Handreichungen für Lehrerinnen und Lehrer
Gesamtkonzept
7.1.2005
Die Handreichungen enthalten Überlegungen zur pädagogischen Konzeption, Hinweise zu den Materialien und Hintergrundinformationen zum Wahl-O-Mat.
Ziele
Die hier vorgestellten Unterrichtsbausteine nehmen die innere Dynamik des Wahl-O-Mat auf, um sie im Unterricht für die weitere Bearbeitung von inhaltlichen Aspekten und sozialen Kompetenzen nutzbar zu machen.
Im Zentrum der Unterrichtsbausteine steht der
Wahl-O-Mat, dessen Einsatzmöglichkeit im Unterricht in Baustein 0 beschrieben wird.
Drei Hauptaspekte werden mit dem Einsatz des
Wahl-O-Mat aufgegriffen:
Motivation
Der Wahl-O-Mat bietet durch die Internetpräsenz und durch seinen spielerischen Ablauf eine hohe Motivation, ihn auch mehrfach zu durchlaufen. Dies wird vor allem dadurch verstärkt, dass die Nutzerinnen und Nutzer direkt angesprochen werden, um zu unterschiedlichen Fragestellungen eigene Position zu beziehen. Dieser Prozess, persönlich involviert zu sein, wirft bei den Nutzerinnen und Nutzern zwei wichtige Fragestellungen auf, die im weiteren Unterricht aufgegriffen werden sollen:
Sowohl der Wissensmangel, als auch die Differenzen in der eigenen Wahrnehmung sind eigenmotivierte Lernimpulse, die im weiteren Unterrichtsverlauf aufgegriffen werden können.
Wahrnehmung und Wahlmotive
Im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Einsatz des Wahl-O-Mat sollten die Erwartungsdifferenzen der Nutzerinnen und Nutzer thematisiert werden. Diese Auseinandersetzung zielt auf zwei Aspekte:
Weiterführende Informationen
Fehlende Informationen beim Durchlauf des Wahl-O-Mat können als Impuls aufgegriffen und vielfältig in die bereits vorhandene Unterrichtsplanung eingebunden werden.
Als weitere Möglichkeit bieten sich optional zwei weitere Bausteine an, die sich thematisch im unmittelbaren Umfeld zum Themenkreis Wahlen anschließen:
Drei Bausteine - Pädagogisches Konzept
Allgemeine Lernziele
Alle Bausteine sind ergebnis- und produktionsorientiert ausgerichtet. Die Bausteine bieten neben verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten auch unterschiedliche methodische Ansätze und Herangehensweisen.
Die differenzierten Anforderungen an die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler bieten ihnen die Möglichkeit, analytische, kreative, kommunikative und organisatorische Fähigkeiten in unterschiedlicher Gewichtung zur Geltung zu bringen.
In jedem Fall sind Informationsrecherche, Ergebnispräsentation und die Diskussion zentrale Strukturelemente dieser Bausteine.
Die Bausteine sind so angelegt, dass sie sich auch für einen fächerübergreifenden Einsatz oder ein Schwerpunktprojekt eignen.
Eigenverantwortliche Gruppenarbeit
Die Bausteine sind darauf angelegt, dass Lerngruppen sich weitestgehend eigenständig und eigenverantwortlich organisieren und konkrete Ergebnisse präsentieren.
Zu diesem Zweck sind die Bausteine als Leitfäden für die Schülerinnen und Schüler konzipiert und sollen sie im Prozess der Erarbeitung und Ergebnispräsentation unterstützen und begleiten. Die Bausteine geben die Aufgabenstellung vor und teilen den gesamten Bearbeitungsprozess in Phasen ein, die mit hilfreichen Tipps für den Arbeitsverlauf versehen sind.
Die Arbeit der Lerngruppen soll im wesentlichen außerhalb der Unterrichtszeit stattfinden. Für die jeweilige Durchführung bzw. Präsentation sollte wenn möglich jeweils etwa eine Doppelstunde zur Verfügung stehen.
Arbeitsaufträge
Jede Lerngruppe erhält einen Leitfaden, der neben der jeweiligen Aufgabenstellung zahlreiche Tipps und Hilfestellungen für die Lerngruppe enthält, um ihr Arbeitsziel zu erreichen. Anhand dieses Leitfadens soll die Lerngruppe weitgehend selbständig
Rolle der Lehrerin/des Lehrers
Die Rolle der Lehrerin oder des Lehrers ist zurückhaltend. Sie oder er ist Ansprechpartnerin und Ansprechpartner, Beraterin und Berater für die Lerngruppen, moderiert ggfs. bei Konflikten und unterstützt die Lerngruppen bei konkreten Anfragen.
