30.3.2013

Die Jahre nach 2000

Der Boom an fiktionalen deutschen Fernsehproduktionen erreichte im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts sein Ende. Steigt auch das Angebot an fiktionalen Fernsehfilmen nicht weiter an, so differenziert es sich doch in seinen Formen aus. Qualitativ anspruchsvolle Fernsehfilme sind häufig im Programm vertreten, die alltägliche Geschichte pendelt sich dagegen auf eine Mischung der tradierten Genres ein – mit melodramatischen Beziehungsgeschichten, Krimi-Elementen, familiären Bausteinen. Dominant bleibt eine Spannungsdramaturgie. Die Zahl der weiblichen Hauptfiguren nimmt zu, sie dominieren immer stärker TV-Dramen und Krimireihen ("Bella Block", "Rosa Roth", "Die Kommissarin", "Unter Verdacht"), weil Kommissarinnen psychologischer ermitteln und weil Frauen das größere Zielpublikum der Fiktion sind. Häufig werden bei den privaten Fernsehanbietern ausländische (insbes. amerikanische) Serien ausgestrahlt. Zunehmend gibt es auch die Möglichkeit, bei der Ausstrahlung im Fernsehen verpasste Filme bzw. Serienfolgen in den Mediatheken der Sender im Internet anzuschauen.

Vielfalt der Themen

Die von 2006 bis 2008 in drei Staffeln in der ARD ausgestrahlte Fernsehserie "Türkisch für Anfänger" behandelt mit viel Humor und gefühlvollem Umgang mit ihren Protagonisten das interkulturelle Zusammenleben von türkischstämmigen und deutschen Familienmitgliedern. Die Serie erhielt zahlreiche Preise, darunter den Adolf-Grimme-Preis im Jahr 2007. (Ausschnitt aus der ersten Folge "Die, in der ich meine Freiheit verliere" vom 14.3.2006) (© Bayerischer Rundfunk/Degeto Film GmbH, 2006)
In der Gestaltung der Bildsprache und des filmischen Erzählens indes genießen Regisseure wie Chris Kraus ("Bella Block: Reise nach China", ZDF, 2008) große Freiheiten. Neue Impulse für den "Beziehungsfilm" und für einen neuen Realismus kommen von Daniel Nocke und Stefan Krohmer ("Familienkreise", WDR, 2003), die bei Themen wie Familie und Freundschaft den gelebten Alltag und gesellschaftlichen Horizont nicht aus den Augen verlieren. Neben der Aufarbeitung der DDR-Geschichte ("An die Grenze", ZDF, 2007) wendet sich der Fernsehfilm der Migrationsthematik zu – oft auch beiläufig, indem zum Beispiel der "Tatort" von 2008 bis 2012 seinen ersten türkischstämmigen Kommissar hatte, dargestellt von Mehmet Kurtulus. Ironisch pointiert wurde das Migrationsthema in Filmen wie "Meine verrückte, türkische Hochzeit" (ProSieben, 2006), politisch brisant setzte es Regisseur Züli Aladag in seinem umstrittenen Film "Wut" (WDR, 2006) um. Die ARD zeigte von 2006 bis 2008 die Serie "Türkisch für Anfänger", eine Mischung aus Familiengenre und Comedy, die Einblicke in ein interkulturelles Zusammenleben einer deutsch-türkischen Familie gibt.

Auf dem Feld des tradierten Genres tummelt sich die ARD-Tochter Degeto mit Heimatfilmen, die die Kinomotive der 1950er Jahre mit einer Soap-Dramaturgie verbinden. Daneben werden auch Event-Zweiteiler à la "Der Baader Meinhof Komplex“ (Das Erste, 2008) oder "Die Flucht“ (Das Erste, 2007) produziert, die die Tradition der historischen Fiktionen wieder aufgreifen. Diese Filme haben sich zu großen Zuschauererfolgen der Gegenwart entwickelt und haben deshalb gute Chancen, auch im nächsten Jahrzehnt zu den Angeboten der Fernsehfiktion zu gehören.