14.4.2009

Qualität als Radio-Strategie

Neue Zukunft für ein altes Medium

Spielt das Radio in der Medienpolitik und der öffentlichen Aufmerksamkeit eine zu geringe Rolle? Darüber diskutierten auf dem Workshop der bpb und der Akademie für politische Bildung in Tutzing unter anderen Marc Jan Eumann, Vorsitzender der SPD-Medienkommission und WDR-Rundfunkrat sowie Hans-Dieter Hillmoth, Geschäftsführer und Programmdirektor des hessischen Privatsenders Hitradio FFH. Der langjährige epd-medien-Journalist Volker Lilienthal hat zumindest den Eindruck, Radio sei das Stiefkind der Medienpolitik: "Die Medienpolitik kümmert sich um das Fernsehen, weil bundesweit, sie kümmert sich um die Presse und mehr und mehr ums Internet. Radio kommt in diesem Prozess immer zu kurz", bedauert Lilienthal, der in diesem Monat seine Professur für Qualitätsjournalismus an der Universität Hamburg antritt. Hans-Dieter Hillmoth, Geschäftsführer und Programmdirektor des hessischen Privatsenders Hitradio FFH, meinte, sein Sender habe "trotz Medienpolitik" Erfolg. In der Medienpolitik sei selten eine klare Linie erkennbar."Sie ufert krakenhaft aus und ist nur dazu da, um uns auf den Fuß zu treten", sagte Radiomanager Hillmoth, der auch Vizepräsident des Privatfunkverbands VPRT ist. Jan Marc Eumann, SPD-Medienpolitiker und WDR-Rundfunkrat, will wissen, wohin die Reise des Radios im digitalen Zeitalter geht? Radio könne keine analoge Insel in der digitalen Welt bleiben. Eumann forderte verbraucherfreundliche Hybrid-Geräte, die alte und neue Technologien ermöglichen. Während Hillmoth den Erhalt eines ausgewogenen dualen Systems fordert, will SPD-Mann Eumann eine vorherrschende Meinungsmacht auf dem Medienmarkt verhindern: "Ein deutscher Berlusconi darf nicht entstehen."

Ziel des dreitägigen Workshops für Journalistinnen und Journalisten im Radio ist die Auseinandersetzung mit der Qualität gegenwärtiger und zukünftiger Programme als Zukunftssicherung des Radios: von der Diskussion des Qualitätsbegriffs über die Qualitätssicherung bis zu den medienpolitischen Rahmenbedingungen. Erfahrene Radioprofis stellen ihre Konzepte zur Diskussion.

  • PDF-Icon Flyer mit Anmeldeformular (PDF-Version)


    Termin

    28. bis 30. Juni 2009


    Ort

    Akademie für Politische Bildung Tutzing, Starnberger See

    Veranstalter

    Bundeszentrale für politische Bildung/bpb Bonn,
    Fachbereich Multimedia/Journalistenprogramm
    in Kooperation mit der
    Akademie für Politische Bildung Tutzing.

    Seminarleitung und Team

    Dr. Michael Schröder, Akademie für Politische Bildung, Tutzing
    Berthold L. Flöper, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
    Norbert Linke, Hit Radio FFH, Bad Vilbel
    Florian Schwinn, hr2 kultur, Frankfurt am Main
    Inge Seibel-Müller, freie Journalistin
    Michael Thamm, WDR-Studioleiter, Bielefeld

    Der Workshop

    Radio wird anders - und damit auch die Art, wie wir in Zukunft Radio produzieren. Fast könnte man sagen, es war schon lange nicht mehr so spannend! Es sind vor allem die neuen Vertriebswege und die erst zaghaft genutzten Möglichkeiten der Kommunikation und Interaktion durch die Plattform Internet, die die Radiolandschaft verändern. Die Nachfrage von Internetstreams und Podcasts wächst. Hörer suchen im Netz nach Nischen, die die Mainstreamprogramme der privaten und öffentlich-rechtlichen Sender "on air" nicht - oder nicht mehr - bedienen. Jahre lang haben die UKW-Unterhaltungsprogramme sich gegenseitig kopiert. Als Dank für den akustischen Gleichklang und die Austauschbarkeit wurde den Sendern der Stempel "Dudelwellen" und "Nebenbeimedium" aufgedrückt. Immer kürzer mussten die Wortbeiträge werden, immer reduzierter die Darstellungsformen, immer glatter die Moderationen. Verloren gingen mit den Alleinstellungsmerkmalen vor allem die positiven Imagewerte und ein großer Teil der jüngeren Hörer.

