Piraterie

22.11.2012 | Von:
Sarah Laukamp

Editorial

"Piraten" finden sich nicht nur auf hoher See, sondern unter anderem auch in verschlossenen Forschungslabors, in internationalen Wirtschaftsbeziehungen oder auf Tauschbörsen im Internet. In der aktuellen Diskussion über das Urheberrecht etwa tritt diese (Fremd-)Zuschreibung ebenso auf wie in der Debatte um "Biopiraterie". Gemeinsam haben diese "Piraten", dass ihnen – wie ihren frühneuzeitlichen Namensgebern – Diebstahl, ja Raub vorgeworfen wird: an geistigem Eigentum, an traditionellem Wissen oder an noch geheimen Produktinformationen. Die demokratischen Piraten-Parteien Europas hingegen nutzen den Begriff als Selbstzuschreibung. Die negativen Konnotationen werden dabei ignoriert oder zu einem "Kampfbegriff" umgedeutet.

Der Begriff birgt hohe Suggestionskraft und Emotionalität. Die Frage nach der Rechtfertigung dieser Bezeichnung steht häufig im Vordergrund. Wer ist überhaupt "Pirat"? Und geht es in jedem dieser unterschiedlichen Fälle um die Bekämpfung der jeweiligen "Räuber"?

Der Prozess, in dem vor dem Hamburger Landgericht im Herbst dieses Jahres zehn somalische Piraten verurteilt wurden, lenkte erneut Aufmerksamkeit auf die Piraterie auf See. Dieses Phänomen galt bis vor einigen Jahren schon fast als vergessen. Die moderne Piraterie, die nicht nur vor den Küsten Somalias ihr Unwesen treibt, hat mit der romantischen Verklärung von historischen Figuren wie Blackbeard oder Klaus Störtebeker wenig gemein. Zu ihren Ursachen zählt unter anderem das Wechselspiel zwischen fragiler Staatlichkeit, der Nähe zu viel befahrenen Seewegen, katastrophalen Umweltveränderungen und der Perspektivlosigkeit der Bevölkerung. Können trotzdem Verbindungen zum "goldenen Zeitalter" des Seeraubs hergestellt werden? Wo liegen Möglichkeiten, der modernen Piraterie Herr zu werden?