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10.5.2009 | Von:
von Inge Seibel-Müller

Ausbildung zum Multimedia-Redakteur

"Radio, Zeitung und Online sind gleichberechtigt"

Norbert Martens ist ein Pionier. Der 35-Jährige absolviert seit Januar eine trimediale journalistische Ausbildung beim landesweiten Privatradio RPR1 in Ludwigshafen. Zwei Jahre dauert das Volontariat, an dessen Ende sich Martens "Multimediaredakteur" nennen darf. Das Konzept basiert auf einer Kooperation der beiden rheinland-pfälzischen Medienunternehmen RPR1 und der Rhein-Zeitung.

Norbert Martens ist ein Pionier. Der 35-Jährige absolviert seit Januar eine trimediale journalistische Ausbildung beim landesweiten Privatradio RPR1 in Ludwigshafen. Zwei Jahre dauert das Volontariat, an dessen Ende sich Martens "Multimediaredakteur" nennen darf. Wenngleich auch anderswo die Inhalte der Volontärsausbildung bereits an die crossmedialen Veränderungen der Medienlandschaft angepasst wurden, dürfte Martens Ausbildungsweg bisher einzigartig sein.

Das Konzept basiert auf einer Kooperation der beiden rheinland-pfälzischen Medienunternehmen RPR1 und der Rhein-Zeitung. Die Initiatoren selbst bezeichnen es als journalistisches Pilotprojekt. Warum, erklärt Olaf Holzbach, Volontärsbeauftragter bei RPR1 und zugleich Leiter des Außenstudios Mainz: "Bei allen uns bekannten multimedialen Ausbildungen in der Praxis steht ein Medium im Mittelpunkt, die anderen werden eher nebenbei behandelt. Unser Anspruch lautet: Radio, Zeitung und Online sind absolut gleichberechtigt. Heraus kommt also kein Radio-, Zeitungs- oder Onlineredakteur, sondern ein 'Informationsbroker'." Das Wechselspiel der unterschiedlichen Kanäle Zeitung, Radio und Internet sowie deren sinnvolle Vernetzung soll Martens am Ende seiner Ausbildung wie im Schlaf beherrschen - und jedes Medium gleichermaßen bedienen können.
Als einen wichtigen Schritt für die Zukunft lobte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck das Joint Venture von RPR1 und der Rhein-Zeitung im Bereich der Volontärsausbildung. V.L.n.R.: Norbert Martens, Tim Baas (RPR1), Joachim Türk (Rhein-Zeitung) und Kurt Beck. Foto: RPR1.Als einen wichtigen Schritt für die Zukunft lobte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck das Joint Venture von RPR1 und der Rhein-Zeitung im Bereich der Volontärsausbildung. V.L.n.R.: Norbert Martens, Tim Baas (RPR1), Joachim Türk (Rhein-Zeitung) und Kurt Beck. Foto: RPR1. (© RPR1 )
Bevor es aber so weit war, dass Norbert Martens und mit ihm die zeitgleich bei der Rhein-Zeitung gestartete Kollegin Janine Hecht ihr "Premiumvolontariat mit Versuchscharakter" antreten konnten, waren einige Hürden zu überwinden. Zunächst einmal galt es die Vorauswahl aus mehreren hundert Bewerbern zu überstehen. Dafür brachte Martens beste Voraussetzungen mit: ein abgeschlossenes Hochschulstudium der Betriebswirtschaftslehre, fast zwei Jahre Praxiserfahrung im Beruf, vierjährige Mitarbeit beim Hochschulradio Radio Q in Münster und die mehrmonatige Verantwortung für ein Stadtmagazin in der Nähe von Bremen, bevor dieses in die Insolvenz ging. "Meine einzige Befürchtung", sagt Norbert Martens, "war mein fortgeschrittenes Alter." Für RPR1 und die Rhein-Zeitung war das offensichtlich kein Hindernisgrund.

Das direkte Auswahlverfahren allerdings war anspruchsvoll. "Das fand im Radiosender statt", erzählt Martens, "einen ganzen Tag lang haben wir unter fingiertem Zeitdruck Meldungen geschrieben und redigiert, Gruppenarbeiten gelöst, Texte ins Mikrofon gesprochen." Auch einen Test rund um das Allgemeinwissen galt es zu bestehen, bis dann schließlich die Probanden von den Chefredakteuren des Senders und der Rhein-Zeitung im persönlichen Gespräch noch mal ausführlich auf Herz und Nieren geprüft wurden. Kurz vor Weihnachten dann der erlösende Anruf vom Senderchef Tim Baas: Norbert Martens ist dabei und Radio RPR1 wird vom 1. Januar 2009 seine berufliche Heimat sein, bevor er dann im folgenden Jahr ganz im Dienste der Rhein-Zeitung steht und mit Kollegin Janine Hecht die Schreibtische tauscht.
Norbert Martens absolviert das erste trimediale Volontariat bei Radio RPR1. Programmchef Tim Baas hat die Ausbildung mit konzipiert. Foto: RPR1.Norbert Martens absolviert das erste trimediale Volontariat bei Radio RPR1. Programmchef Tim Baas hat die Ausbildung mit konzipiert. Foto: RPR1. (© RPR1 )
Die Ausbildung bei RPR1 scheint vorbildlich zu sein und entspricht weit mehr als der oft üblichen Praxis des reinen "Learning bei Doing". Das trifft auch für die weiteren acht Volontäre bei RPR1 zu, die noch überwiegend klassisch zum Radioredakteur ausgebildet werden. Überbetriebliche Kurse beispielsweise bei der Nachrichtenagentur dpa in Mainz sowie regelmäßige interne Weiterbildungen sind fester Bestandteil des Volontariats. Bezahlt wird nach Tarif.

Einige Monate ist Martens jetzt schon in der Ausbildung. Zu Beginn hat er gleich einen mehrtägigen Onlinegrundkurs an der Akademie der Bayerischen Presse in München absolviert. Darauf folgten mehrwöchige Intensivkurse in den Radio-Basics 'Moderation', 'Selbstfahrerstudio', 'Produktion' und dem 'Schreiben fürs Hören' durch langjährige Radioprofis des Coaching-Unternehmens BCI in Nürnberg. Weitere Termine stehen bereits auf Martens Ausbildungsplan. So wird er für einen Monat im Außenstudio Mainz die Besonderheiten der landespolitischen Berichterstattung kennen lernen und beim "Mannheimer Morgen" eine Woche lang Polizei- und Gerichtsreportagen schreiben. Im Sommer steht dann in der Onlineredaktion von RPR1 die praktische Arbeit mit dem Content Management System (CMS) des Senders auf dem Programm. Dabei wird der Volontär auch in die Grundregeln des "Schreibens fürs Netz" eingewiesen.

Den einzigen Termin, den Norbert Martens fürchtet, ist die regelmäßige Sprecherziehung. Am norddeutschen Akzent des jungen Mannes aus Ostfriesland muss noch gefeilt werden. Da ist RPR1-Programmchef Tim Baas kompromisslos: "Vorher geht er nicht 'auf Sendung'."

Gefragt nach einem ersten Resümee seiner Ausbildung, ist sich Norbert Martens sicher "Es ist das beste, was mir passieren konnte."