    Wie holen wir sie zurück? Mit der gesicherten Qualität des Programms! Was aber ist Qualität im Radio? Ob wir Qualität tatsächlich nur bei einem höchst aufwendig produzierten Wortprogramm finden oder ob es gerade eine perfekte akustische Folie zum Nebenbeihören sein kann, dies werden Sie gemeinsam mit Radiopraktikern und Medienfachleuten im Workshop erörtern. Wir wollen Lösungen finden, wie wir Qualität herstellen und sichern. Dabei wird es genauso um das Optimieren der Wortinhalte wie um das Fördern der Persönlichkeit der Moderatoren gehen. Best-Practice-Beispiele sollen uns helfen zu definieren, was ein Qualitätsprogramm ist und welche medienpolitischen Rahmenbedingungen Programmmacher dafür brauchen.

    Die Inhalte

    • Qualität im Radio - was verstehen wir darunter, wie stellen wir sie her? Hat das Radio im Quotenkampf die eigenen Stärken vergessen? Rückbesinnung mit dem Blick nach vorn.
    • Die Medienpolitik - Gegner von Qualitätsradio? Medienpolitiker diskutieren über technische Verbreitungswege und den Zeitpunkt der UKW-Abschaltung. Wo findet Medienpolitik statt, die dem Radio bei der Qualitätssicherung hilft? Ein Kamingespräch mit "Medien-Köpfen".
    • Qualitätssicherung und Monitoringsysteme im Redaktionsalltag - Leitbild oder Leidbild? Von Qualitätsgrundlagen, Leitlinien und Personalmanagement.
    • Social Media und "user generated content" im Radio. Vom Umgang mit der Community über Twitter zu den Rückkanälen. Viele neue Impulse fürs Programm.
    • So tickt die Wahl: Viele Tipps und O-Töne für unterhaltsame und informative Wahlberichte im Radio.
    • Talentschmiede Campusradio - Hochschulradios als Kreativbörse für neue Formate, Experimente und Stimmen.

    ReferentInnen

    (bereits zugesagt)
    Ursula Daalmann, Redakteurin "Hallo Ü-Wagen", WDR
    Rainer Dachselt, Radiomacher und Kabarettist
    Marc Jan Eumann, MdL von Nordrhein-Westfalen, Vorsitzender der SPD-Medienkommission in Berlin, Mitglied im WDR-Rundfunkrat Köln
    Andreas Heine, Chefredakteur Radio MK
    Hans-Dieter Hillmoth, Geschäftsführer und Programmdirektor der Radio/Tele FFH
    Konrad Kuhnt, Chefredakteur RBB, radioBERLIN 88,8
    Volker Lilienthal, verantwortlicher Redakteur, epd Medien
    Michael Praetorius, Leiter Online Antenne Bayern
    Michael Reichert, SWR Medienforschung
    Fee Rojas, ARD-ZDF Medienakademie
    Petra Tabeling, Dart Center Journalismus und Trauma
    Reinhard von Struve, Nachrichtenmagazin WDR2
    Ursula Wienken, Geschäftsführerin der workMedienQualifizierung GmbH, Akademie für Hörfunk und Medien, Köln


    Kosten

    Die Tagungsgebühr beträgt 80 Euro und ist am Anreisetag zu bezahlen. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung übernimmt der Veranstalter. Fahrtkosten werden nicht erstattet.


    Anmeldung und Organisation

    Akademie für Politische Bildung Tutzing
    Tagungssekretärin
    Ina Raus
    Buchensee 1
    82323 Tutzing
    Tel. +49 (0) 8158- 256-53
    Fax +49 (0) 8158 -256-51
    E-Mail: i.raus@apb-tutzing.de
    Hinweis: In den Gästezimmern der Akademie gibt es keine Radios. Bei Bedarf bitte mitbringen.
  • PDF-Icon Flyer mit Anmeldeformular (PDF-Version)



    Pressekontakt/bpb

    Bundeszentrale für politische Bildung
    Pressearbeit
    Adenauerallee 86
    53113 Bonn
    Tel.: +49 228 99 515 - 200
    Fax: +49 228 99 515 - 293
    E-Mail: presse@bpb.de
    Internet: www.bpb.de/presse