19.10.2005 | Von:
Volker Dick

15 Jahre Mauerfall

Radiotipps & Themen

Das Ereignis

Am 13. August 1961 begann die DDR mit dem Bau der "Berliner Mauer". Durch die Abriegelung sollte eine "Abstimmung mit den Füßen" verhindert werden. Doch im Jahr 1989 bekam der Eiserne Vorhang Risse, als Ungarn im September seine Grenze nach Österreich öffnete. Am 9. November 1989 – vor 15 Jahren – war auch die Berliner Mauer praktisch gefallen: Um 23.14 Uhr strömten durch den Übergang Bornholmer Straße DDR-Bürger nach West-Berlin. Um Mitternacht wurden auch Grenzübergänge zur Bundesrepublik geöffnet. Zuvor hatte SED-Politbüromitglied Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz neue Ausreiseregeln bekannt gegeben, die "sofort, unverzüglich" in Kraft treten sollten. Danach verbreitete sich in Windeseile die Nachricht, die Grenzübergänge nach Westen seien geöffnet - Startsignal für viele Ostdeutsche.

Thema Mauerfall

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Der Fall der Mauer ins Lokalprogramm? "Ja, ins Berliner!" Dahin sowieso, aber das Ereignis wirkte sich mit kurzer Zeitverzögerung auf ganz Deutschland aus und berührte selbst kleinste Ortschaften in abgelegenen Kreisen. Sei es, weil sich Verwandte aus dem Osten in den Trabbi setzten und spontan die Familie im Westen besuchten. Oder weil Bundesbürger ihre Neugier stillen konnten, ein fremdes Land zu erkunden. Es gab wohl keinen Winkel in Deutschland, der nicht in irgendeiner Form vom Ende der Abriegelung berührt wurde.

Recherchewege

Die Wendezeit in der DDR, den Mauerfall, die Ereignisse danach schildert Tag für Tag die Chronik der Wende: bewegte Bilder, Dokumente, Glossar, Biografien und O-Töne, die das Geschehene lebendig werden lassen und die Dramatik der Ereignisse unterstreichen. Eine detaillierte Chronik "von unten" bietet ddr89 aus dem Blickwinkel der Bürgerbewegung. Einen Gesamtüberblick gibt das Internet-Angebot des Bonner Haus der Geschichte, ebenfalls um O-Töne, Videos und Dokumente ergänzt. Wie es überhaupt zum Bau der Mauer kam, zeigen die Bundeszentrale für politische Bildung und DeutschlandRadio unter Chronik der Mauer. Wer lieber Gedrucktes in Händen hält, kann bei der bpb Hans Georg Lehmanns "Deutschland-Chronik 1945 bis 2000" anfordern, in dem der Prozess der deutschen Einheit ebenfalls ausführlich dargestellt wird.

Mauerfall überall

Der Fall der Mauer wirbelte nicht nur den ostdeutschen Alltag und den der Berliner durcheinander. Die folgenden Punkte bieten Tipps für eigene lokale Recherchen zu Beiträgen rund um das geschichtliche Ereignis. Allgemein gilt: Das Blättern in den Lokalzeitungen von 1989/90 fördert in der Regel jede Menge Themenideen zu Tage und vermittelt Vieles vom Geist der Zeit. Mit dem Öffnen der Grenze verschärft sich der Druck auf die Gemeinden, Übersiedler unterzubringen. Die Bundesregierung ruft Zivilschutzstellen auf, DDR-Bürger in Schutzräumen einzuquartieren. Die Landesverbände des Roten Kreuzes fordern auf, für den neuen Übersiedlerstrom Heime zu räumen; die Bundeswehr rückt mancherorts enger zusammen oder räumt Kasernen; Bildungsstätten der Parteien und Jugendherbergen werden zu Übergangswohnheimen.

Fragen: Wie eng ist es tatsächlich wo geworden? Wie war die Stimmung in den Notunterkünften? Was sagen heute die damals Verantwortlichen zu der Situation? Was die ehemaligen Übersiedler? Wo sind sie gelandet? Was ist aus den Notunterkünften geworden?

