30.8.2012

Unterhaltung mit gesellschaftlichem Auftrag

Das Kabarettisten-Trio der "Drei Dialektiker" (v. li. Manfred Uhlig, Horst Köbbert, Lutz Stückrath) moderierten "Ein Kessel Buntes".Das Kabarettisten-Trio der "Drei Dialektiker" (v. li. Manfred Uhlig, Horst Köbbert, Lutz Stückrath) moderierten "Ein Kessel Buntes". (© Bundesarchiv, Bild 183-L0325-0023 / Fotograf: Klaus Franke)


Da die Unterhaltung sich nach Meinung der Fernsehmacher stärker mit publizistischen Aufgaben verbinden sollte, war die 'große Abendunterhaltung' nicht unbedingt vorgesehen. Stattdessen gab es z. B. für die "Landjugend" unterhaltend aufgemachte "Wissenswettbewerbe" wie "Gewußt? – Gewonnen!" (1964) oder "Köpfchen Köpfchen und Profil" (1967), in denen Wissen unterhaltsam vermittelt werden sollte. Warum dies speziell "Jugendliche in der Landwirtschaft" ansprechen sollte und andere nicht, ist nicht mehr zu ergründen. Gegen Ende der 1960er Jahre verlagerte sich der Akzent in solchen pädagogisch-unterhaltenden Mischformen stärker auf die Unterhaltung, wobei Unterhaltungssendungen weiterhin mit aktuellen journalistischen Themen gefüllt und mit journalistischen Formen kombiniert wurden. "7 treffen sich um 8" hieß z. B. eine Reihe von Spielsendungen "mit wirtschaftsjournalistischen Elementen" (1967) oder "Unbekannt bis heute", ein "Fernseh-Gesellschaftsspiel mit journalistischen Elementen", ein Beruferaten nach Fernsehporträts.

Kooperation von Fernsehen und Betrieben

Die Forderung Erich Honeckers auf dem VIII. Parteitag der SED im Jahr 1971 nach mehr Unterhaltung im Fernsehen führte dazu, dass zunächst die Kooperation des Fernsehens mit den Betrieben weitergeführt wurde. Vom Studio Halle wurden z. B. Betriebsbelegschaften für gute Planerfüllung belohnt, indem in ihren Montagehallen Unterhaltungsshows nach den Wünschen der Beschäftigten aufgenommen wurden. Eine solche Sendung galt als Auszeichnung im "sozialistischen Wettbewerb". Diese Form der Unterhaltung reagierte damit auf eine Losung im Umfeld des 30. Jahrestages der DDR. Sendungen wie "Ich leiste etwas – Ich leiste mir etwas!" und "Moment bitte!" wurden schon bald wieder eingestellt, denn die schöne Idee erwies sich wegen des notwendigen Produktionsausfalls in den Betrieben, die sich die Show 'leisteten', als volkswirtschaftlich nicht vertretbar.

"Außenseiter-Spitzenreiter"

Die Magazinsendung "Außenseiter-Spitzenreiter", 1972 im Kontext der von Honecker geforderten Erneuerung entstanden (Konzeption Hans-Joachim Wolfram), brachte Gegensätzliches bereits im Titel zusammen: Die Sendung wollte Rekorde präsentieren und auf Sonderlinge aufmerksam machen und damit zu dem von Honecker geforderten neuen Heimatgefühl für die DDR beitragen (vgl. Hickethier 1998, S.388ff.). Die Sendung stellte z. B. Menschen mit außergewöhnlichen Hobbys und Begabungen vor, zeigte nicht-alltägliche Erfindungen und ungewöhnliche Rekorde (z. B.: Wer hat die meisten Vornamen?). Das Produktionsteam klingelte oft unangemeldet bei den betreffenden Personen, welche aus dem Bekanntenkreis empfohlen worden waren. Das Motto der Sendung war: "Und bleiben Sie immer schön neugierig". Die Sendereihe überlebte das Ende der DDR und wird im MDR weitergeführt. Im Mai 2006 gab es die 300. Folge.

"Ein Kessel Buntes"

In der Nachfolge des Unterhaltungsprogramms "Da lacht der Bär" wurde "Ein Kessel Buntes" zur beliebtesten Unterhaltungsshow im DDR-Fernsehen. Das Kabarettisten-Trio "Die Drei Dialektiker" moderierte das Programm. (Ausschnitt aus einer Sendung aus dem Jahre 1972) (© Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv, 1972)


Anfang der 1970er Jahre wurde als große Unterhaltungsshow die Sendereihe "Da lacht der Bär" wieder aufgegriffen und in veränderter Form neu präsentiert. Neuer Titel war nun "Ein Kessel Buntes". Die Sendung sollte über den 'Hauptstadt-Bezug' den Zuschauern 'DDR-Identität' vermitteln. Der Übertragungsort der ersten Folgen war der Berliner Friedrichstadt-Palast, später kamen noch andere Orte wie die Stadthalle Cottbus oder der Kulturpalast Dresden dazu. Anfangs moderierte das Kabarettisten-Trio der "Drei Dialektiker" (Manfred Uhlig, Lutz Stückrath und Horst Köbbert) das Programm, das wegen allzu frecher Pointen in Ungnade fiel. Danach wechselte die Moderation zwischen Helga Hahnemann, Heinz Rennhack, Wolfgang Lippert und anderen. "Ein Kessel Buntes" verstand sich als eine "internationale Unterhaltungsshow" und sollte die DDR aufwerten. Hier konnten die DDR-Zuschauer auf dem eigenen Kanal jene Stars erleben, die sie bisher nur aus dem Westfernsehen kannten. "Ein Kessel Buntes" (bis 1992) erfreute sich großer Popularität.