30.8.2012

Musiksendungen im DDR-Fernsehen


Auch im DDR-Fernsehen gab es Musiksendungen mit vergleichbaren Funktionen für die Zuschauer wie im bundesrepublikanischen Fernsehen. Dabei hatte das Fernsehen der DDR mit der Darbietung von populärer Musik Probleme, weil die von den Ideologen abgelehnte westliche Musik (bekannt nicht zuletzt durch die in der DDR zu empfangenden westlichen Radioprogramme) in der DDR sehr beliebt war. Gerade die frühen Schlagersendungen (ab 1953 "Schlagerlotterie", später dann "Schlagerrevue") dienten dem Zweck, die DDR-Zuschauer mit den Errungenschaften der DDR zu verbinden.

Die "Schlagerrevue" stand, vor allem nach 1963, als die Sendereihe von Siegfried Jordan betreut wurde, in enger Verbindung mit der DDR-Schallplattenproduktion Amiga und diente der Promotion der von ihr produzierten Titel. Darin unterschieden sich die Musiksendungen nicht von den Musiksendungen im bundesrepublikanischen Fernsehen, die dort Orte der öffentlichen Werbung für die Musikträger (Schallplatten, Musikkassetten und CDs) waren. Die Sendereihe "Schlagerrevue" wurde live ausgestrahlt, eine Seltenheit im DDR-Fernsehen. Die Reihe lief in großen Abständen bis zum Ende der DDR und besaß ein großes Fan-Publikum unter den DDR-Zuschauern.

Musik für die "Heimat DDR"

Als große Unterhaltungsformen entwickelten sich im Fernsehen die häufig im Berliner Friedrichstadt-Palast produzierten Nummernprogramme der Varieté-Revuen, der Bunten Abende und anderer musikalischer 'Großformen', aus denen dann wiederum spezifische Operetten-Abende und vor allem Volksmusikreihen entstanden. In den 1970er Jahren gewannen sie eine neue Bedeutung, weil über sie ein Heimatgefühl für die "Heimat DDR" entwickelt werden sollte. Sendereihen wie "Oberhofer Bauernmarkt", "Im Krug zum grünen Kranze", "Auf Schusters Rappen" und schließlich "Alles singt" sind Sendungen, die in den 1970er Jahren verstärkt eine folkloristische Unterhaltung anboten. Viele dieser Sendungen überlebten das Ende der DRR 1990 und hielten zumindest kurzfristig Einzug in das gesamtdeutsche Fernsehangebot nach 1991: "Wir entschieden uns für eine Doppelstrategie. Was Information, Politik, Kultur angeht, machten wir einen Neuanfang, und was die Unterhaltung, auch die Spielfilme angeht, knüpften wir an die DDR-Traditionen an. Das hat sich, zumindest beim Publikum, als sehr erfolgreich erwiesen", so der Intendant des MDR, Udo Reiter (2003, S.237).

"Alles singt" beispielsweise, eine Monumentalshow folkloristischen Chorgesanges, erfunden und moderiert von Hans-Georg Ponesky, der schon "Mit dem Herzen dabei" (DFF, 1964–1968) kreiert hatte, ist dafür ein Beispiel. Hans-Georg Ponesky war einer der großen Entertainer der Musikunterhaltung im DDR-Fernsehen, der die Sendereihe "Spielspaß" (1977–1991) leitete und diese nach und nach vom auferlegten publizistischen Auftrag befreit hatte.

Heitere musikalische Klassik

Die von Lutz Jahoda 1972 gestartete Fernseh-Show "Mit Lutz und Liebe" wurde gemeinsam mit Heinz Quermann gestaltet und präsentierte vor allem ein buntes Potpourri von Schlagern und Volksmusik. (Ausschnitt aus der Sendung vom 29.5.1976) (© Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv, 1976)


Daneben gab es auf einzelne Moderatoren zugeschnittene Shows wie die des Bassisten Theo Adam ("Zu Gast bei Theo Adam") und des Bassbuffo der Berliner Staatsoper Reiner Süß ("Da liegt Musike drin"). Es handelte sich zumeist um Präsentationen der 'heiteren musikalischen Klassik' wie bei dem Format "Mit Lutz und Liebe" des aus Österreich stammenden Operetten- und Schlagersängers Lutz Jahoda. Die Schlagersängerin Dagmar Frederic erinnerte an musikalische Filmerfolge ("Kinomusik"), und die Brecht-Interpretin und Diseuse Gisela May brachte in der "Pfundgrube" Kleinkunst und Chansons.

Am Ende des DDR-Fernsehens gelangte nach 1991 gerade von der musikalischen Unterhaltung kaum eine Sendung dauerhaft in das gesamtdeutsche Fernsehen.


Materialien zu "Unterhaltung mit Musiksendungen"

PDF-Icon "Mood Management" - Stimmungsregulierung durch Fernsehen