Wer nicht übersiedelt und Gelegenheit hat, der besucht zumindest West-Berlin oder die grenznahen Orte Niedersachsens, Hessens und Bayerns. Die 100 DM Begrüßungsgeld pro Kopf geben Viele gleich für West-Produkte aus. In manchen Orten werden Supermärkte leergekauft. An den ersten Wochenenden nach Grenzöffnung bricht der Verkehr auf den Hauptverbindungen zusammen. In Berlin kommt der Öffentliche Nahverkehr zum Erliegen. Verkehrsbetriebe aus der Bundesrepublik schicken zur Unterstützung Busse nach Berlin. Sozial- und Postämter öffnen auch an Sonntagen, um das Begrüßungsgeld auszuzahlen. Gemeinden rufen Privatleute auf, Zimmer zur Verfügung zu stellen, damit auch diejenigen den Westen kennen lernen können, die dort keine Verwandten haben. Umgekehrt sorgen Touristen aus der BRD für Verkehrschaos auf überforderten Strecken in der DDR.

Fragen: Wie groß war der Besucherandrang bei uns? Wieviel Begrüßungsgeld wurde (an einem Sonntag) ausgezahlt? Gab es spontane Angebote von Einheimischen an DDR-Bürger, als Gast zu bleiben? Half der regionale Verkehrsbetrieb dem ÖPNV in Berlin? Wie erinnern sich damalige Mitarbeiter der Ämter an die Sonntagsdienste? Welche Eindrücke haben Westler in der Rückschau von ihren ersten Ost-Besuchen? Wie erinnern sich ehemalige DDR-Bürger an den Kontakt mit Touristen aus dem Westen?

Nach dem Fall der Mauer nahm die Friedensbewegung einen neuen Anlauf, die Stationierung neuer Raketen auf Bundesgebiet zu verhindern. Mit dem Ende der Abriegelung ergebe sich eine veränderte Sicherheitslage.

Fragen: Meldeten sich lokale Friedensinitiativen zu Wort? Gab es eine Diskussion an Bundeswehr-Standorten über Truppenabbau? Wie beurteilen Aktivisten von damals rückblickend ihre Standpunkte?

Schon bald nach der Maueröffnung regten sich im Westen Initiativen, engere Kontakte "nach drüben" zu knüpfen. So suchten vielerorts Schüler nach Möglichkeiten, Partnerschaften zu DDR-Schulen aufzubauen. Relativ schnell war auch das Engagement für Städtepartnerschaften geweckt. Vom Westen aus wurden erste Studienreisen in die DDR unternommen, etwa von landwirtschaftlichen Fachschülern, die das LPG-Wesen erkundeten.

Fragen: Welche Partnerschaften entstanden relativ kurz nach der Wende? Auf welche Weise kamen sie zu Stande? Wer waren die treibenden Kräfte? Wie war die Motivation? Was ist aus den Bemühungen geworden, wie lebendig sind die Partnerschaften heute? Wie waren die Eindrücke der Studienreisenden, wie die der Akteure in der DDR von den West-Besuchern?

Recht schnell versuchten findige Unternehmer, mit DDR-Betrieben zu kooperieren und erste Geschäfte anzustoßen.

Fragen: Gab es solche Initiativen bei uns? Wie traten die Unternehmer in der DDR auf? Entwickelte sich eine solide Geschäftsbeziehung? Oder endete wirtschaftliches Engagement im Fiasko? Welche Unternehmen sind noch in Ostdeutschland tätig, gibt es Ost-Unternehmen, die Filialen im Westen gegründet haben?

Literaturtipps

Roman Grafe
Die Grenze durch Deutschland
Eine Chronik von 1945 bis 1990
Verlag Siedler, 2002






Dietmar Schultke
„Keiner kommt durch"
Die Geschichte der innerdeutschen Grenze 1945-1990
Verlag Aufbau, 1999






Jürgen Ritter und Peter Joachim Lapp
Die Grenze
Ein deutsches Bauwerk
Verlag Links, 2001