30.8.2012

Kabarett im DDR-Fernsehen

"Die drei Dialektiker" auf dem Titel der Programmzeitschrift "FF Dabei" von 1973"Die drei Dialektiker" auf dem Titel der Programmzeitschrift "FF Dabei" von 1973 (© FF Dabei)


Satire und Kabarett standen in der DDR in ähnlicher Weise in einem Spannungsfeld zur Politik der Partei und der Staatsführung, hatten jedoch einen weitaus geringeren Spielraum in der Kritik. So waren Kabaretts wie z. B. "Die Distel" oder Satire-Zeitschriften wie "Eulenspiegel" zugelassen, wurden jedoch genau beobachtet. Das Fernsehen, das ja letztlich als ein Medium der Durchsetzung gesellschaftspolitischer Vorstellungen der Partei dienen sollte und großenteils diente, benutzte die Form des Kabaretts für dieses Gesamtanliegen. Das Kabarett wurde deshalb eingebunden in die Aufgaben des Fernsehens insgesamt. In einem Programmbericht aus der Versuchsphase des DDR-Fernsehens heißt es: "Wir wissen, dass die Satire in Zeiten großer gesellschaftlicher Umwälzungen eine besondere Rolle zur Durchsetzung des Neuen, zur Verwirklichung des Fortschritts spielt" (zit. n. Hoff 2005, S.71). Dementsprechend wurden Anleitungen verfasst, wie Satire und Kabarettnummern zu gestalten seien. Satire sollte positiv und aufbauend sein, keinesfalls negativ oder gar zerstörerisch (zit. in Hoff 2005, S.50f. und 122f.).

Kabarettistische Darbietungen in Unterhaltungssendungen

Kabarettistische Darbietungen hatten in vielen großen und kleinen Unterhaltungssendungen des DDR-Fernsehens ihren festen Platz. Zum Stammpersonal der Abend-Show "Da lacht der Bär" (1955–1965) gehörten die Drei Mikrofonisten, die mit kabarettistischen Texten und Liedern den Auftakt und das Finale jeder Sendung gestalteten. Die Besetzung mit dem vorgeblichen Sachsen Heinz Quermann (er war gebürtiger Hannoveraner), dem Rheinländer Gustav Müller, dem Westberliner Gerhard Wollner war Sinnbild der deutschlandpolitischen Vorstellungen der DDR-Führung, die sich in der gesamtdeutschen Losung "Deutsche an einen Tisch!" ausdrückte. Ein ähnliches Trio gab es ab 1972 in der Erfolgsreihe "Ein Kessel Buntes" mit den Drei Dialektikern, die jedoch als provokant empfunden wurden und 1977 durch wechselnde Einzelmoderatoren ersetzt wurden.

Kabarett-Formate und ihre Zielgruppen

Klassisches Kabarett bot unter anderem das Berliner Ensemble "Die Distel". Mit fernsehspezifischen Mitteln wie Nachrichtenfilmen, Interviews, Animationsfilmen gestaltet waren Reihen wie "Tele BZ" (1960–1971) und ab 1971 dessen Ableger, das "satirische Magazin" "SPOTTs". Sie hatten einen propagandistischen Charakter, zielten sie doch insbesondere auf westliche, speziell West-Berliner Zuschauer. Angebliche oder tatsächliche Lügen der West-Presse – der Titel "Tele BZ" bezog sich auf die im Springer Verlag erscheinende Berliner Boulevardzeitung "BZ" – wurden "entlarvt", scheinbar verzerrende Darstellungen des West-Fernsehens persifliert und korrigiert, vermeintliche Missstände der westlichen Gesellschaft satirisch angeprangert und teils in Kontrast gesetzt zu vorzeigbaren Errungenschaften der sozialistischen Gesellschaft. Zum Ensemble der "Tele BZ" zählte unter anderem die späterhin sehr populäre Entertainerin Helga Hahnemann.

Politische Einflussnahme

Selbst für staatstreue Kabarettisten war es jedoch nicht immer einfach, der jeweils gültigen offiziellen Politik zu entsprechen. Dies erfuhr der Conférencier und TV-Moderator O. F. (Otto Franz) Weidling, als er am 27. April 1984 durch das im Fernsehen live übertragene Festprogramm zur Wiedereröffnung des Berliner Friedrichstadt-Palastes führte. In seine vorab zur Genehmigung eingereichte Moderation hatte der Nationalpreisträger einige bissige Bemerkungen eingestreut, über die die anwesenden Mitglieder des Politbüros herzhaft gelacht haben sollen. In der Wiederholung der Sendung im Mittagsprogramm vom 29. April waren jedoch Weidlings Beiträge und selbst sein Erscheinen zum Finale ohne Erklärung entfernt worden. Im Monat darauf wurde er, offiziell aus gesundheitlichen Gründen, von seiner Moderationsverpflichtung im Friedrichstadtpalast entbunden (vgl. Weidling 2006, passim vgl. FF dabei 20/1984, S.4-5, S.26).