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26.11.2008 | Von:
von Inge Seibel-Müller

Radio und Internet - ein "Dreamteam"

Nach anfänglicher Skepsis sehen neuerdings immer mehr Radiomacher in der Kombination aus Radio und Internet ein "Dreamteam". Auf den Münchener Medientagen 2008 zeigten sich viele davon überzeugt, dass nach UKW das Internet der meist verbreitete Übertragungsweg des Radios der Zukunft sein wird.

Führende Radiomanager sind überzeugt, dass nach UKW das Internet der meist verbreitete Übertragungsweg des Radios der Zukunft sein wird. Hier hat sich im vergangenen Jahr einiges getan.

Die bevorstehende Digitalisierung, neue Konkurrenten im Internet, boomende Webradios – all das scheint die Hörfunkbranche regelrecht zu lähmen. Auf den Münchener Medientagen 2008 wünschte sich manch Radiomanager einen Routenplaner, der ihm den Königsweg in die Zukunft zeigt.

W-Lan-Empfangsgeräte für Internetradios sind preiswert und in vielen Varianten zu haben.W-Lan-Empfangsgeräte für Internetradios sind preiswert und in vielen Varianten zu haben.
Spätestens 2015 soll die analoge Hörfunkübertragung im UKW-Frequenzbereich zugunsten eines digitalen Übertragungssystems abgeschaltet werden; das streben jedenfalls Bundesregierung und EU-Kommission an. An den Termin mag allerdings in der Radiobranche kaum noch jemand glauben. Das hat nicht zuletzt technische Gründe: Digital Audio Broadcasting (DAB) oder Digital Radio Mondiale (DRM), Digital Multimedia Broadcasting (DMB), DAB+ oder DVB-H - die Liste möglicher digitaler Übertragungswege und -techniken für den Hörfunk der Zukunft ist verwirrend und lang. Bislang mangelt es an einem allgemein verbindlichen technischen Standard. Für 2009 ist trotzdem der bundesweite Start des Digitalradios mit einem "Big-Bang" geplant. Was allerdings noch fehlt, sind konkrete Konzepte und überzeugende Geschäftsmodelle.

Auch der Geräteindustrie bereitet die endlose Diskussion um die unterschiedlichen technischen Standards Probleme. Bisher liegen DAB-fähige Radios wie Blei in den Verkaufsregalen, weil die Kunden den Nutzen der Geräte nicht sehen und Verkäufer kaum in der Lage sind, qualifizierte Informationen zu vermitteln. Welche auch, wenn es die Radioprofis selbst kaum können?


Wenig optimistisch in Sachen Digitalisierung zeigt sich Hans-Dieter Hillmoth, Geschäftsführer der Radio/Tele FFH und Vizepräsident des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT): "Ich glaube nicht, dass im Jahr 2009 etwas läuft, hoffe aber, dass es endlich eine klare Entscheidung für oder gegen das Digitalradio gibt." Hillmoth ist davon überzeugt, dass nach UKW das Internet der meist verbreitete Übertragungsweg des Radios der Zukunft sein wird. Hier hat sich in den vergangenen Monaten einiges getan. Als zusätzliche Verbreitungsplattform gewinnt das Internet vor allem für jugendlich ausgerichtete Radioprogramme immer mehr an Bedeutung.

Noch bereitet den Radioveranstaltern der hohe finanzielle Aufwand für das Streaming ihrer Programme einiges Kopfzerbrechen. Medienforscher gehen allerdings davon aus, dass sich das bald ändern wird. Auf den Münchener Medientagen prognostizierte Professor Klaus Goldhammer, Geschäftsführer der Goldmedia GmbH, weiter sinkende Kosten für Breitband-Flatrates und rapide sinkende Streamingkosten.


"Die positive Entwicklung von Online ist keine Bedrohung für das Radio, sondern eher eine Chance", sagt Lutz Kuckuck, Geschäftsführer der Radiozentrale Berlin. Kuckucks Unternehmen wurde im Frühjahr 2005 als gemeinsame Plattform führender Privatradio-Unternehmen und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit dem Ziel gegründet, dem Werbeträger Radio höhere Umsätze zu verschaffen. Es soll die Bedeutung des Hörfunks im Wettbewerb mit Fernsehen, Print und Online im Media-Mix stärken.

Nach anfänglicher Skepsis sehen neuerdings immer mehr Radiomacher in der Kombination aus Radio und Internet ein "Dreamteam", das sich gegenseitig nicht kannibalisiert. "Das Internet selbst ist schließlich kein Medium, sondern lediglich eine Plattform, auf der Audio ebenso wie Print und TV abgerufen werden kann", meint Lutz Kuckuck.