1.3 Didaktische Aspekte
1.3.1 Inhalte
Das Kernstück dieser Bausteine bildet der Wahl-O-Mat. Sein Einsatz zielt darauf ab, über die Motive und Grundlagen der eigenen Wahlentscheidung zu reflektieren und eine Diskussion darüber zu initiieren.
Je nachdem, wieviel Unterrichtszeit für dieses Themengebiet zur Verfügung steht, können die weiteren Bausteine in Lerngruppen parallel bearbeitet werden. Die Ergebnisse der Lerngruppen werden anhand von Präsentationen dem Plenum zugänglich gemacht.
Baustein-Themen
Baustein 0 für die Lerngruppe "Der Wahl-O-Mat"
Baustein 1 für die Lerngruppe "Demokratische Wahlen"
Baustein 2 für die Lerngruppe "Wahlprogramme / Wahlthemen"
2.2 Kurzmodule
Für Lehrerinnen und Lehrer, denen diese Bausteine in der Umsetzung zu umfangreich sind, gibt es ein Kurzmodule Wahl-O-Mat im Unterricht mit Vorschlägen für den ein bis zweistündigen Einsatz des Wahlomat.
2.3 Weitere Materialien
Das Making of Wahl-O-Mat
Zu den Hintergründen der Geschichte, der wissenschaftlichen Begleitung und der Produktion eines Wahl-O-Mat gibt es eigens eine PowerPoint-Präsentation.
Offline-Version Wahl-O-Mat
Wer den Wahl-O-Mat ohne direkten Internetzugang dennoch einsetzen möchte, kann eine Offline-Version installieren.
Installations- und Bedienungsanleitung
Zur Installation der Offline-Version gibt es eine kurze Anleitung sowie ein paar Hinweise zur Bedienung des Wahl-O-Mat.
Aktuelle Materialien
Aktuell zum jeweiligen Wahl-O-Mat werden Linklisten als Recherchehilfe sowie ausgewählte Schwerpunktthemen und interaktive Online-Spiele zu einzelnen Themen angeboten.
Hintergrundinfos Wahl-O-Mat
3.1 Beschreibung
Was ist der Wahl-O-Mat?
Der Wahl-O-Mat ist ein on- wie offline nutzbarer Computer-Test, mit dem auf der Basis der Wahlprogramme der im Deutschen Bundestag vertretenen politischen Parteien politische Prioritäten ermittelt werden können.
Der Wahl-O-Mat umfasst 25 bis 30 Thesen, die über sechs bis zehn wichtige Wahlthemen verteilt sind. Durch die Angabe, ob man einer bestimmten These zustimmt ("Stimme zu") oder nicht ("Stimme nicht zu"), oder ob man dieser Aussage "Neutral" gegenüber steht oder gar "Weiß nicht" dazu hat, gelangt man zu der Partei, die der eigenen Priorität am nächsten kommt.
Die Teilnehmenden können einem oder mehreren Thesen eine zusätzliche Gewichtung zuerkennen. Am Ende kann das eigene "Wahlverhalten" mit den Positionen der politischen Parteien unmittelbar verglichen werden.
Kriterien für den Wahl-O-Mat
Im Prinzip können alle politischen Parteien teilnehmen, die in einem Parlament vertreten sind, bzw. die Parteien die angebend autorisierte Opinion-Polls eine hohe Chance auf Einzug in das zu wählende Parlament besitzen.
Die teilnehmenden Parteien müssen über vollständige Wahlprogramme verfügen und stellen diese der bpb rechtzeitig zur Verfügung. Zu einem jeweils festgesetzten Zeitpunkt autorisieren die Parteien ihre Standpunkte für den Wahl-O-Mat, das definitive Wahlprogramm muss der Redaktion vorliegen.
Die Thesen müssen hinreichend Gewähr für eine Unterscheidbarkeit der Parteien bieten. Die den Thesen zugrundeliegenden Themenfelder sollten möglichst Tagesaktualität überdauernde Bedeutung haben (Bedeutung zumindest für eine Wahlperiode).
Die Gestaltung des Tool ist konsequent am Prinzip KISS (Keep it simply stupid) zu orientieren.
Wer betreibt den Wahl-O-Mat?
Der Wahl-O-Mat wird von der Bundeszentrale für politische Bildung bpb als Lizenzinhaber betrieben. Die bpb arbeitet bei jedem Wahl-O-Mat mit unterschiedlichen Kooperationspartnern auf Landes-, Bundes- und internationaler Ebene zusammen.
Der regelmäßige Kooperationspartner ist das des niederländischen Instituut voor Publiek en Politiek (IPP), die bereits seit fast 20 Jahren das niederländische Produkt "StemWjzer" (»www.stemwijzer.nl«) betreiben, auf dessen Konzeption der Wahl-O-Mat entwickelt wurde.
