30.8.2012

Pioniere des Fernsehkabaretts

Titel: DIETER HILDEBRANDT
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Caption: DIETER HILDEBRANDT in "NOTIZEN AUS DER PROVINZ"Dieter Hildebrandt in "Notizen aus der Provinz" (© picture-alliance, KPA Copyright)


Die Entwicklung des Fernsehkabaretts ging dahin, medienspezifische Mittel des Fernsehens nutzbar zu machen. Pionierarbeit leisteten Wolfgang Neuss und sein Bühnenpartner Wolfgang Müller, die in ihrer Reihe "Wer nicht hören will, muss fernsehen" (ab 1959, ARD) die Bühne verließen und mit Kameras durch die Lande zogen, um das Fernsehen selbst zum Gegenstand ihrer Spötteleien zu machen.

Die Form eines Magazins wählte 1963 der Norddeutsche Rundfunk (NDR) für seine Reihe "Hallo Nachbarn". Gerade die Möglichkeit der Verwechslung mit einem seriösen Politmagazin brachte die oftmals frech auftrumpfende Reihe mit Richard Münch in die Kritik und bewirkte letztlich deren Absetzung nach kurzer Laufzeit. In den Augen vieler Zuschauer ein Skandal und Anlass für den "Spiegel", Auszüge des als nicht sendbar eingestuften, dabei wenig brisanten Drehbuchs der letzten Ausgabe zu veröffentlichen (Der Spiegel 3/1966, S.24ff.).

Repressalien gegen Dieter Hildebrandt

Einen ähnlichen Konflikt erlebte Dieter Hildebrandt 1979 mit seiner Sendereihe "Notizen aus der Provinz" (1973–1979, ZDF), in der er die Gestaltungselemente politischer Magazine bis hin zu Reportagebildern aus der Nachrichtensendung "heute" in satirischem Sinne nutzte. "Dieter Hildebrandt gelang das so gut, dass es zunächst einmal ein Hauptanliegen seiner Gegner inner- und außerhalb des ZDF-Fernsehrates war, diese gewollte und geglückte Verwechselbarkeit mit dem laufenden politischen Programm zu unterbinden" (Bolesch 1996). Am Ende unterband Programmdirektor Dieter Stolte die komplette Reihe, indem er Hildebrandt eine 'Denkpause' verordnete. Für Hildebrandt war das nicht die erste Repressalie – wiederholt hatte der Bayerische Rundfunk die Übernahme des ARD-Gemeinschaftsprogramms verweigert, wenn Hildebrandt mit den Kollegen von der Münchner Lach- und Schießgesellschaft die große und die kleine Politik ins Visier nahm.