10.10.2009 | Von:
von Inge Seibel-Müller

Auszeichnung der Besten - "Radio-Oscar" für Privatfunker in NRW

Festlich dekoriert präsentierte sich die Turbinenhalle der Stadtwerke Düsseldorf, als an diesem ungewöhnlichen Ort der LfM-Hörfunkpreis bereits zum 18. Mal verliehen wurde. Dr. Jürgen Brautmeier, stellvertretender Direktor der Landesmedienanstalt von Nordrhein-Westfalen, lobte die hohe Qualität der weit mehr als hundert eingereichten Wettbewerbsbeiträge. Die Gewinner nahmen Geldpreise, Urkunden und eine Skulptur mit nach Hause.

Engagierte Beiträge von lokalen Radiomachern sorgen in Nordrhein-Westfalen immer wieder für Gesprächsstoff. Sie zeigen damit, dass Hörfunk mehr kann, als die "größten Hits der 80er, 90er und das Beste von heute" abzududeln. Die besten Stücke der ambitionierten Lokalfunker werden einmal jährlich von der Landesanstalt für Medien (LfM) prämiert - diesmal im Rahmen einer Gala Anfang Oktober in der Turbinenhalle Düsseldorf.

Überraschung für die Moderatorin des Abends: Jürgen Brautmeier (LfM) überreicht Tanina Rottmann den Sonderpreis der LfM.Überraschung für die Moderatorin des Abends: Jürgen Brautmeier (LfM) überreicht Tanina Rottmann den Sonderpreis der LfM.
Gleich zu Beginn des Abends räumte der stellvertretende LfM-Direktor Dr. Jürgen Brautmeier mit einem weit verbreiteten Vorurteil auf, im Privatfunk zählten lediglich Musik und kurze Worte. Brautmeier und mit ihm die Jury zeigten sich erfreut von der Kreativität und der großen Themen- und Beitragsvielfalt im Wortprogramm der Lokalfunker in Nordrhein-Westfalen, die mehr als 100 Wettbewerbsbeiträge eingereicht hatten. Teilnahmeberechtigt waren die Privatradio-Mitarbeiter der 45 Lokalradios und des Mantelprogramms Radio NRW. Insgesamt wurden sechs redaktionelle Beiträge und vier Einsendungen aus dem Bereich lokale Werbung mit Geldpreisen, Urkunden und Skulpturen geehrt. Den Sonderpreis der LfM erhielt Tanina Rottmann für ihre ansprechende und professionelle Moderation der Morningshow von Radio Gütersloh.

Susan SchwarzbachSusan Schwarzbach
Freuen konnte sich

Susan Schwarzbach

, Redakteurin und Moderatorin bei

Radio NRW

, über den Vollpreis in der Kategorie "Information, Bildung und Beratung". In ihrer prämierten Hörfunk-Serie "Generation Deutschland - 6 Leben, eine Republik" stellte die 32-jährige anlässlich des 60. Geburtstages der Bundesrepublik Deutschland sechs Menschen im Alter zwischen 10 und 60 Jahren vor. In Vier-Augen-Gesprächen schilderten die Interviewten Susan Schwarzbach ihre persönlichen Geschichten und Erlebnisse. Damit zeigte die Radiomacherin eindrucksvoll, dass jede Generation auf Grund der Lebensumstände andere Erinnerungen, Sorgen und Hoffnungen mit der Bundesrepublik Deutschland verbindet. Die Jury bewertete diese Reihe als "eine Hommage an unser Land in Interviewform - mit durchaus konstruktiv-kritischen Untertönen".

Thorsten OrtmannThorsten Ortmann

Thorsten Ortmann

, Chef vom Dienst bei

Radio NRW

, hatte den bei Hörfunkern begehrten Preis schon zwei Mal gewonnen. Diesmal wurde er für seine Serie "Betrug 2.0 - Abzocke im Internet" in der Kategorie "Service und Ratgeber" ausgezeichnet. "Kurzweilig und gleichzeitig informativ", so die Jury, schilderte er zahlreiche Betrugsfälle in der virtuellen Welt des Web und leistete damit "praktische Lebenshilfe für Internet-Geschädigte." Mit Hilfe von Experten informierte Thorsten Ortmann die Hörer über gefährliche Internet-Fallen und gab Tipps zum sicheren Einkauf im Netz.