Wahl-O-Mat im Internet
Die bpb veröffentlicht alle Wahl-O-Mat-Versionen in der Domain »www.wahl-o-mat.de« bzw. »www.wahlomat.de«, einer Seite für Wahlen, die bei den Bundestagswahlen am 22. September 2002 fast drei Millionen Besucherinnen und Besucher zur Durchführung des Tests per Mausklick motiviert hat. Selbstverständlich werden die einzelnen Wahl-O-Mat-Versionen auch auf den Sites der Kooperationspartner veröffentlicht. Optional ist die Veröffentlichung oder die Aufnahme eines erweiterten Links auf den Sites kommerzieller Medien möglich, entsprechende Kooperationen sind angedacht.
Wie wird ein Wahl-O-Mat erstellt?
Die Thesen des Wahl-O-Mat werden von einer Redaktionsgruppe von 10 bis 20 Jugendlichen zwischen (etwa zwischen 16 und 25 Jahren) in gemeinsamen Workshops mit wissenschaftlicher Begleitung erstellt.
Für das Erstellen des Wahl-O-Mat werden die Wahlprogramme der politischen Parteien verwendet. Aus den Programmen wird eine Liste sog. "diskriminierender" (d.h. unterscheidbarer) Aussagen zusammengestellt, also Thesen, bei denen sich die Positionen der Parteien unterscheiden.
Schließlich entsteht eine Liste von bis zu 80 Ausgangsthesen, die den Parteien mit der Bitte vorgelegt wird, diese auf der Grundlage ihrer Wahlprogramme zu autorisieren. Nach der Autorisierung wird eine definitive Liste von fünfundzwanzig bis maximal dreißig Thesen in das Wahl-O-Mat-Programm eingegeben. Nach der Fertigstellung wird der Wahl-O-Mat im Rahmen einer Pressekonferenz, bei der Politikerinnen und Politiker öffentlich einen Durchlauf starten, online geschaltet.
Abgrenzung
Was kann der Wahl-O-Mat?
Der Wahl-O-Mat ist ein Instrument, mit dem in erster Linie Jungwählerinnen und Jungwähler motiviert werden sollen, zur Wahl zu gehen.
Im Unterricht eingesetzt, kann er außerdem eine starke Motivation bei den Schülerinnen und Schülern initiieren, sich zum einen mit der eigenen Wahlmotivation und Positionierung auseinanderzusetzen und zum anderen mehr über die angesprochenen Themen erfahren zu wollen.
Er ist in jedem Fall eine gute Ergänzung für den Unterricht als Impulsgeber, als "Highlight", da mit seinem Einsatz ein Methoden- und Medienwechsel einhergeht, der zum einen bereits behandelte Wahlthemen wiederzufinden und neue Fragestellungen zu diesen Themen aufzuwerfen.
Was kann er nicht?
Der Wahl-O-Mat zielt nicht darauf, Inhalte oder Informationen zu vermitteln. Er gibt lediglich den Impuls, dies zu tun.
Der Wahl-O-Mat ersetzt nicht eine auf Wissenvermittlung ausgerichtete Unterrichtseinheit. Aber er kann diese unterstützen, er kann Anlass zu weiterem unterrichtlichen Geschehen bieten und er kann, wenn er gut plaziert wird, Kristallisationspunkt für weitere Unterrichtseinheiten oder Bausteine sein.
Der Wahl-O-Mat erhebt nicht Anspruch auf Vollständigkeit in der Behandlung von Parteiprogrammen. Dennoch entstehen seine Thesen auf der Basis der Parteiprogramme und die jeweiligen Positionen wurden durch die Pateivorstände autorisiert.
Der Wahl-O-Mat gibt keine Wahlhilfe. Sein Ergebnis zeigt lediglich - bezogen auf die Thesen und deren Antwortmöglichkeiten - in aufsteigender Reihenfolge den mathematischen Abstand der eigenen Positionen zu denen der Parteien auf. Die Partei mit den meisten Übereinstimmungen wird als erste genannt.
weitere Inhalte:
- Allerlei Familienbande
- Freiheitsrechte - grenzenlos?
- Gesundheitspolitik - Ende der Solidarität?
- Grundrechte - Mädchen und Jungen sind gleichberechtigt
- Grundrechte: Grundsätzlich gemeinsam, friedlich und gerecht
- Grundrechte: Meine Freiheit, deine Freiheit
- Grundwissen Wirtschaft: Super-, Floh- und andere Märkte
- Nachhaltige Entwicklung
- Sport und (Welt-) Politik
- Stichwort Antisemitismus
