30.3.2013

Kommerzialisierung und Stilisierung des Sports

Die Kommerzialisierung des Sports hat dazu geführt, dass Sportereignisse als fernsehtaugliche Events inszeniert werden. Die Eröffnungsfeiern von Olympischen Spielen folgen inzwischen einer regelrechten Hollywood-Dramaturgie. Die sportlichen Aspekte spielen zwar nach wie vor eine Rolle, doch die Showelemente, wie z. B. der Einmarsch der Nationen, das Entzünden der olympischen Flamme, Ballettauftritte etc. nehmen neben den Kommentierungen, Interviews und eingestreuten kurzen Sportberichten eine immer größere Rolle ein.
Sicherheitskräfte bewachen das Nationalstadion während im Hintergrund Feuerwerk zu sehen ist. Am 24.08.2011 fand die Abschlussfeier der Olympiade 2008 in Peking statt.Abschlussfeier der Olympiade 2008 in Peking (© AP)

Einen Höhepunkt bildeten die Eröffnungsfeierlichkeiten der Olympischen Spiele in Peking mit ihren überdimensionalen Lichterspielen und Massenchoreographien. Fußball-Länderspiele werden durch Vorberichte, Nachberichte, Interviews und Kommentierungen von Moderatoren und Experten im Studio künstlich in die Länge gezogen und zu einem Fernsehereignis gemacht. Einige Sportarten wie Tischtennis und Volleyball haben sogar ihre Regeln geändert, um den Sport für das Fernsehen – und damit auch für Sponsoren – attraktiver zu machen.

Sportlicher Erfolg und die Quote

Dabei hängt die Präsenz im Fernsehen vor allem vom sportlichen Erfolg und von den Sportlern ab. Sportarten wie Tennis waren zu Zeiten von Boris Becker, Steffi Graf und Michael Stich, also in den 1980er und 1990er Jahren, ein Garant für hohe Einschaltquoten. Jahre später, als nur noch Tommy Haas als deutscher Tennisspieler in der Weltspitze mitspielte, fristete der Sport im deutschen Fernsehen eher ein Nischendasein auf den Spartensendern. Ähnlich erfolgsabhängig haben sich die Übertragungen von der Formel 1 erwiesen, die während der erfolgreichen Karriere von Michael Schumacher als mehrfachem Weltmeister hohe Einschaltquoten erzielten. Nachdem Schumacher nicht mehr auf der Rennpiste aktiv war, sanken die Quoten. Nach seiner Rückkehr zum Formel-1-Zirkus und dank anderer deutscher Fahrer insbesondere von Sebastian Vettel (vor allem durch den Gewinn der Formel-1-Weltmeisterschaften 2010, 2011 und 2012) stiegen die TV-Quoten jedoch wieder.

Zugleich zeigt sich, dass der Erfolg von Sportübertragungen relativ ist. Berichte von den Spielen des deutschen Basketball-Teams bei Europa- und Weltmeisterschaften erzielen zwar bei den Spartensendern hohe Marktanteile, wären aber dennoch für die großen Sender nicht attraktiv, weil das Marktpotenzial bereits ausgeschöpft ist. Eine Sportart wie Curling kann nur auf Eurosport einen Erfolg bei den Zuschauern erzielen, in der ARD oder bei RTL würde die Zuschauerzahl kaum ins Gewicht fallen.

Skandale im Sport und die Quote

Sportübertragungen sind aber nicht nur erfolgs-, sondern auch skandalabhängig. Kommt es in den Sportarten zu Unregelmäßigkeiten, wirkt sich das auf die Berichterstattung und den Zuspruch der Zuschauer aus. Der Bundesliga-Skandal von 1970/71, bei dem es zu Absprachen zwischen den Spielern kam und der Spielausgang einzelner Spiele manipuliert wurde, führte zu kritischer Berichterstattung, beeinträchtigte das Image des Fußballs jedoch nur kurzzeitig. Nach der Wende kam es zu einer öffentlichen Diskussion der Doping-Praktiken in der DDR, die aber nicht zu einer generellen Verurteilung von Leistung steigernden Mitteln führte, sondern bei der in der Regel einzelne Sportler wie Kathrin Krabbe oder Grit Breuer und ihre Verfehlungen in den Mittelpunkt der Berichterstattung rückten. Im Jahr 2007 entstand anhand eines neuerlichen Dopingskandals bei der Tour de France eine bis dahin einmalige Situation: Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF stellten ihre Berichterstattung vom Radrennen ein, nachdem ein Dopingfall publik geworden war. Zuvor war die ARD gar als Sponsor aufgetreten und hatte das Thema Doping in der Berichterstattung nur am Rande gestreift. Dabei hätte es in der Vergangenheit genug Gelegenheit dazu gegeben, dies zu erörtern, denn seit den 1960er Jahren wurde mehr oder weniger offen über Leistung steigernde Mittel im Radsport gesprochen – der deutsche Rennfahrer Rudi Altig bekam zu jener Zeit den Spitznamen "die rollende Apotheke".