Daniela SpenglerDaniela Spengler
Über den "Radio-Oscar für Privatfunker in Nordrhein-Westfalen" freute sich mit Preisträgerin

Daniela Spengler

auch die Mannschaft von

98.7 Radio Emscher Lippe

. Die Radiojournalistin, die mittlerweile als Pressesprecherin arbeitet, erhielt den Vollpreis in der Kategorie "Projekte/Serie" zum Thema "20 Jahre Gladbecker Geiseldrama". Damals war Daniela Spengler 14 Jahre alt und die schrecklichen Ereignisse haben sie nach eigenen Angaben lange beschäftigt. Mit sehr viel Herzblut und persönlichem Einsatz gelang es ihr, Zeitzeugen zu finden - den Lehrer, den Pfarrer, den Polizisten - , die die Täter kannten und sich auch nach 20 Jahren mit der Frage beschäftigen, wie sie das Drama hätten verhindern können. "Eine gelungene Aufarbeitung des Themas", so die Jury, "aus einer Perspektive, die noch einmal Raum für eigene Einschätzungen schafft. So soll Lokalradio sein!"

Michael BrockordtMichael Brockordt
Ein Anerkennungspreis in der Kategorie "Projekte/Serie" ging an

Michael Brockordt

von

Radio Wuppertal 107,4

für seine "80 Fakten über Wuppertal". Dass Ursula der häufigste Frauenname und Michael der häufigste Männername in Wuppertal sind, wer hätte das schon gewusst? Nach Brockordts Recherchen steht das erste Fertighaus Deutschlands in Wuppertal und auch der allererste Reißverschluss kam aus der Stadt mit der weltberühmten Schwebebahn. "Mit einfachen Mitteln spannend gemacht: lokal, originell, gut umgesetzt und mit einer zündenden Idee am Anfang", lobte die Jury.

Dirk MatlikDirk Matlik
Wie Thorsten Ortmann wurde auch Radiocomedy-Autor

Dirk Matlik

bereits zum dritten Mal mit dem Hörfunkpreis ausgezeichnet. In diesem Jahr bekam Matlik den Preis in der Kategorie "Unterhaltung/Comedy/Satire" für seine Comedyserie "Frank Blank - Schuldnerberater aus Leidenschaft", die von

Radio Bielefeld

ausgestrahlt wurde. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich um eine Persiflage auf die RTL-Erfolgsreihe mit Schuldnerberater Peter Zwegat. Anhand von absurden Handlungen in der Radio-Comedy, wird das TV-Erfolgsformat bloßgestellt und damit auch Kritik geäußert. "Gekonnt, mit hohem Unterhaltungswert", urteilte die Jury.

Stefan NaasStefan Naas
Einen Anerkennungspreis in der Kategorie "Kommunale Berichterstattung" erhielt

Stefan Naas

von

Radio Duisburg

für den Beitrag "Die Folgen der Abwrackprämie". Der Redakteur warnte schon vor den Nachteilen und Risiken der "Umweltprämie", als die Konjunkturmaßnahme in anderen Medien noch bejubelt wurde. In seinem Beitrag lässt er Sieger und Verlierer zu Wort kommen: vom lokalen Gebrauchtwagenhandel, über den Schrott- und Ersatzteilhandel bis hin zu den Auswirkungen der Abwrackprämie für die Händler in den benachbarten Niederlanden.

Tanina RottmannTanina Rottmann

Tanina Rottmann

, die als Moderatorin gekonnt durch die Gala führte, staunte nicht schlecht, als der stellvertretende LfM-Direktor Jürgen Brautmeier plötzlich die Bühne stürmte und ihr das Mikrofon entriss. Grund: Die "Morgenfrau" von

Radio Gütersloh

erhielt den Sonderpreis der Landesmedienanstalt, weil sie ihre Hörer seit vielen Jahren "natürlich, kompetent, witzig und mit viel Spontaneität" weckt. Mit dieser Wahl zeigte die LfM zweifellos ein Gespür für den Trend im Radio: Radiopersönlichkeiten braucht der Hörfunk - und die sollen dann auch gebührend gefeiert werden.

Die LfM vergibt den LfM-Hörfunkpreis seit 1992 als Anerkennung für kreative Programmleistungen im nordrhein-westfälischen Privatfunk. Ziel des Preises ist die Förderung der publizistischen Programmqualität.
Die Autorin des Beitrags ist Mitglied der Jury, die sich aus erfahrenen Radiopraktikern zusammensetzt. Dazu gehören Cordula Assmann, Chefredakteurin von 107.7 Radio Hagen, Susanne Matthiessen, Geschäftsführerin dpa-Audiodienste, Sina Peschke, Moderatorin bei der Landeswelle Thüringen und Frank Böhnke, Geschäftsführer Verband Lokaler Rundfunk in Nordrhein-Westfalen e.V.