Vom Web 2.0 zum Social TV

30.8.2012
Das Internet ist seit den 1990-er Jahren nach und nach zu einem Massenmedium geworden. Von traditionellen Programmmedien unterscheidet es sich dadurch, dass die Nutzer individuell auf Inhalte zugreifen können. Die Weiterentwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik ermöglichte ab Mitte des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts die Internet-Generation des sogenannten Web 2.0.

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Das "Bildblog" startete als Watchblog für die Bild-Zeitung und hat sich als "Bildblog für alle" auch anderen Medien angenommen.Das "Bildblog" startete als Watchblog für die Bild-Zeitung und hat sich als "Bildblog für alle" auch anderen Medien angenommen. (© BildBlog)
Neu am Web 2.0 sind die Formen der Aktivität von Nutzern, die unter dem Stichwort "User Generated Content" (UGC) zusammengefasst sind. Nutzer können selbst Inhalte produzieren, die sie ins Netz stellen. Das ging zwar früher auch, indem man beispielsweise eine eigene Homepage erstellte oder sich an diversen Internet-Foren beteiligte. Dies orientierte sich jedoch an der klassischen Netzstruktur: Ein Inhalt, z. B. eine Homepage, wird mit einer eigenen Netzadresse eingestellt. Das Web 2.0 hat diesen angebotsorientierten Gedanken aufgegeben. Stattdessen werden jetzt Plattformen zur Verfügung gestellt, auf denen die Nutzer selbst Texte, Bilder, Videos, Podcasts etc. einstellen können und die zudem die Möglichkeit bieten, sich mit anderen Nutzern auszutauschen und zu vernetzen.

Facebook, Twitter und andere soziale Medien haben in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Der Trend zu Social Media und die immer größere Verbreitung von Smartphones und Tablet-PCs ermöglichen neue Formen der Interaktion, die sich unter dem Schlagwort Social TV zusammenfassen lassen und über die Möglichkeiten des Web 2.0 hinausweisen. Social-TV-Anbieter wie z. B. Couchfunk, myTV oder Zapitano ermöglichen Live-Diskussionen über das aktuell im Fernsehen Gesehene und das Kennenlernen neuer Leute z. B. aus Begeisterung für dieselbe Sendung. Marketingstrategen setzen zunehmend auf derartige soziale Dienste, um Zuschauer stärker an Sendungen zu binden und gleichzeitig wertvolle Informationen zum Nutzungsverhalten zu gewinnen.

Auch etablierte Fernsehsender haben inzwischen verstanden, dass Social Media den TV-Konsum bereichern kann. Mit der Sendung "rundshow" wagte z. B. das Bayerische Fernsehen 2012 den ultimativen Praxistest für die Social-Media-Integration im Fernsehprogramm. Die Redaktion war permanent online erreichbar und stand in enger Interaktion mit ihrer Community. Die User konnten online über die Themen der Sendung mitbestimmen, Kommentare abgeben und das Niveau der Sendung u. a. durch eine eigens entwickelte App bewerten. Solche Sendeformate stellen erst den Anfang dessen dar, was in den kommenden Jahren an Social TV zu erwarten ist.