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30.8.2012

Das deutsche Fernsehen ab 1992

Nachdem das öffentlich-rechtliche Fernsehen die neuen Landesrundfunkanstalten integriert hatte, musste es sich externen Problemen zuwenden. Die Deutschen beschäftigten sich mit der deutschen Einigung. Währenddessen hatte die kommerzielle Konkurrenz – von ARD und ZDF zunächst wegen ihrer trivialen Unterhaltungsangebote und ihrer unzureichenden Informationssendungen belächelt – unbemerkt große Publikumsanteile für sich gewonnen. 1993 wurde RTL, mittlerweile hatte man den Zusatz "plus" gestrichen, zum erfolgreichsten deutschen Sender bei den Zuschauern unter 49 Jahren. Dies geschah vor allem dank amerikanischer Serien wie "Eine schrecklich nette Familie" ("Married… With Children"), deutscher Daily Soaps wie der ab 1992 produzierten Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" oder Shows wie "Traumhochzeit". Auch Sat.1 konnte mit deutschen Serien wie "Der Bergdoktor" neue Zuschauer hinzugewinnen.

Zunehmende Bedeutung des kommerziellen Fernsehens

Das erste Logo des Senders RTL 1984, damals noch RTL plusDas erste Logo des Senders RTL 1984, damals noch RTL plus (© RTL)
Das öffentlich-rechtliche Lager reagierte nervös auf die Erfolge der kommerziellen Konkurrenz, die in den neuen Bundesländern besonders groß ausfielen. Denn die Quotenverluste führten nicht nur zu weniger Anerkennung, sondern auch zu weniger Werbeeinnahmen im Vorabendprogramm (in dem ARD und ZDF von Montag bis Freitag täglich bis zu 20 Minuten Werbung senden dürfen). Es handelte sich um Einnahmeverluste in dreistelliger Millionenhöhe. In der Folge mussten die Sender stark sparen, indem sie beispielsweise ihre Serien mehrfach wiederholten oder aus dem Bietverfahren um Sportrechte ausstiegen. Sie verloren auch Personal an die private Konkurrenz. Günther Jauch, Reinhold Beckmann, Harald Schmidt, zeitweise auch Thomas Gottschalk wechselten wie mancher Sportjournalist zu RTL und Sat.1.

Ausweitung der Programme

Unter dem Druck der kommerziellen Konkurrenz weiteten ARD und ZDF ihre Programme aus. Als im Zuge des zweiten Golfkriegs 1991/92 die Bedeutung des amerikanischen Nachrichtensenders CNN, der live vom Kriegsschauplatz berichtete, auch hierzulande wuchs, erhöhte man die Zahl der eigenen Nachrichtensendungen "Tagesschau" und "heute", so dass sie nun fast stündlich im Nachmittagsprogramm zu finden sind. Das zur Zeit des Golfkriegs ausprobierte Frühstücksfernsehen ging als abwechselnd von ARD und ZDF produziertes "Morgenmagazin" im Juli 1992 dauerhaft auf Sendung, als die kommerziellen Sender ebenfalls solche Pläne der Programmausweitung prüften. 1995 wurde schließlich die Nachtlücke bei allen Hauptprogrammen geschlossen, so dass nun das Fernsehen 24 Stunden am Tag auf Sendung war.

Entstehung von Spartenprogrammen

Gleichzeitig gründeten ARD und ZDF gemeinsame Ablegerprogramme, die sich auf bestimmte Programmsparten oder Zielgruppen konzentrierten. ARD und ZDF bauten mit dem französischen Kultursender La Sept den europäischen Kulturkanal arte auf, der am 30. Mai 1992 in beiden Ländern mit seinem Programm begann. Die ARD schloss sich 1993, nachdem sie ihren eigenen Kulturkanal 1plus eingestellt hatte, dem Kulturprogramm 3sat an, das bis dahin von ZDF, SRG (Schweiz) und ORF (Österreich) betrieben wurde und zu dem der DFF seit 1990/91 ebenfalls Sendungen geliefert hatte. Am 1. Januar 1997 starteten ARD und ZDF gemeinsam den Kinderkanal (KiKA) und am 7. April desselben Jahres den Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix, der u. a. Übertragungen aus dem Bundestag sendet.