25.11.2009 | Von:
Bio Christoph Knoop

Schmuggel-Kippen für den Zahlen-Funk

Spannende Statistik vom Bundesparkett fürs Lokale

Zahlen und Statistiken überfluten uns täglich. Viele kommen aus Berlin, direkt aus dem Regierungsviertel. Dahinter verstecken sich viele gute Geschichten fürs Lokale. Journalistinnen und Journalisten müssen nur die richtigen Quellen anzapfen: Auf den Homepages der Bundesministerien und des Bundestags finden sich ganze Zahlenkolonnen, die prima ins Programm passen.

Zahlen-Funk: "291 Millionen Zigaretten hat der Zoll im vergangenen Jahr beschlagnahmt. Das teilte die Bundesregierung jetzt mit." - Das ist mal eine Nachricht. Richtig schön handfest. Nichts, was verpufft. Und dann noch Schmuggel-Nikotin. Eine Nachricht für alle, die Radio hören: Der redlich rauchende Bürger freut sich, weil er nicht länger der Dumme ist. Die potenziellen Abnehmer von 291 Millionen Schmuggel-Glimmstängeln müssen ihre Konsum-Zigaretten jetzt nämlich auch mit Steuer-Banderole kaufen. Und militante Nichtraucher freuen sich sowieso. Eine gute Nachricht also.

Zahlen als Ideenpool

Und vor allem: eine glaubwürdige. Direkt von der Regierung. Gestützt auf den Zoll. Und diese Zahl ... - eine Zahl zum Festhalten. Sie steht wie eine feste Faktensäule in der tagesaktuellen Nachrichtenflut. Dabei ist dies nur eine von vielen Zahlen, die der Zoll zu bieten hat. Da gibt es noch die Fälle von Produktpiraterie und die dazugehörige Zahl beschlagnahmter Plagiate. Dann die Fälle von Schwarzarbeit und die Schadenssumme, die der Solidargemeinschaft entstanden ist, weil keine Kranken-, Arbeitslosen-, Renten- und Pflegeversicherungsbeiträge gezahlt wurden. Dann die Fälle, in denen Arbeitgeber einen Dumpinglohn statt des vorgeschriebenen Mindestlohns gezahlt haben. Und überhaupt: Der Zoll bietet noch etliche Zahlen mehr.


Sie alle laufen in Berlin zusammen. Es sind Zahlen aus der Bundespolitik. Genauso wie die Zahl der "postmortal gespendeten Organe" - es waren 4.140 im vorletzten Jahr. Oder die der "Asyl- beziehungsweise Flüchtlingsanerkennungen" - es waren 6.433 im vergangenen Jahr. Das Regierungsviertel ist ein wahrer Zahlen-Pool. Journalistinnen und Journalisten müssen nur die richtigen Quellen anzapfen: Auf den Homepages von den Bundesministerien und vom Bundestag finden sich ganze Zahlenkolonnen, die prima ins Programm passen.

Statistik spannend machen

Denn ein Großteil der Zahlen vom Bund lassen sich gut fürs Lokale oder Regionale herunterbrechen. Zur Organspende kann das Lokalradio gut einen Beitrag mit dem örtlichen Klinikum und einem Organempfänger machen. Die Zahlen der anerkannten Asylbewerber und Flüchtlinge liefert die örtliche Ausländerbehörde. Über den Migrantenbeirat lassen sich Betroffene finden, die dazu die Geschichte, das Schicksal hinter den Zahlen liefern. Und in Sachen Schmuggel-Zigaretten einfach beim nächsten Hauptzollamt nachfragen. Da gibt es die regionalen Zahlen und garantiert auch interessante Geschichten von den Einsätzen der Zollfahnder vor Ort.

Und wer seinen Hörerinnen und Hörern nicht nur kalte Fakten zu Schmuggel-Kippen präsentieren möchte, der kann die Glimmstängel auch noch rauchen lassen: 291.000.000 Zigaretten hätten - bei einer durchschnittlichen Rauchdauer von sechs Minuten pro Glimmstängel - 1.746.000.000 Minuten fragwürdigen Genuss bedeutet. Das sind stolze 3.322 Jahre rauchender Lebenszeit. Oder umgekehrt: Geht man davon aus, dass jede nicht gerauchte Kippe fünf Minuten Lebenszeit schenkt, dann sind die beschlagnahmten Zigaretten ein Gewinn von 36 Männer- oder 34 Frauenleben. Statistik ist eben spannend. Und das insbesondere auch, wenn sie vom Bundesparkett aus Berlin kommt ...