiner Berichterstattung weiter aus: 390 Stunden Programm wurden gesendet. Als weitere regelmäßige Sendungen erschienen der "Sportreporter" und "Sportarena", ab 1978 auch die Sendereihe "Halbzeit". In den Sportsendungen wurde nun – auch durch die wachsende Routine – zuverlässig und informativ über die Sportereignisse berichtet.

Ab 1969 im zweiten Programm des DDR-Fernsehens ausgestrahlt lieferte die Sendung "Sportreporter" Berichte und vertiefende Hintergrundinformationen, angelehnt an das "ZDF-Sportstudio". Hier mit einem Bericht über die Rückkehr der Fußball-Nationalmannschaft von der WM 1974. (Ausschnitt aus der Sendung vom 8.7.1974) (© Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv, 1974)


Ab Oktober 1969 lief im zweiten Programm des DDR-Fernsehens jeden Sonntagabend die Informationssendung "Sportarena". Neben Direktübertragungen und Aufzeichnungen gab es auch ausführliche Berichte und Sport-Nachrichten. (Ausschnitt aus der Sendung vom 13.6.1971) (© Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv, 1971)


Bei der Fußballweltmeisterschaft 1974 in der Bundesrepublik kam es in der ersten Finalrunde, nachdem die DDR-Mannschaft unerwartet gegen Australien und Chile gewonnen hatte, zum einzigen jemals ausgetragenen Länderspiel gegen die Bundesrepublik. Die DDR-Mannschaft gewann durch ein Tor von Jürgen Sparwasser mit 1:0. Nach dieser Niederlage kam es in der bundesdeutschen Mannschaft zu einer Aussprache ("Nacht von Malente"), die offenbar so wirkungsvoll war, dass sich die bundesdeutsche Mannschaft noch einmal aufraffte und schließlich doch noch den Sieg bei dieser Weltmeisterschaft errang. Für den DDR-Sport war der Sieg über die bundesdeutsche Mannschaft von großer Bedeutung und wurde zu einem regelrechten Kultereignis. Wiederholt wurde es thematisiert und ist seither mehrfach nachträglich erlebbar gemacht worden (so im Fernsehfilm "Küss mich, Genosse 2007" oder 2008 in der Performance von Massimo Furlan, bei der er allein in einem Stadion in Halle die Läufe Sparwassers nachstellt und damit Erinnerungen und nationale Mythen thematisiert).

DDR - BRD 1:0 - Mit einem Tor von Jürgen Sparwasser (links) besiegte die Mannschaft der DDR die Vertretung der Bundesrepublik bei der WM 1974.DDR - BRD 1:0 - Mit einem Tor von Jürgen Sparwasser (links) besiegte die Mannschaft der DDR die Vertretung der Bundesrepublik bei der WM 1974. (© AP)


Internationalisierung und Ökonomisierung des Sports

In den 1970er Jahren veränderte sich auch in der DDR das Sportfernsehen "immer mehr zum Fernsehsport" (Steinmetz/Viehoff 2008, S.361) und passte sich der internationalen Entwicklung der Medialisierung des Sports an, bei der die sportlichen Geschehen immer weiter den Bedingungen des Fernsehens unterworfen wurden. "Hier fügte sich die DDR-Sportentwicklung trotz des Bemühens um ihre 'sozialistische' Eigenständigkeit ein, da im internationalen Wettkampfgeschehen kaum noch Unterschiede zwischen den politischen Lagern gemacht wurden" (ebd.). Das bedeutete auch, dass die spezifischen Sportereignisse der DDR im DDR-Fernsehen an Bedeutung verloren. So ging z. B. der Umfang der Friedensfahrtberichterstattung bis Mitte der 1980er Jahre deutlich zurück. Der Anteil der Berichterstattung über Fußball-Weltmeisterschaften dagegen blieb weiterhin hoch, aber in vielen anderen Sportarten konnte das DDR-Fernsehen vor allem aus ökonomischen Gründen nicht mehr mithalten. Die Kommerzialisierung, die international die Übertragungskosten für Sportereignisse in die Höhe trieb, machte sich auch in der DDR-Berichterstattung bemerkbar.

Das Sportmagazin "Sport aktuell" war ab 1965 im DDR-Fernsehen zu sehen und als Pendant zur ARD-"Sportschau" konzipiert worden. (Ausschnitt aus der Sendung vom 22.5.1977) (© Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv, 1977)

Sportsendungen zur Zeit der Wende

Neben den Übertragungen von großen Sportveranstaltungen blieben bis 1990 vor allem die drei Reihen "Sport aktuell", "Halbzeit" und "Sport am Sonntag" auf Sendung und sicherten den Zuschauern eine kontinuierliche Information über das Sportgeschehen. Mit dem Ende des DFF endeten auch diese Sendungen. Die Sportberichterstattung wurde von den bestehenden Einrichtungen des bundesdeutschen Fernsehens weitergeführt. Mit der Sendung "7, 8, 9, 10 Klasse – Fußballsterne in Elbflorenz" wurde ein Benefiz-Fußballspiel zugunsten des Wiederaufbaus des Dresdener Schlosses übertragen. Es spielten ehemalige Weltmeister: eine gesamtdeutsche Elf gegen eine Weltauswahl. Die Übertragung war die erste große Kooperation zwischen dem DFF und Sat.1. Auch Bundeskanzler Kohl war anwesend und begrüßte die Fußballzuschauer vom Rasen aus mit einer Ansprache.