"Big Brother" – Eine neue Dimension von Realitätsfernsehen

30.8.2012
Eine solche künstliche Welt mit realen Personen, die keine Schauspieler sind, durch ihre Teilnahme an dem Format aber tägliche TV-Präsenz und damit Bildschirmprominenz erlangen, zeigt wie kaum ein anderes Beispiel, wie machtvoll inzwischen die Verquickung von Fiktionalität und Faktualität, von Ausgedachtem und Realem, gelungen ist und welche neuen Probleme der Repräsentation der Welt sich im Fernsehen damit eröffnen.

Endemol-Chef John de Mol zum Sendestart von Big Brother in DeutschlandEndemol-Chef John de Mol zum Sendestart von Big Brother in Deutschland (© picture-alliance/dpa)


Realitätsfernsehen ist hier eine inszenierte, eine nach Serienmustern organisierte und zusammengeschnittene Welt, sie ist auf die Fernsehanforderungen ausgerichtet und folgt deren Regeln. Sie setzt wie eine Unterhaltungssendung auf einen Wettkampf, bei dem es am Ende einen Gewinner gibt. Gleichzeitig lebt sie von den unvorhersehbaren Selbstinszenierungen der Beteiligten, enthält in kleinen Details noch die Spur des Unberechenbaren und nicht Planbaren (vgl. Bleicher 2002).

Solche "möglichen anderen Welten", wie sie hier mit realen Menschen vorgeführt wurden und werden, finden ihre Entsprechungen in den virtuellen Welten des Internet, bei denen jedoch, im Gegensatz zum Fernsehen, oftmals mit Pseudonymen oder mit künstlichen Figuren, mit Avataren (z. B. bei "Second Life"), gearbeitet wird.