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30.8.2012

Öffentlich-rechtliche Vorläufer von Doku-Soaps

Unsere Nachbarn heute abend ? Familie Schölermann
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Fotograf: Roba Archiv
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Caption: Unsere Nachbarn heute abend ? Familie Schölermann, Deutschland
1954 - 1960, Regie: Ruprecht Essberger, Darsteller: Margit Cargill, Harald
Martens, Lotte Rausch, Charles Brauer, Willy KrügerUnsere Nachbarn heute abend ? Familie Schölermann, Deutschland 1954 - 1960, Regie: Ruprecht Essberger, Darsteller: Margit Cargill, Harald Martens, Lotte Rausch, Charles Brauer, Willy Krüger (@picture alliance/United Archives).


Der Versuch, mehr Alltagsnähe, mehr Authentizität in die serielle Unterhaltung einfließen zu lassen, ist so alt wie das Fernsehen selbst. Dies resultiert auch daraus, dass das Fernsehen als Medium aufgrund seiner dokumentarischen und informationellen Programmanteile immer auch als Vermittler von Wirklichkeit gesehen wurde. Schon in der ersten lang laufenden Serie des deutschen Fernsehens, "Familie Schölermann" (1953–1960 mit 111 Folgen), wurden Laiendarsteller eingesetzt, die auch nicht mit ihren richtigen Namen im Abspann erwähnt wurden, um den Eindruck von 'echten' Personen in der Darstellung zu erwecken. Gleichwohl folgten ihre Geschichten einem Drehbuch, und einige Darsteller – etwa Uwe Friedrichsen und Charles Brauer, die hier als jugendliche Darsteller begonnen hatten – wurden professionelle und bekannte Fernsehschauspieler.

"Die Fussbroichs" (ARD/WDR)

Auch in der Folgezeit hat es immer wieder Versuche gegeben, die fiktionalen Geschichten als Darstellungen der Wirklichkeit erscheinen zu lassen. Im engeren Sinne ist ein Vorläufer der Doku-Soaps ein 1979 von der Regisseurin Ute Diehl gedrehter Dokumentarfilm über die Kölner Arbeiterfamilie Fussbroich ("Die Fussbroichs: Ein Kinderzimmer 1979", WDR), an dem dann zehn Jahre später die Doku-Soap "Die Fussbroichs" (ARD/WDR) anknüpfte, die schließlich bis 2001 in 17 Staffeln mit 100 Folgen von jeweils ca. 30 Minuten Länge Leben und Alltag der Familie schilderte. Die Regisseurin enthielt sich in den Folgen jedes Kommentars, die Personen wurden in ihrem Alltag gefilmt bzw. spielten sich selbst und wirkten in ihrer Art, sich vor der Kamera zu bewegen, authentisch. Gleichzeitig wurden die Szenen aber nach den Mustern der fiktionalen Dramaturgie geschnitten. Vor allem die späten Folgen wurden durch den Einsatz digitaler Bearbeitungs- und Schnitttechnik fließender und damit auch den Konventionen des fiktionalen Erzählens stärker angepasst. Die Serie erfreute sich großer Beliebtheit, so dass auch sie heute auf DVD zu haben ist.