11.1.2009 | Von:
von Inge Seibel-Müller

Fair Radio - es geht um die Glaubwürdigkeit

Gegen manchen Widerstand setzen sich die drei Hörfunkjournalisten Sandra Müller, Udo Seiwert-Fauti und Max Foerster von "Fair-Radio" unbeirrt "für ein glaubwürdiges Qualitäts-Radio" ein. "Selbstbewußt genug, um gegen den Strom schwimmen zu können", urteilte das Online-Medienmagazins "V.i.S.d.P." und nominierte die drei in der Kategorie "Radiojournalist des Jahres 2008" für den Goldenen Prometheus.

Die Initiatoren des Hörfunk-Hygiene-Projekts Fair-Radio Sandra Müller, Udo Seiwert-Fauti und Max Foerster sind in der Kategorie "Radiojournalist des Jahres 2008" für den "Goldenen Prometheus" des Online-Medienmagazins "V.i.S.d.P." nominiert. Im vergangenen Jahr nahmen unter anderem Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung, die Fernsehjournalistin Anne Will und Matthias Matussek von Spiegel Online den Preis in Berlin entgegen.

PrometheusPrometheus (© ViSdP )
Ganz bewusst hat das Magazin für Medienmacher V.i.S.d.P. aus dem Hause Helios Media den Titan Prometheus (zu deutsch: der Vordenker) zum Paten der Medienmacher erwählt. Der erfindungsreiche und kluge Titan, der sich nach der griechischen Mythologie dem Willen Zeus widersetzte und den Menschen das Feuer brachte, galt als trotziger Querdenker und Wohltäter der Menschheit. "Das selbstbewusste Feuergeschenk an die Menschheit ist eine schöne Metapher auf den Sinn von Journalismus: Willensstark und grüblerisch muss er sein - und dabei selbstbewusst genug, um gegen den Strom schwimmen zu können", sagt V.i.S.d.P.-Chefredakteur Hajo Schumacher.

Gegen den Strom - gegen Ignoranz und Widerstand mancher Hörfunkkollegen - setzen sich auch die drei Journalisten von "Fair-Radio" unbeirrt "für ein glaubwürdiges Qualitäts-Radio" ein. Entstanden ist die Initiative während eines Radioseminars der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und der Akademie für Politische Bildung Ende Juni 2007 in Tutzing am Starnberger See. In einem Workshop zum Thema "Ethik" berichteten seinerzeit Kollegen aus privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern von Manipulationen, längst nicht nur bei Gewinnspielen. Auch in journalistischen Beiträgen werde regelmäßig geschummelt: Extern produzierte PR-Beiträge flössenn ohne Kennzeichnung in das redaktionelle Programm ein, Reporter meldeten sich von Orten, die sie selbst gar nicht aufgesucht haben, Originaltöne würden nachträglich zu Interviews aufbereitet, oft gar als live verkauft. Unter der Federführung von Udo Seiwert-Fauti wurde am Ende des Seminars der "Tutzinger Appell" formuliert, in dem Missstände in deutschen Radioredaktionen angeprangert werden:

  • Recherche muss vor Schnelligkeit gehen.
  • Es wird nichts vorgegaukelt, was nicht tatsächlich so ist (der Reporter, der angeblich vom Ort des Geschehens berichtet, tatsächlich aber im Studio sitzt; der Verkehrsreporter, der vorgibt, aus einem Verkehrsflieger zu berichten)
  • Was nicht wirklich live ist, wird auch nicht als live verkauft.
  • PR-Beiträge gehören in den Werbeblock und nicht ins redaktionelle Programm.
  • Nachrichtensendungen werden nicht vorher aufgezeichnet.
  • Mogeleien bei Gewinnspielen sind tabu.

  • Während sich Hörfunkmanager den Forderungen der Initiative Fair-Radio bislang weitgehend verschließen, manche sie als weltfremd erachten, finden Sandra Müller, Udo Seiwert-Fauti und Max Foerster immer mehr Beachtung in Fachmedien und bei Journalisten-Vereinigungen wie dem DJV. Auf der Website von Fair-Radio wächst die Liste der Unterzeichner weiter an.Der Goldene Prometheus wird am 19. Januar 2009 im Rahmen eines Medienevents mit 400 Gästen in Berlin vergeben.