Was sind Social Bots?

14.7.2017
"Bot" steht als Kurzform des englischen Begriffs "Robot" für Roboter. Es sind Computerprogramme, die automatisiert bestimmte Aufgaben erfüllen. Meinungs-Bots in sozialen Netzwerken können auch menschliche Identitäten in Fake-Accounts vortäuschen.

Twitter, Tablet, Fake NewsFalschmeldungen verbreiten sich oft über Social Media Kanäle wie Twitter. Lizenz: cc by/2.0/de (CC, von WDNet Studio)

Die Technologie hinter Social Bots



Einen Social Bot zu programmieren, ist leicht. Es gibt kostenlose Software im Netz, die sich mit wenigen Änderungen im Code schnell einsetzen lässt.[1] Hinter Bots steckt keine künstliche Intelligenz, sondern ein Algorithmus. Algorithmen sind – etwas vereinfachend dargestellt – festgelegte Ereignisketten. Hierbei sind in der grundlegendsten Form Bedingungen für eine Ereigniskette festgelegt: "wenn a, dann b - wenn nicht a, dann c".[2] Sie arbeiten mit einfachen Keyword-Suchen, scannen Twitter-Timelines oder Facebook-Posts nach bestimmten Wörtern und Hashtags. Findet ein Bot die richtigen Wörter, dann tritt er in Aktion. Mit vorgefertigten Antworten kommentiert er Beiträge oder versucht andere in ein fiktives Gespräch zu verwickeln.

In selteneren Fällen steckt dann doch mehr Technik dahinter. Dann kann ein Bot auch seine eigenen Antworten schreiben. Meist baut er sie aus Texten zusammen, die er auf bestimmten Internetseiten gefunden hat oder übernimmt einfach ganze Aussagen. So entstehen Social Bots, die nicht einfach immer wieder dieselben Nachrichten schreiben. Je nachdem wie gut sie dann programmiert sind, ergeben ihre Postings dann mehr oder weniger Sinn.[3]

Arten und Zweck von Social Bots



Sie können menschliches (Kommunikations-) Verhalten imitieren, beispielsweise bei Facebook Freundschaftsanfragen versenden, bei Twitter anderen Accounts folgen oder eigene Texte vorbereiten. Ihre Zielsetzung hingegen ist unterschiedlich und der Übergang zwischen folgenden drei Kategorien verläuft fließend. Ein Bot kann auch mehrere Aufgaben übernehmen.

1. Die Überlaster
Ein Bot kann den Feed einer bestimmten Seite oder einer Person mit einer bestimmten Aussage überfluten. Sieht er beispielsweise, dass eine Nachrichtenseite sich zu einem bestimmten Thema geäußert hat, postet er immer wieder dieselben Gegenaussagen. Vor allem, wenn solche Bots ihre Nachrichten gegenseitig liken oder kommentieren können, beschleunigen diese sich in ihrem gegenseitigen Mechanismus selbst. Echte Kommentare gehen dadurch oftmals unter. Das macht eine normale Diskussion über ein Thema unmöglich.

2. Die Trendsetter
Mit einer kleinen Bot-Armee, die immer und immer wieder dasselbe Hashtag verwendet, ist es möglich, die Themen-Agenda zu bestimmen. Unterhalten sich plötzlich tausende Bots auf Twitter über diesen Hashtag kann der Inhalt Bedeutung in der öffentlichen Debatte erlangen. Ein Thema erscheint damit plötzlich größer als es ist und echte Nutzer schließen sich einer Fake-Bewegung an, weil sie diese als eine echte Mehrheit begreifen.

3. Die Auto-Trolle
Diese Bots sollen einzelne Nutzer ablenken, damit diese möglichst viel Zeit mit sinnloser Diskussion verbringen. Wenn sich etwa zwei Nutzer über ein Thema unterhalten, klinkt ein solches Programm sich ein und schreibt immer wieder unpassende, extreme oder sogar beleidigende Argumente. Weil viele Nutzer dann auf diese fiktiven Provokateure reinfallen, gerät die normale Diskussion in den Hintergrund. Wer nicht merkt, dass er eigentlich mit einem Bot diskutiert, kann stundenlang beschäftigt sein.


