30.8.2012

Die Ökonomie des Fernsehens in der DDR

Auch in der ehemaligen DDR wurden die Fernsehprogramme zunächst durch Rundfunkgebühren finanziert. Die in den 1960er Jahren vom Ministerium für Post- und Fernmeldewesen festgesetzten Tarife in Höhe von zwei DDR-Mark für den Hörfunk sowie insgesamt etwa zehn DDR-Mark für zwei TV-Kanäle, blieben im Wesentlichen bis 1991 unverändert. Für den Gebühreneinzug war der Postzeitungsvertrieb zuständig. Dieser sorgte dafür, dass die Kosten für Parteizeitungen einmal monatlich von den Konten der Abonnenten abgezogen wurden.
Hauptgebäude des Deutschen Fernsehfunks der DDR in Berlin-AdlershofHauptgebäude des Deutschen Fernsehfunks der DDR in Berlin-Adlershof (© Bundesarchiv, Bild 183-79070-0002 / Fotograf: Horst Sturm und Eva Brüggemann)

"Notizen für den Einkauf" und "Tausend Tele-Tips"

Werbung spielte innerhalb der DDR-Planwirtschaft nur eine geringe Rolle. Deshalb wurden im Deutschen Fernsehfunk (DFF) ab 1959 "Notizen für den Einkauf", von 1960 bis 1976 regelmäßig Verbraucherhinweise in der Form von "Tausend Tele-Tips" gesendet. Pro Ausstrahlung mussten die auftraggebenden Firmen werktags 9.000 DDR-Mark zahlen und 12.000 DDR-Mark am Wochenende. Angesichts zunehmender wirtschaftlicher Probleme und eines wachsenden Mangels an Konsumgütern wurde die Fernsehwerbung Mitte der 1970er Jahre schließlich vom Ministerrat komplett verboten.

Zuschüsse in Millionenhöhe

Da die Rundfunkgebühren nie erhöht und ab 1976 auch keine Werbeeinnahmen mehr erzielt wurden, entstand eine ständig wachsende Finanzierungslücke, die mit staatlichen Zuschüssen geschlossen werden musste. 1982 waren dafür 115,4 Millionen DDR-Mark, 1983 bereits 222 Millionen DDR-Mark vorgesehen. 1988 betrugen die Zuwendungen für Hörfunk und Fernsehen aus dem DDR-Staatshaushalt schließlich 318,5 Millionen DDR-Mark. Dies bedeutete, dass der Staat den Rundfunk monatlich in Höhe von knapp 1,60 DDR-Mark pro Einwohner subventionierte. Die finanzielle Ausstattung des Fernsehens wurde jeweils im Staatshaushaltsplan festgelegt. Außer den Staatszuschüssen trug auch der Verkauf von TV-Produktionen ins Ausland zur Finanzierung des Fernsehens in der DDR bei.

Während der Wende-Phase setzten die ostdeutschen Programm-Macher zur Finanzierung ihrer Sendungen erneut auf Werbung und schlossen bis Ende 1991 einen Vertrag mit dem französischen Werbezeitenvermarkter Information et Publicité (IP).

Die Produktion der meisten TV-Sendungen erfolgte in den Fernsehstudios von Berlin-Adlershof. 1989 beschäftigte das Fernsehen der DDR etwa 8.000 Mitarbeiter. Während Ende der 1980er Jahre bei der ARD mehr als die Hälfte des Programms aus Fremd- oder Auftragsproduktionen bestand, wurden in der DDR Dreiviertel aller Sendungen selbst produziert. Übertragungs- und Sendetechnik waren Eigentum der Post.

Ablösung durch die neuen Landesrundfunkanstalten

Mit der deutschen Wiedervereinigung trat am 3. Oktober 1990 der Artikel 36 des Einigungsvertrages in Kraft, der für die zentralen Einrichtungen von Hörfunk und Fernsehen in den neuen Bundesländern die Auflösung bis zum 31. Dezember 1991 festlegte. Ab dem 1. Januar 1992 wurde das DDR-Fernsehen durch die neuen öffentlich-rechtlichen Landesrundfunkanstalten Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg (ORB) und Mitteldeutscher Rundfunk (MDR, in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) abgelöst. Mecklenburg-Vorpommern trat dem Norddeutschen Rundfunk bei. Mit der Wiedervereinigung wurden die Rundfunkgebühren in Ostdeutschland zunächst auf 19 Mark erhöht und bis 1995 allmählich an das westdeutsche Niveau angepasst.


Materialien zu "Öffentlich-rechtlich und staatlich"

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