22.5.2007 | Von:
Norbert Linke

Moderne Radio-Nachrichten

Interview Norbert Linke

Bücher speziell für Nachrichtenredakteure im Radio sind in Deutschland Mangelware -, das meint zumindest Norbert Linke und sorgt für Abhilfe mit seinem Handbuch "Moderne Radio-Nachrichten". Branchenkollegen kommen zu dem Urteil: Ein engagiertes, nützliches Buch; empfehlenswert nicht nur für Nachrichtenredakteure. Hier geht's zum Leserecho der Profis und einem Interview mit dem Autor.

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    Nachrichten im Radio bestimmen ganz wesentlich das Bild, das sich Hörer von der Informationskompetenz eines Senders machen. Im Verlag Reinhard Fischer ist jetzt der 7. Band der DHA Schriftenreihe mit dem Titel "Moderne Radio-Nachrichten" erschienen. Norbert Linke, seit 1992 Nachrichtenchef von HIT RADIO FFH, beschreibt darin, wie moderne Radio-Nachrichten entstehen. Abgerundet wird das Buch durch praxiserprobte Hinweise fürs Zeit-, Selbst- und Redaktions-Management.

    Fünf Fragen an Norbert Linke

    hörfunker.de: An wen richtet sich das Buch?

    Norbert Linke im FFH-NachrichtenstudioNorbert Linke im FFH-Nachrichtenstudio (© is/bpb )
    Norbert Linke: Ziel war es, einen durch und durch praxisfesten Ratgeber für alle zu schreiben, die Radionachrichten machen - egal ob in lokalen oder landesweiten Stationen, ob im öffentlich-rechtlichen oder im privaten Radio. Das Buch sollte leicht lesbar sein, schlank im Umfang und sich auch nutzen lassen wie ein Handbuch, das man gezielt auf der Suche nach einer bestimmten Information zur Hand nimmt.

    hörfunker.de: Gibt es nicht genügend Fachliteratur zum Thema Nachrichten?

    Norbert Linke: Bücher speziell für Nachrichtenredakteure im Radio sind in Deutschland Mangelware. Radio kommt in der Nachrichten-Literatur meist nur unter ferner liefen vor. Beispiel: Das ansonsten sehr respektable Standard-Werk "Die Nachricht" von Schwiesau/Ohler. Gerade einmal 22 Seiten sind dem Thema Nachrichten im Radio gewidmet und selbst die enthalten noch mehrseitige historische Betrachtungen. Ähnlich beim Klassiker "Radio-Journalismus" von LaRoche/Buchholz: Hier sind es 24 von insgesamt über 470 Seiten (in der 7. Auflage). Nicht zuletzt: Es war überfällig, dass sich mit dem Thema einmal ein Autor befasst, der aus dem kommerziellen Radio kommt und dessen spezifischen Ansatz kennt.

    hörfunker.de: Was muss man sich vorstellen unter "modernen" Radionachrichten?

    Norbert Linke: Typisch für "moderne" Nachrichtenarbeit ist unter anderem ein strikt hörerbezogener Ansatz. "Kommunikation ist, wenn´s ankommt", sagt ein geflügeltes Wort. Relevanz und Verständlichkeit - daran muss sich alles messen. Moderne Radionachrichten gehen stärker auf den Hörer zu, arbeiten oft mit "earcatchern" und sind textlich pointierter, ohne dass sie an Präzision und Solidität verlieren dürfen. Manche Regeln in der "Alt"-Literatur sind vor diesem Hintergrund einfach nicht mehr zeitgemäß.

    hörfunker.de: Welche Rolle spielt in der modernen Nachrichtenarbeit das Internet?

    Norbert LinkeNorbert Linke (© is/bpb )
    Norbert Linke: Das Internet verändert die journalistische Arbeit. Vor allem die Recherche kann durch einen gezielten und gekonnten Einsatz des Internets enorm gewinnen. Es ist heute schneller denn je möglich, sich Informationen zu beschaffen. Wobei aber auch schon das Problem benannt ist: Wie zuverlässig ist das, was ich im Web vorfinde? Beispiel: Die Internet-Enzyklopädie "Wikipedia" ist auch unter Journalisten populär und wird gern genutzt, nicht zuletzt weil sie so umstandslos zugänglich ist. Doch wie belastbar sind ihre "Informationen"? Die (einsehbare) Historie der meisten Artikel spricht doch eine klare Sprache: Wer sich zu einem Thema äußern möchte, aus welchen Motiven heraus auch immer, kann das tun - mit teils erheblichen Konsequenzen für das, was beim Leser/Rechercheur als historische Wahrheit ankommt.

    hörfunker.de: Welchen Stellenwert hat in dem Buch die aktuelle Verdichtung von Arbeit in den Redaktionen?

    Norbert Linke: Moderne Nachrichtenredaktionen, zumal im Lokalradio, müssen mit kleinen Etats auskommen. Aber auch in den großen Flächensendern wird mit immer spitzerem Stift gerechnet. Folge: Immer weniger Mitarbeitern in den Stationen wird ein immer größerer journalistischer Output abverlangt. Hier sind Strategien gefragt, wie diese Herausforderung gemeistert werden kann - ohne dass es zu qualitativen Einbußen kommt. Deshalb lag ein wichtiger Aspekt des Buches darin, dem Redakteur Instrumente an die Hand zu geben, die ihn in die Lage versetzen, seinen journalistischen Alltag nicht nur zu meistern, sondern immer stärker auch auf Qualität zu achten. Planen, Delegieren, Stress bewältigen - das sind Baustellen, die bisher weniger nachdrücklich bearbeitet wurden. Moderne Formen der Qualitätssicherung (Stylebooks, Airchecks und strukturiertes Feedback) spielen hier eine ebenso wichtige Rolle - immer mit Blick auf den Mann/die Frau am Newsdesk, der am Ende alle Arbeit zu stemmen hat und auch z.B. wissen muss, wie er/sie professionelles Feedback einfordert beim Chef oder der Chefin.