Nissan passenger cars are ready for shipping at the manufacturer’s pier in Yokosuka, southwest of Tokyo, May 19, 1995. Nissan keeps on exportation of their products to the United States in spite of a trade sanction on Japanese luxury cars by the United States.
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Nachhaltiger Konsum

27.6.2012

Zusammenfassung



Konsum ist heute merklich ausdifferenziert. Das Warenangebot und die Werbung richten sich nicht mehr an Jugendliche, Familien, Männer und Frauen, sondern sind personalisiert und gründen auf einem fortlaufend aktualisierten Konsumentenprofil. Viele Aktivitäten sind von Werbung überlagert. Informationssuche oder privater Austausch sind Quellen für Informationen zu Konsumwünschen, Urlaubsplanungen, Umzug oder Veränderung der Wohnsituation. Die aktuelle Situation lässt sich entlang von drei Thesen bündeln:

(1) Konsum ist sachlich, zeitlich und lokal entgrenzt. Einkaufen kennt keinen Ladenschluss mehr, denn im Netz kann immer gekauft werden. Es gibt auch keine regionalen Grenzen mehr, denn Konsum im Netz basiert auf selfservice. Dadurch erfolgt Konsum auch beiläufig: einfach, angenehm und spielerisch. Was Konsum ist, wird nur an den Grenzen des Konsums, also dessen finanzieller und juristischer Bewältigung, bewusstseinspflichtig. Dies ist der Fall wenn die Konten, Käufe, Belastungen, Zahlungseingänge und -ausgänge oder die eingegangenen juristischen Verpflichtungen (Dauer der Abonnements) kontrolliert werden.

(2) Beim Kauf geht es nicht immer um den Gebrauch und Verbrauch von Gütern, sondern um Konsum als Option. Der Konsum vermittelt Erlebnis.[16] Er sozialisiert, vermittelt Sinnangebote und gestaltet moderne Lebensführung. Es geht um die Ausübung von Optionen, die Nutzung von günstigen Gelegenheiten, die fallweise gar einmalig sein sollen. Ganz so wie es Hermann Heinrich Gossen[17] einmal für Reiche erklärt hat, entsteht neben der Geldpflichtigkeit für den Konsum ein Spannungsverhältnis zwischen Zeit und Konsum. Der Gebrauch einer Ware braucht Zeit: Eine Musik-CD soll gehört, ein Buch gelesen werden. Heute scheint Konsum vom Gebrauch entkoppelt: Gekauft wird immer, der Gebrauchswert interessiert selbst Konsumenten nur als Option. Der Kauf einer Ware ist häufig einfach, ihre benutzende Aneignung erweist sich gelegentlich als mühevoll. Laut der Ergebnisse des BINK-Projekts kauft etwa die Hälfte der befragten Jugendlichen Dinge, die sie eigentlich nicht brauchen.[18]

(3) Einzig die gesellschaftliche Verpflichtung zur Nachhaltigkeit vermittelt Grenzen. Vor dem Hintergrund der Maxime der Nachhaltigkeit gilt es, den Konsum seiner "Selbstverständlichkeit“ und "Natürlichkeit“ zu entkleiden. Konsum muss reflexiv und in seinen Folgen bedacht werden: Jeder Konsum ist mit sozialen, kulturellen und ökologischen Folgen verbunden. Umweltverbrauch findet immer statt, auch Rückwirkungen gibt es immer. Diese müssen nicht so massiv sein wie bei den Kernschmelzen in Fukushima oder bei den Tiefseeölbohrungen. Dennoch gilt es, den Zusammenhang zwischen der Produktion von (materiellen und immateriellen) Gütern und den dabei entstehenden Wirkungen auf die Umwelt ins Bewusstsein zu rücken.

Zu nachhaltigem Handeln braucht es vermutlich nicht nur Theorien zu ökologischen Risiken, sondern auch eine Sensibilität für die Wahrnehmung der Handlungsfolgen aus Konsum. Dies ist zur Durchsetzung einer nachhaltigen Konsumentengesellschaft wichtig. Dabei geht es um die Wahrnehmung und Reflexion des eigenen Verhaltens sowie die Einsicht in ökologische Zusammenhänge. Kurzum: Statt beiläufigem Konsum bedarf es seiner reflexiven Betrachtung.

Zu Beginn der Umweltdebatte in den 1970er Jahren ging es um Konsumverzicht. Heute ist es wichtig den öffentlichen Diskurs hinsichtlich globaler Risiken weiterzuführen. Die Energiegewinnung über Ölschiefer und Ölsande zum Beispiel, die Abholzung von Regenwäldern oder auch die rasch ansteigenden Kapazitäten beim Transport (egal ob auf der Straße oder per Schiff) sind hier anzusprechen. Dabei ist es nur ein erster Schritt, auf das eigene Auto zu verzichten oder auf die Einhaltung von Umweltstandards zu Hause zu achten. Wichtig ist, dass nachhaltiges Handeln von globalen politischen Instrumenten ergänzt wird, um gute Ansätze nicht zu konterkarieren. Auch wenn Jugendliche zwischen 18 und 19 Jahren die Gruppe stellen, die am wenigsten nachhaltig handelt, so wissen sie um das Spannungsverhältnis von Zukunftsfähigkeit und Konsum. Auch zeigen oben skizzierte Befunde, dass je geringer der eigene Selbstwert eingeschätzt wird, desto häufiger Jugendliche durch die realen und virtuellen Konsumtempel streifen und kaufen – nach eigenen Aussagen auch Dinge, die sie eigentlich nicht brauchen. Nachhaltigkeit kann also auch da beginnen, wo etwas nicht gekauft wird.


Fußnoten

16.
Vgl. Kai-Uwe Hellmann, Das Konsumatorische System, in: ders./Guido Zurstiege (Hrsg.), Räume des Konsums, Wiesbaden 2008, S. 18–50.
17.
Hermann Heinrich Gossen (1810–1858) hat in seinem Werk "Entwickelung der Gesetze des menschlichen Verkehrs und der daraus fließenden Regeln für menschliches Handeln“ (1854) die Grenznutzentheorie entwickelt. Er benennt ein Spannungsverhältnis zwischen Geldkonsum und Zeitkonsum. Wer reich ist, muss in kürzerer Zeit, das heißt mehr konsumieren.
18.
Im Rahmen des Projekts Bildungsinstitutionen und nachhaltiger Konsum (BINK) wurden über drei Jahre hinweg an Schulen und Hochschulen in Norddeutschland Ansätze entwickelt, mit denen Nachhaltigkeit in den Alltag der Bildungsinstitutionen eingebunden werden können. Die dabei gewonnenen Erfahrungen sind zugänglich. Vgl. »http://www.internetkostenabrechnung.de/« (29.5.2012).

 
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