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Vom Schwarzweiß- zum Farbfernsehen

30.8.2012
Für die Produktion der Fernsehbilder mussten Standards geschaffen werden. Dazu griff man ebenfalls auf Erfahrungen aus der Zeit vor 1945 zurück. Die größte Notwendigkeit bestand in der Schaffung einer einheitlichen Zeilennorm. Grund war, dass es in Europa und in den USA die verschiedensten Zeilennormen gab.
Mit einem Knopfdruck startet der damalige deutsche Vizekanzler Willy Brandt am 25.8.1967 auf der 25. Deutschen Funkausstellung das Farbfernsehen.Mit einem Knopfdruck startet der damalige deutsche Vizekanzler Willy Brandt am 25.8.1967 auf der 25. Deutschen Funkausstellung das Farbfernsehen. (© picture-alliance/dpa, Fotoreport)

Auf Initiative eines Zusammenschlusses von deutschen Technikern (im sogenannten Ettlinger Kreis) hatte man sich 1948 auf eine Norm von 625 Zeilen geeinigt, die dann über die Internationale Fernmeldeunion in Genf (durch den Schweizer Rundfunkvertreter Walter Gerber) als europäische Rundfunknorm (in Großbritannien erst ab 1965 und in Frankreich erst ab 1980) durchgesetzt wurde (vgl. Hickethier 2008). Das waren mehr als die 441 Bildzeilen, die vor dem Krieg im zivilen Bereich (Fernsehsender 'Paul Nipkow', Berlin-Witzleben) verwendet wurden, mehr als die 405 Bildzeilen, die in Großbritannien bis 1939 verwendet wurden, und auch mehr als die noch heute in den USA üblichen 525 Bildzeilen.

Versuchsprogramme mit neuer Norm in West und Ost



Ab 1951 sendete der NWDR mit der neuen Norm ein Versuchsprogramm, ab dem 25. Dezember 1952 zwei bis drei Stunden täglich das erste regelmäßige Fernsehprogramm in der Bundesrepublik Deutschland und schließlich ab dem 1.11.1954 das Gemeinschaftsprogramm "Deutsche Fernsehen" der ARD. Das DDR-Fernsehen begann am 21. Dezember 1952 mit regelmäßigen Versuchssendungen, ebenfalls in der "Gerber-Norm", ab 3.1.1956 dann mit dem offiziellen Programm. Die Einheitlichkeit der Fernsehnorm sicherte über Jahrzehnte hinweg, dass die Fernsehprogramme beider Systeme im jeweils anderen Teil Deutschlands gesehen werden konnten.

Erste Arbeiten an einem europäischen Farbfernsehen



Fernsehforscher arbeiteten schon während der 1950er Jahre an der Entwicklung eines eigenständigen europäischen Farbfernsehens. Das in Amerika und Japan eingeführte NTSC-System (NTSC nach der amerikanischen Normbehörde 'National Television System Committee') hatte für sie zu große Schwächen, weil es in der Farberzeugung wenig 'naturhaft' erschien und zudem wenig 'stabil' in der konstanten Erzeugung von Farben war (NTSC stand für die Experten deshalb ironisch auch für "Never the same Color"). Unter der Federführung des deutschen Ingenieurs Walter Bruch entstand das heute in Europa führende PAL-Farbfernsehsystem (PAL – 'Phase-Alternation-Line'), das zu einer größeren 'Natürlichkeit' der Farben und einer größeren Farbsicherheit führte. Schon 1961 wurde eine erste Testübertragung von Darmstadt über Luzern nach Rom realisiert. Auch die Franzosen entwickelten ein Farbfernsehsystem namens SECAM (séquentiel couleur à mémoire), das sie aber in Westeuropa nicht durchsetzen konnten. Lediglich die osteuropäischen Staaten des Comecon (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, Zusammenschluss der sozialistischen Staaten) – darunter auch die DDR – übernahmen dieses Verfahren.

Farbfernsehen und seine Verbreitung in Deutschland



Auf der Internationalen Funkausstellung 1967 in Berlin begann die Farbfernseh-Ära in der Bundesrepublik offiziell mit dem Druck von Außenminister Willy Brandt auf den berühmten roten Startknopf. In der DDR wurde das Farbfernsehen mit Beginn des zweiten Fernsehprogramms 1969 eingeführt.

Der hohe Preis der Farbfernsehgeräte und die in den südlichen DDR-Gebieten noch unzureichende Programmausstrahlung führten dazu, dass sich das Farbfernsehen nur langsam etablierte. Wer sich deshalb ein neues Empfangsgerät anschaffte, wollte in der Regel auch das West-Fernsehen in Farbe sehen, so dass ein Schwarzhandel mit PAL-Decodern entstand. Erst Ende der 1970er Jahre wurden auch in der DDR Geräte gebaut, die sowohl PAL als auch SECAM empfangen konnten.

Auch in der Bundesrepublik benötigten die Fernsehnutzer, die grenznah zur DDR und zu Frankreich wohnten, einen speziellen SECAM-Decoder, um die anderen Programme zu empfangen. Ab Mitte der 1980er Jahre wurden die meisten Farbfernsehgeräte für den Empfang beider Systeme ausgerüstet. Dies ist übrigens ein Grund dafür, dass nach dem Fall der Mauer 1989 der technische Übergang des DDR-Fernsehens auf die westdeutschen Standards für die Zuschauer kaum wahrnehmbar war.



 

Materialien zu "Anfänge der Fernsehtechnik"

PDF-Icon Mechanisches Fernsehen
PDF-Icon Braunsche Röhre
PDF-Icon Zeilensprungverfahren