A new sign designates a third floor unisex restroom at a Kent State University student center in Kent, Ohio, Thursday, May 17, 2007. The University is accommodating transgender students with a newly relabeled unisex restroom that has four images on the door: a man, a woman, a person in a wheelchair and a man and a woman separated by a slash. The concept, which the school hopes to expand in its new buildings and renovation projects, reflects a growing trend on U.S. campuses.

8.5.2012 | Von:
Eckart Voland
Johannes Johow

Geschlecht und Geschlechterrolle: Soziobiologische Aspekte

Fazit

Wenn man entgegen der sokratischen Empfehlung versäumt, die "Natur in ihre gewachsenen Teile" zu zerlegen, kann nicht überraschen, dass auch groß angelegte Metastudien insgesamt nur wenige Belege für Geschlechtsunterschiede im Verhalten liefern. Dann scheint auch die Interpretation gerechtfertigt, dass Biologie und Evolution nicht oder nur kaum in die soziale Praxis einer aufgeklärten Moderne hineinstrahlen. Wenn man jedoch die durch sexuelle Selektion geformten Angepasstheiten in Psyche und Verhalten studiert, also die "gewachsenen Teile" identifiziert, kommt man zu einem anderen Ergebnis.[22] Dann lassen sich sehr wohl Unterschiede - zumindest in den zentralen Tendenzen der Geschlechter - statistisch robust beschreiben. Die Herausforderung der Wissenschaft besteht nun darin, die "gewachsenen Teile", also die aus der sexuellen Selektion hervorgegangenen funktionalen Angepasstheiten zu identifizieren, was im Wesentlichen bedeutet, die funktionalen Gründe und Konsequenzen von Sexualität noch besser als bisher zu verstehen, um letztlich den Schatten unserer evolutionären Vergangenheit gerade auch in einer um Emanzipation bemühten Moderne auszuleuchten.

Fußnoten

22.
Vgl. Doris Bischof-Köhler, Von Natur aus anders. Die Natur der Geschlechtsunterschiede, Stuttgart 20114; Sarah B. Hrdy, Mutter Natur, Berlin 2000.