6.11.2006 | Von:
Inge Seibel

Blogspielereien im Radio

Das Projekt "Blogspiel" von Deutschlandradio Kultur will Schnittstellen herstellen zwischen dem klassischen Radio und dem Internet, als jungem Medium mit seiner orts- und zeitunabhängigen Verfügbarkeit.

Weil immer mehr Hörer ins Internet abwandern, folgen ihnen jetzt auch die öffentlich-rechtlichen Radiomacher in die "Blogosphäre"

6. November 2006. Es ist gerade mal ein gutes Jahr her, als der Programmchef eines größeren Privatsenders danach gefragt wurde, ob der iPod nicht eine Gefährdung für das Radio sei. "Tut mir leid, iPod kenne ich nicht", war die Antwort des Hörfunkmachers. Vermutlich war er längst nicht der einzige Radiomanager, der - viel zu lange - das Internet ignorierte und damit gleichzeitig unterschätzte.

Begriffe wie "Weblog" oder "Podcast" dürften sich inzwischen auch in den Chefetagen der Radiosender herumgesprochen haben, nicht zuletzt, weil die am vergangenen Samstag im Deutschlandradio Kultur gestartete neue Sendereihe "Blogspiel" einen dermaßen großen Niederschlag in deutschen
logo Blogspiellogo Blogspiel (© Deutschlandradio Kultur )
Medien erfuhr, wie keine andere Radiosendung in den vergangenen Jahren. Selbst als der Berliner RTL-Frühmoderator Arno Müller seine Hörer Badezimmer zertrümmern ließ, um damit Aufmerksamkeit für sein Programm zu erzielen, waren lediglich ein paar Artikel in der lokalen Boulevardpresse die vergleichs-
weise magere Ausbeute.

Verbindung zwischen Internet und Radio

"Blogspiel" war dagegen in der vergangenen Woche ein Pflichtthema für deutsche Medienredakteure der unterschiedlichsten Publikationen - von SPIEGEL ONLINE über den Tagesspiegel und das Hamburger Abendblatt bis zurtaz.

Was war passiert? Deutschlandradio Kultur hatte per Pressekonferenz und -mitteilung "ein völlig neues, interaktives Sendekonzept und wöchentliches Radiomagazin für Hörer, Neugierige, Internetflaneure, Audioblogger, freie Radio- und Hörspielmacher" angekündigt. "Blogspiel" stehe für die Verbindung zwischen Internet und Radio, so das Fazit der Macher noch vor der ersten Sendung am 4. November.

Nun ja - so ganz allein trauten sich die Kulturfunker wohl doch nicht in die "Blogosphäre". Mit der Gestaltung der wöchentlich geplanten 25minütigen Sendung (Samstag, 16.30 Uhr) und der begleitenden Website www.blogspiel.de beauftragten sie lieber die Berliner Produktionsfirma Trigger23. Die beiden Macher Jana Wuttke und Markus Heidmeier sind seit Jahren ohnehin freie Mitarbeiter des Senders und produzierten bereits für das Deutschlandradio die Kurzhörspielreihe "Wurfsendung". "Blogspiel" soll "die Sphäre der Blogs und Podcasts über das eigene Portal hinaus auch redaktionell begleiten und kritisch befragen." Das klingt wenig konkret - und muss für Podcaster wohl erst noch als attraktiv erkannt werden. Für die Woche vom 3. bis 10. November sind auf der Website bislang gerade mal 33 eingereichte Audiobeiträge verzeichnet. Der Podcast, der die meisten Stimmen erhält, wird dann im nächsten "Blogspiel" am 11. November gesendet, die Ausstrahlung mit 300 Euro vergütet.
Der "Blogspiel-Screen" auf Deutschlandradio KulturDer "Blogspiel-Screen" auf Deutschlandradio Kultur (© Deutschlandradio Kultur )


Blogger im Radio

Das Projekt des Deutschlandsradios ist keinesfalls der erste Versuch von Radiomachern, mit dem Internet und den dahin abgewanderten früheren Hörern auf Tuchfühlung zu gehen. Eine Woche vor dem Kultursender startete Radio Fritz, das Jugendprogramm des RBB, am 28. Oktober "Trackback" gemeinsam mit Johnny Häusler, dem Gründer des Kult-Weblogs Spreeblick. Zum Konzept der Sendung ist auf der begleitenden Internetseite nachzulesen: "Wo sind die wirklich guten Blogs und Podcasts? Welche Informationen und Sichtweisen kursieren im Netz, die in den großen Zeitungen und Sendern so nicht zu lesen, zu sehen und zu hören sind? Was gibt's neues bei Youtube, Myspace und Co. und wie findet Ihr das?" Zudem gibt's Charts mit Musik, die kostenlos heruntergeladen werden darf.