Produktionsabsicherung und -kontrolle

30.8.2012
Der am Gemeinwohl orientierte Status der gesellschaftlichen Kommunikation wurde damit erkauft, dass das Fernsehen zwischen Staat und Marktwirtschaft administrativ abgesichert wurde. Diese Absicherung hatte politische und ökonomische Gründe, ist jedoch auch den technischen Bedingungen der Fernsehkommunikation geschuldet.
Die erste interaktive Live-Show des deutschen Fernsehens "Der goldene Schuss" – Moderator Lou van Burg mit Assistentinnen und ArmbrustDie erste interaktive Live-Show des deutschen Fernsehens "Der goldene Schuss" – Moderator Lou van Burg mit Assistentinnen und Armbrust (© picture-alliance, KPA)

Denn seit den 1960er Jahren erreichten die Programme ein Millionenpublikum und jede Live-Sendung konnte "daneben" gehen. Um Pannen, politische Konflikte und Kontroversen zu vermeiden, kam es zu langen Planungsvorläufen und einer weitgehenden institutionellen Absicherung der Produktionen.

Richtlinien und Standards



So wurden und werden beispielsweise auch Nachrichten reglementiert. Meldungen müssen von einer Agentur zugeliefert und durch andere Meldungen bestätigt werden. Richtlinien zur Ausgewogenheit legen seit den 1970er Jahren fest, dass immer auch die Gegenseite zu hören ist, wenn einflussreiche Interessengruppen zu Wort kommen. Politisch brisante Themen werden häufig gar nicht erst aufgegriffen. Bei Gesprächsrunden werden Teilnehmer und Kandidaten – wenn sie nicht prominent und bildschirmbekannt sind – vorher getestet und überprüft.

Planung statt Spontanität



Vorproduzierte Sendungen müssen in allen Phasen von Programmverantwortlichen auf unterschiedlichen Ebenen abgenommen werden. Galt schon für die Filmgeschichte, dass das Drehbuch auch ein Mittel der inhaltlichen Kontrolle ist, so gilt dies für das Fernsehen und seine Sendungen in besonderer Weise. Dies führt dazu, dass Fernsehfilme von der Idee bis zur Sendung heutzutage etwa zwei Jahre benötigen. Auch Sendungen, die den Zuschauern beispielsweise in der Unterhaltung als Live-Ereignis angekündigt werden, sind häufig vorproduziert – und seien es nur wenige Stunden. Mit dieser Form der verdeckten Vorproduktion können "Ausrutscher" und spontane Aktionen aus den Sendungen herausgeschnitten oder Sendungen auf eine für den reibungslosen Programmablauf festgelegte Länge gebracht werden. Damit wird dem Medium jede Form spontaner Produktion genommen. Alles ist geplant und Spontaneität ist nur noch als Reaktion auf politische Krisen oder Naturkatastrophen möglich – oder in der Sportberichterstattung. Doch selbst dabei wird auf Routine und Rituale zurückgegriffen, um eine Sendung in der Form zu halten.

Andererseits besteht darin eine der wichtigen Leistungen des Fernsehens: Ereignisse in eine Form zu bringen, sie in "Geschichten" zu verwandeln, um die Welt begreifbarer zu machen und um den Zuschauern Orientierung und Sicherheit zu vermitteln.



 

Materialien zu "Ökonomisierung der Produktion"

PDF-Icon Der Aufbau eines Fernsehsenders