Einfluss von Social Bots



Werden auf Facebook extreme Meinungen und Hassbotschaften verbreitet, kommentiert und häufig geliked, erweckt das den Eindruck, dass viele Menschen diese Meinung teilen und für richtig halten. Manipulierte, akkumulierte Meinungen haben damit einen großen Einfluss.[4]

Es ist jedoch zu bedenken, dass es sich bei der Frage der Auswirkungen von Social Bots auf Debatten etwa beim Kurznachrichtendienst Twitter noch um ein sehr junges Forschungsfeld handelt. Dort steht man erst am Anfang der Untersuchungen und muss zunächst viel mehr Daten erheben, um zu gesicherten Erkenntnissen zu gelangen. Darüber herrscht in Expertenrunden Konsens. Es gehe darum, ein eigenes Ökosystem mit einem komplexen Wechselspiel maschineller und menschengemachter Tweets zu verstehen, so Prof. Dr. Christian Holger Georg Stöcker. Eine Beeinflussung der politischen Willensbildung ist kaum nachweisbar, Folgen für die Politik sind schwer einschätzbar. Dennoch müsse man sich mit dem Phänomen auseinandersetzen. Der Einfluss von Social Bots auf die politische Willensbildung ist unter Experten also umstritten. Simon Hegelich, Professor für Political Data Science, mahnt, ihre Wirkung nicht zu überschätzen. Er zweifelt daran, dass sich Menschen nur wegen Social Bots politisch beeinflussen lassen und ihre Meinung ändern.[5] Und Linus Neumann vom Chaos Computer Club findet, dass die Bedeutung von Social Bots massiv überzogen werde. Die Politik wolle damit nur von einem allgemeinen Vertrauensverlust der Bürger ablenken. Warum sollten Social Bots Wahlen beeinflussen, wenn das seit Jahrzehnten andere Medien nicht geschafft hätten. Bots könnten vorhandene Tendenzen lediglich verstärken – und Verstärkung sei grundlegend für das algorithmische System des Internets.

Social Bots im Bundestagswahlkampf

Die Frage danach, ob die Macht der Social Bots auch den Wahlkampf der Bundestagswahl beeinflussen könnte, beschäftigte auch den Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Dieser lud zu diesem Thema 20 Experten zu einer Debatte in den Bundestag ein. Ein konkretes Ergebnis zu der Frage, ob eine Kennzeichnungspflicht oder ein Verbot von Bots möglich und sinnvoll wäre, gab es allerdings nicht.[6]

Die Bedeutung wird insbesondere aus zwei Gründen gering geschätzt:

1. Die deutschen Parteien haben ihren Verzicht auf den Einsatz von Social Bots erklärt.[7]
Die AfD hatte sich als letzte Partei gegen den Einsatz von Social Bots im Wahlkampf ausgesprochen. Bei Twitter fanden Experten jedoch Netzwerke, die gezielt Inhalte der AfD verbreiten. Ob die Partei direkt mit ihnen in Verbindung steht oder diese gar in Auftrag gab, lässt sich jedoch kaum nachweisen.


2. Die Internet- und Social-Media-Nutzung der deutschen Bürger(innen) ist im Vergleich zu den USA bezüglich der Nutzerzahlen bei Twitter viel geringer.
Während in den USA fast jede(r) vierte Bürger(in) im Netzwerk unterwegs ist, ist es in Deutschland höchstens jede(r) siebte. So dürften nur wenige deutsche Wahlberechtigte direkt mit Bots in Berührung kommen.


Fußnoten

1.
https://www.wired.de/collection/tech/welche-social-bots-gibt-es-und-wie-funktionieren-sie
2.
http://www.grimme-institut.de/fileadmin/Grimme_Nutzer_Dateien/Akademie/Dokumente/SR-DG-NRW_04-Online-Hate-Speech.pdf
3.
https://www.wired.de/collection/tech/welche-social-bots-gibt-es-und-wie-funktionieren-sie
4.
https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2017/kw04-pa-bildung-forschung-social-bots/488818
5.
http://www.kas.de/wf/doc/kas_46486-544-1-30.pdf
6.
http://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/social-bots-im-wahlkampf-welche-rolle-spielen-sie/150/3101/353582
7.
http://faktenfinder.tagesschau.de/social-bots-bundestag-wahl-101.html