Aufgaben der Medien in Ost und West

30.8.2012
Bedingt durch die unterschiedliche Verfasstheit und die Aufgabenstellungen der Medien in beiden Staaten war der Dialog auf medialer Ebene asymmetrisch.

Logo des ZDF ab dem 26.08.2008Logo des ZDF ab dem 26.08.2008 (© ZDF)
Die Rundfunkmedien der DDR waren als staatliche Medien zugleich Sprachrohre und offizielle Verlautbarungsorgane von Staat und Partei. Eine doppelte medienpolitische Lenkungsstruktur – bestehend aus Gremien des Staates und der sozialistischen Blockparteien unter Führung der SED – beeinflusste sowohl die medialen Strukturen (Makroebene) als auch die Einzelheiten des Programms (Mikroebene). Die Rundfunkmedien der Bundesrepublik waren und sind dagegen sehr viel komplexer organisiert. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk (Radio und Fernsehen) ist föderal (ARD) bzw. zentral (ZDF) verfasst und qua definitionem staatsfern und nichtkommerziell. Die öffentlich-rechtlichen Programme entsprechen nicht per se den Auffassungen der Regierenden und der Parteien, obwohl es sich nicht wenige bundesrepublikanische Politiker anders gewünscht hätten. Immer wieder hatten sie seit den 1950er Jahren eine engere Bindung an Regierung und Parteien angestrebt, ohne sie jedoch zu erreichen. Seit 1984 kamen die privatrechtlich-kommerziellen Programmanbieter hinzu, aber auch sie verweigerten sich der Funktion, ein Sprachrohr von Staat und Parteien zu werden.

Dialog zwischen den Mediensystemen



Zwischen den beiden Mediensystemen in Ost und West fand ein Dialog statt, der sich derselben Sprache und äußerlich weitgehend vergleichbarer medialer Darstellungsformen bediente. Die Fernsehakteure in der DDR sahen sich in diesem Dialog in einem unablässigen Kampf mit dem Fernsehen des "Klassenfeindes" in der Bundesrepublik und deshalb in einer permanenten Konkurrenzsituation mit den Programmen im Westen. Sie nahmen deshalb in ihrer Programmpolitik immer wieder Bezug auf die Konkurrenz-Programme der Bundesrepublik. Auch für die Fernsehakteure im Westen stellte das System der DDR immer einen – meist jedoch nur strukturellen – Bezugsrahmen im Sinne einer Abgrenzung vom Sozialismus und dessen Grundprinzipien dar, der jedoch auf der Programmebene weniger explizit formuliert war. Eine "Funkstille" zwischen beiden deutschen Mediensystemen gab es deshalb nie, auch nicht in den frostigsten Perioden des Kalten Krieges (Ende der 1950er bis Anfang der 1960er Jahre sowie Anfang der 1980er Jahre). Nach der deutschen Einigung 1990 mussten die Menschen im vereinten Deutschland – auch nach Herstellung einer einheitlichen Medienstruktur – erst eine gemeinsame mediale Sprache finden.