15.7.2013

Annäherung an einen komplexen Begriff

Parteien vertreten Einzelinteressen von gesellschaftlichen Gruppen und verfolgen gemeinsame ideelle und programmatische Ziele. Im Unterschied zu Verbänden und Bürgerinitiativen sind sie bereit, Macht auszuüben und Regierungsverantwortung zu übernehmen.

Die ersten Parteien in Deutschland entwickelten sich 1848. Sitz der ersten Nationalversammlung war die Frankfurter Paulskirche.Die ersten Parteien in Deutschland entwickelten sich 1848. Sitz der ersten Nationalversammlung war die Frankfurter Paulskirche. (© ullstein bild - Archiv Gerstenberg)

Einleitung

Partei, das ist ein Allerweltsbegriff, der in verschiedenen Zusammenhängen umgangssprachlich, aber auch präzise sozial- bzw. politikwissenschaftlich benutzt werden kann. So spricht man etwa vor Gericht davon, dass Parteien aufeinandertreffen. Mit "politischer Partei" sind hingegen Institutionen gemeint, die je nach politischem System, nach historischem Zeitpunkt, nach ökonomischen, sozialen und kulturellen Bedingungen unterschiedlich agieren können. Parteien verändern sich im Laufe der Zeit, im Wandel von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur.

Die ersten Parteien, die in Deutschland 1848 im Vormärz und dann aus der Paulskirche heraus entstanden, waren locker und unverbindlich organisiert und hatten kein festes Programm. Sie stellten etwas völlig anderes dar als die beiden großen bundesdeutschen Parteien SPD und CDU/CSU zum Ausgang der 1970er-Jahre. Damals erreichten Sozialdemokratie und Christdemokratie den Höhepunkt ihrer Mitgliederentwicklung mit jeweils um eine Million. Beide Parteien waren "Volksparteien" bzw. "Massenparteien" geworden.

Quellentext

Volkspartei

bezeichnet eine politische Organisation von Bürgern und Bürgerinnen, die in der sozialen Zusammensetzung ihrer Mitglieder, Funktionäre und Wähler nicht auf eine Schicht oder Klasse oder eine andere besondere Gruppe (wie Angehörige nur einer Konfession) beschränkt ist, sondern mehrere Schichten und Gruppen umfasst, also sozial bunt und vielfältig ist. Volksparteien sind bemüht, möglichst viele Wählergruppen gezielt und mit modernen Werbemethoden anzusprechen und für sich zu gewinnen. Volksparteien müssen willens und bereit sowie in der Lage sein, allein oder in Koalition mit anderen Parteien die Regierungsverantwortung zu übernehmen, also Macht auszuüben. Schließlich gilt als Volkspartei eine solche Partei, die bei landesweiten Wahlen 35 Prozent oder mehr der Stimmen erhält.