30.8.2012

Fernsehproduktion ab 1954

Fernsehproduktionen wurden in dieser Zeit noch nicht langfristig geplant. Häufig wurde improvisiert und eher spontan produziert. Der Beginn des Programmbetriebs des Gemeinschaftsprogramms der ARD am 1. November 1954 machte jedoch eine bessere Produktionsabstimmung notwendig. Denn die in der ARD zusammengeschlossenen Landesrundfunkanstalten produzierten in jeder Sparte des Programms (Fernsehspiel, Unterhaltung, Dokumentationen, etc.) anteilig Sendungen entsprechend der Größe ihres Einzugsgebietes. Für die Programm- und Produktionskoordination wurden die "Ständige Programmkonferenz" und die "Programmdirektion" eingerichtet.

Erstes Programmschema im Jahr 1958 (BRD)

Mit der Ausweitung des Programms auf zunächst drei bis vier Stunden täglich wurden immer mehr Produktionen gebraucht. Damit wuchs auch der Aufwand im organisatorischen Bereich, bei der Programmplanung und dem Produktionsmanagement. 1958 entstand das erste Programmschema, und in den Folgejahren wurden die Programme langfristiger geplant.

Redaktionen und Arbeitsgruppen im DDR-Fernsehen

Aufnahmen zum DDR-Fernsehfilm "Wolf unter Wölfen" im Juli 1964.Aufnahmen zum DDR-Fernsehfilm "Wolf unter Wölfen" im Juli 1964. (© Bundesarchiv Bild 183-C0701-0014-002 / Fotograf: Joachim Spremberg)
Beim Deutschen Fernsehfunk musste ebenfalls spätestens seit 1956 mit dem offiziellen Programmbeginn genauer und zielgerichteter geplant werden. Ende der 1950er Jahre entstanden deshalb in den Fernsehanstalten wie im Deutschen Fernsehfunk Redaktionen, die für einzelne Programmsparten zuständig waren und genau umrissene Produktionsplanungen vorlegten. Dabei nahm im Deutschen Fernsehfunk die Sparte der Fiktion einen deutlich größeren Umfang ein als im ARD-Fernsehen. Im DDR-Fernsehen entstanden vier Arbeitsgruppen, die sich mit verschiedenen Bereichen der Fernsehdramatik beschäftigten.

Wachsender staatlicher Einfluss im DDR-Fernsehen

In den 1950 Jahren waren die Planungs- und Vorbereitungszeiten für Fernsehfiktion und andere Programmsparten im Osten wie im Westen etwa gleich, weil das Fernsehen in der DDR noch nicht unter der genauen Beobachtung und Kontrolle der Partei stand. Das änderte sich erst Anfang der 1960er Jahre, als – noch vor dem 11. Plenum der SED 1965, in dessen Kontext fast ein ganzer Defa-Jahrgang an Spielfilmen verboten wurde – Fernsehfilme in das Visier der Partei gerieten und verboten (Günter Kunerts "Fetzers Flucht") oder bereits im Produktionsstadium gestoppt wurden ("Monolog für einen Taxifahrer" von Kunert/Stahnke). Die Planungsvorläufe wurden nun länger, weil alle Stufen der Vorproduktion vom Exposé bis zum Drehbuch eine parteiliche Kontrolle zu durchlaufen hatten (vgl. Hickethier 1998, S.295f.).