30.8.2012

Von der terrestrischen Kommunikation zur Satellitenkommunikation

FernsehsatellitFernsehsatellit (© christimatei/fotolia.com)
Nur wenige Jahre, nachdem die UdSSR 1957 mit dem "Sputnik" den ersten künstlichen Erdtrabanten ins All geschossen hatte, wurde der erste Telekommunikationssatellit in Betrieb genommen. Im Juli 1962 stellte der kommerzielle Satellit "Telstar" eine direkte Fernsehbildübertragung zwischen Europa und den USA sowie den USA und Japan her. Telstar hatte jedoch noch keine geostationäre Position inne, sondern umkreiste die Erde auf einer elliptischen Bahn, so dass die Übertragung von den USA nach Europa nur in einem begrenzten Zeitfenster von ca. 10 Minuten stattfinden konnte, in dem sich der Satellit in einer günstigen Position zwischen den USA und Europa befand.

Wachsende Bedeutung der Satellitenübertragung

Im Laufe der 1960er und 1970er Jahre wuchs die Bedeutung der Satellitenübertragung für den weltweiten Nachrichten- und Bilderaustausch stetig. Die Olympischen Spiele 1968 und die Fußballweltmeisterschaft 1970 – beide Ereignisse fanden in Mexiko statt – waren der erste große Einsatz für die Technologie. In der "Tagesschau" wurden Korrespondentenberichte aus den USA noch bis Ende der 1970er Jahre mit einem eingeblendeten Schriftzug "via Satellit" gekennzeichnet. Bis dahin waren für den Empfang von Satellitensignalen riesige Parabolantennen auf eigens eingerichteten "Erdfunkstellen" der Deutschen Bundespost nötig.

Auch in der DDR wurde mit Beginn der 1970er Jahre an der Satellitenübertragung gearbeitet. Ab 1976 waren Fernsehübertragungen über die sowjetischen nichtstationären "Molnija"-Satelliten möglich. Die Entwicklung war hier mit der bundesdeutschen Entwicklung etwa gleichlaufend, nur dass die beiden deutschen Staaten in unterschiedliche technische Organisationsstrukturen eingebunden waren. Bewegte sich die Bundesrepublik im westlichen "Intelsat"-Konsortium, agierte die DDR im östlichen "Intersputnik"-Abkommen (vgl. Geserick 1988, S.201ff.).

Individualempfang durch 'Schüsseln' auf dem Dach

Ende der 1970er Jahre zeichnete sich ab, dass kleinformatige 'Schüsseln' auf dem Dach den Individualempfang von Rundfunk ermöglichen könnten. Es wurde deshalb von der Internationalen Fernmeldeunion in Genf 1977 festgelegt, dass die Satelliten nur das jeweilige Herkunftsland mit Fernseh- und Radioprogrammen versorgen sollten. Jedem Land wurde zusammen mit anderen Ländern eine bestimmte Position im Orbit zugewiesen. Sie umfasste fünf Frequenzen, legte die Sendeleistung und eine bestimmte, auf die Größe des Landes abgestimmte Ausstrahlungszone fest.

Die Bundespost plante zusammen mit der France Télécom ein eigenes Satellitensystem für "direktstrahlende Rundfunksatelliten". TV-Sat 1 und 2 und Télécom 1 und 2, vier baugleiche Satelliten, wurden in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre in den Himmel geschossen. Über die TV-Sat-Satelliten konnten neben den fünf Fernsehprogrammen auch verschiedene Hörfunkprogramme übertragen werden. Doch TV-Sat 2 hatte technische Schwierigkeiten und konnte nie in Betrieb genommen werden. Darüber hinaus gab die Deutsche Bundespost den Fernmeldesatelliten "Kopernikus" in Auftrag, der 16 Fernsehprogramme abstrahlte und als Zulieferer für die Kabelnetze gedacht war. Offiziell war es Privathaushalten verboten, Signale von Fernmeldesatelliten aufzufangen – deshalb die spitzfindige unterschiedliche Benennung der Satellitensysteme.

