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30.8.2012

Das Fernsehen in den Besatzungszonen

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lösten die Alliierten in Deutschland die Rundfunkstrukturen, wie sie die Nationalsozialisten geschaffen hatten, auf. Der Fernsehbetrieb wurde bis 1948 ganz untersagt.
Während einer Feierstunde im großen Sendesaal des Nordwestdeutschen Rundfunks findet die Übergabe der neuen Satzungen an den NWDR statt. Durch diese Satzungen wird der NWDR ab Anfang 1948 eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, die "unabhängig" vom Staat und von Parteien arbeiten wird.Während einer Feierstunde im großen Sendesaal des Nordwestdeutschen Rundfunks findet die Übergabe der neuen Satzungen an den NWDR statt. Durch diese Satzungen wird der NWDR ab Anfang 1948 eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, die "unabhängig" vom Staat und von Parteien arbeiten wird. (© Bundesarchiv, Bild 183-2005-0802-513 / Fotograf: o. Ang.)

Die Organisation des Fernsehens nach dem Zweiten Weltkrieg ist eng mit der Struktur des Rundfunks (Hörfunks) verbunden, wie sie nach 1945 neu organisiert wurde. In der britischen, französischen und sowjetischen Zone entstanden jeweils zentrale Sendeanstalten, in der amerikanischen Zone dagegen mehrere dezentrale Sender. Daraus bildeten sich in den Westzonen ab 1948/49 noch vor der Gründung der Bundesrepublik Deutschland aufgrund von Landesrundfunkgesetzen Landesrundfunkanstalten, die über unterschiedlich große Sendegebiete verfügten. In der Folge entwickelte sich ein einheitliches Rundfunksystem, das (nach dem amerikanischen Vorbild) föderal und (nach dem britischen Vorbild) öffentlich-rechtlich strukturiert war. So wurde in der britischen Besatzungszone 1945 der NWDR gegründet, von dem 1954 der Sender Freies Berlin (SFB) abgespalten wurde. 1955 gingen aus dem NWDR der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hervor. In der amerikanischen Besatzungszone wurden 1948 der Bayerische Rundfunk (BR), der Hessische Rundfunk (HR) und Radio Bremen (RB) – Bremen und Bremerhaven bildeten eine Enklave der Amerikaner in der britischen Besatzungszone – errichtet, 1949 folgte der Süddeutsche Rundfunk (SDR). Im selben Jahr wurde in der französischen Besatzungszone der Südwestfunk (SWF) etabliert. 1956 kam der Saarländische Rundfunk (SR) hinzu.

Sowjetische Besatzungszone und Berlin

In der sowjetischen Besatzungszone wurden nach 1945 zwei Sendergruppen gebildet, die zunächst der Volksbildungsverwaltung in Berlin unterstanden und 1949 in einer Generalintendanz zusammengefasst wurden: der Berliner Rundfunk (mit Potsdam und Schwerin) und der Mitteldeutsche Rundfunk in Leipzig (mit Dresden, Halle, Weimar u. a.). Hinzu kam der Deutschlandsender für die Westzonen. 1952 gründete die Regierung ein "Staatliches Rundfunkkomitee", das dem Ministerrat der DDR unterstand und eine zentrale, staatliche Instanz darstellte, die in ihren Weisungen von der Abteilung Agitation und Propaganda beim Zentralkomitee (ZK) der SED abhängig war.

In Berlin, das allen vier Alliierten unterstand, betrieben die Amerikaner das "Radio im Amerikanischen Sektor" (RIAS). Eine Landesrundfunkanstalt für West-Berlin, der Sender Freies Berlin (SFB), wurde aus dem NWDR Berlin gegründet, nachdem die sowjetischen Alliierten 1954 in West-Berlin das Haus des Rundfunks in der Masurenallee freigegeben hatten.

Die Landesrundfunkanstalten im Westen schlossen sich im Juni 1950 in der "Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands" (ARD) zusammen. Diese zunächst lose, später immer festere Vereinigung koordinierte den Radio-Programmaustausch zwischen den Landesrundfunkanstalten, die Rundfunktechnik und die Auslandsbeziehungen. Im März 1953 beschloss die ARD im ARD-Fernsehvertrag die Ausstrahlung des Gemeinschaftsprogramms.