27.6.2010 | Von:
Stefan Sutor

Lokalradios in einer neuen Medienwelt

Zum 18. Mal kommen am 6. und 7. Juli 2010 lokale Radio- und Fernsehmacher zum Branchentreff nach Nürnberg, um im CongressCenter der Messe Nürnberg über aktuelle Programmtrends und technische Entwicklungen zu diskutieren. Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung verleiht die BLM die BLM-Hörfunk- und Lokalfernsehpreise für besonders herausragende Leistungen im lokalen Radio und Fernsehen. Ein Highlight wird die Foto- und Videoausstellung zum 25-jährigen Bestehen des Privatfunks in Bayern sein. Radio- und TV-Lokalstationen haben ihre Archive durchsucht und einige "visuelle Schätze" gehoben. Die Fotos der Ausstellung dokumentieren 25 Jahre Radio-Geschichte und Geschichten aus Bayern.

28. Juni 2010. - Der Termin ist fest im Kalender notiert. Georg Rose, Chefredakteur von Radio Wuppertal, reist einmal im Jahr nach Nürnberg zu den Lokalrundfunktagen. "Auch wenn der Schwerpunkt auf Bayern liegt: Es ist der einzige für uns Lokalfunker relevante Kongress. Ich nehme jedes Mal eine Menge Impulse mit nach Hause", sagt Rose, der im Videointerview verrät, dass er sich eine ähnliche Veranstaltung für Nordrhein-Westfalen wünscht.





Nahezu alle Workshops, Seminare und Präsentationen der 18. Lokalrundfunktage konzentrieren sich am 6. und 7. Juli auf ein Schwerpunktthema, das bundesweit interessiert: Die Zukunftschancen des lokalen Rundfunks in einer sich verändernden Medienwelt.

Rund 80 namhafte Referenten haben sich für den zweitägigen Kongress in Nürnberg angekündigt. Darunter auch Gastredner aus Roses Senderstandort Nordrhein-Westfalen wie Andreas Kramer vom Dülmener Radio Kiepenkerl oder Andreas Heine von Radio MK. Er wird mit yourzz.fm das neue lokale Online-Radio für die Jugend präsentieren. Im Fokus des Interesses auch in diesem Jahr: die neuesten Broadcast-Produkte.


Die radikalen Veränderungen des Medienkonsums durch Internet, Smartphones und Social Media beschäftigen die Radiomacher noch genau so intensiv wie im Jahr zuvor. Wenn der User jederzeit schnell und fast überall online sein kann, wird er dann noch lokale Radioprogramme anhören?

Neue Impulse hierzu verspricht ein Vortrag des Schweizers Gerd Leonhard mit Prognosen überdie Zukunft des Radios. Der Schweizer, vom Wall Street Journal als einer der führenden "Medienfuturisten der Welt" bezeichnet, ist nicht nur Musiker, Autor und Blogger, sondern ein weltweit gefragter Redner.

Und es bleibt international: Aus Norwegen kommt Knut Henrik Ytre-Arne, Musikchef bei NRK, der Norwegian Broadcasting Corporation, Norwegens größtem Medienunternehmen. Seit März 2009 ist Ytre-Arne für die Musik-Strategie auf allen Media-Plattformen der NRK verantwortlich. "Das Thema ist äußerst interessant und wird vielleicht für uns in Deutschland auch bald relevant", glaubt Sutor, "in vielen europäischen Ländern sind Musikstreamingdienste wie 'Grooveshark' oder 'Spotify' eine der größten Herausforderungen für das Radio, da der Musikdienst jederzeit genau die Musik liefert, die man sich wünscht". Das norwegische Jugendradio NRK P 3 hat sich Spotify mit einer neuen Anwendung sogar zum "Verbündeten" gemacht. Sie führt Radio, Social Media und Music-on-Demand zusammen. Diese Vision des neuen Radios wird Ytre-Arne in Nürnberg vorstellen.

Nick Piggott, Global RadioNick Piggott, Global Radio
Und immer wieder das Internet, es verändert die Radionutzung und bringt weitere neue Anwendungen für das Radio: In Großbritannien haben sich die BBC sowie die privaten Radios darauf verständigt, einen gemeinsamen Internetplayer, den "UK Radioplayer" zu entwickeln. Er soll es ermöglichen, nach Radioinhalten zu suchen, live und on-demand, um die Inhalte der Radiostationen im Internet zugänglich zu machen. Nick Piggott, verantwortlich für die Kreation und Ausführung innovativer Ideen im Digitalmedien-Bereich von Global Radio London, informiert in Nürnberg über die Entwicklung des Players.

Doch selbstverständlich kommen in Nürnberg auch die Praktiker aus den Lokalfunkstationen zu Wort. Wie begegnen sie gegenwärtig den Herausforderungen durch die sich radikal verändernde Medienlandschaft? "Mit einem qualitativ hochwertigen und abwechslungsreichen Wortprogramm", meint Sutor, "Radioshows mit Personality, das beispielsweise unterscheidet echtes Radio vom bloßen Webstream." Ob die Lokalstationen sich damit erfolgreich behaupten können, darüber diskutieren u.a. Wolfgang Subirge vom Funkhaus Regensburg, oder Dominik Harsch, Morningshow-Redakteur bei "Die Neue 107.7" aus Stuttgart. Die von Harsch konzipierte Aufwachsendung "Frühstücksclub mit Pfeffer und Fred" gewann bereits dreimal den LfK Medienpreis.

Innovativ und besucherfreundlich zeigen sich die Nürnberger Lokalrundfunktage bereits vor Beginn der Veranstaltung: Wie im vergangenen Jahr wird es wieder freies WLAN für alle Kongressteilnehmer und eine Twitterwall im Foyer geben. Wer sich ausführlicher über das Programm informieren möchte, findet es auf den Seiten der Lokalrundfunktage - auch zum Download als PDF.