Satellitenausstrahlung über die Grenzen

Die internationalen Vereinbarungen beinhalteten unter anderem, dass die Satelliten nur die jeweilige nationale Versorgung gewährleisten sollten, was angesichts der großen Einzugsgebiete der Satelliten und der kleinteiligen europäischen Grenzziehungen praktisch unmöglich war. Ein "spill over", also eine grenzüberschreitende Abstrahlung, war nicht zu verhindern. Die Positionierung der westlichen Satelliten (für die Bundesrepublik und westeuropäische Länder von Frankreich, Italien, Österreich bis zu den Niederlanden) im Orbit lag bei 19 Grad westlicher Länge, während der östliche Satellit (für die DDR sowie Polen, Ungarn bis zu Rumänien und Bulgarien) bei 1 Grad östlicher Länge lag (vgl. Geserick 1988, S.203). Die Satellitenempfangsschüsseln mussten also unterschiedlich ausgerichtet werden, die Parabolantennen wurden in der DDR fest montiert und auf den östlichen Satelliten ausgerichtet. Anfangs sperrte sich die DDR stark gegen den Empfang westlicher Satellitenprogramme, man wollte sich abschotten und den Westempfang durch einen "Nichtverkauf von Zusatzgeräten" (ebd.) unterbinden. Diese Haltung wandelte sich gegen Ende der 1980er Jahre: Nun wollte man auch den Einfluss anderer Programme zulassen. Damit waren jedoch vor allem osteuropäische und insbesondere sowjetische Programme gemeint (vgl. ebd., S.203f.).

Änderungen in der Satellitenausstrahlung

Dennoch verlief die Satellitenentwicklung in Europa insgesamt zögernd. Die Entwicklung anderer europäischer Satelliten kam häufig nicht zustande, auch das DDR-Fernsehen brachte keine neuen Programme auf den Satelliten. Zu Änderungen in der Satellitenausstrahlung kam es vor allem mit der Etablierung des Astra-Satellitensystems ab 1988. Der Nachbarstaat Luxemburg hatte von den zuständigen internationalen Gremien ebenso viel Platz im Weltraum zugestanden bekommen wie die Bundesrepublik Deutschland. Er nutzte sie nur anders. Die von Luxemburg betriebenen Astra-Satelliten wie "Kopernikus" boten 16 Fernsehprogramme, aber sie unterlagen nicht der Fernmeldehoheit der Deutschen Telekom. Das Empfangsverbot für die Fernsehnutzer wurde angesichts dieser Konkurrenz zunehmend wirkungslos. Die anfangs in Deutschland benötigten Empfangsgenehmigungen für Satellitenprogramme wurden deshalb 1989 gestrichen.

Zwischen den öffentlich-rechtlichen und den seit 1984/85 zugelassenen privaten Fernsehveranstaltern entbrannte ab 1990 ein Kampf um die Sendeplätze auf dem Luxemburger Satelliten, vor allem als sich herausstellte, dass die Versorgung der neuen Bundesländer, wo nur wenige Kabelnetze bestanden, mit mehr Fernsehprogrammen kurzfristig so am besten sichergestellt werden konnte.

Astra- und Eutelsat-Satelliten

Bald schon platzierte der Luxemburger Betreiber SES drei weitere analoge Satelliten Astra B-D, die ganz Europa mit bis zu 64 analogen Fernsehprogrammen bestrahlen konnten. Ab Mitte der 1990er Jahre folgten weitere Astra-Satelliten, die nun aber vor allen Dingen digitale Programme ausstrahlen und als Reserve für den Ausfall der alten Trabanten dienen sollten.

Neben dem Astra-Satellitensystem gibt es noch die "Eutelsat"-Satelliten, die an verschiedenen Himmelspositionen stationiert sind und insbesondere Programme in europäischen Minderheitssprachen ausstrahlen. Eine gewisse Relevanz für den deutschsprachigen Markt haben die "Eutelsat"-Satelliten der "Hotbird"-Position 13° Ost. Sie stehen nicht weit entfernt von den Astra-Satelliten am Himmel, so dass beide Systeme mit einer einzigen, speziell ausgestalteten Parabolantenne, einer sogenannten "schielenden Schüssel", empfangen werden können. Allerdings blieb "Eutelsat" am Markt immer hinter Astra zurück, weil es weit weniger deutschsprachige Programme übertrug und zu gewissen Zeiten, als die Himmelsfrequenzen knapp waren, lediglich als Startpunkt für neue Programmanbieter fungierte, die auf Astra wechselten, sobald dort ein Transponder frei wurde.

Der wirtschaftliche Erfolg des Luxemburger Unternehmens hat es ihm ermöglicht, sich durch Zukäufe und Neugründungen von Satellitenbetreibern nach und nach auch auf andere Weltregionen auszubreiten. Inzwischen versorgt die SES Zuschauer rund um den Globus mit Fernsehsignalen aus dem All.