1-Euro-Münze

12.9.2013 | Von:
Arne Schönbohm

Cybercrime: Lukratives Geschäft für die Organisierte Kriminalität

Digitaler Drogenhandel: Silk Road

Silkroad war eine Webseite im sogenannten Deep Web – also jenem Teil des Internets, der nicht über normale Suchmaschinen auffindbar ist und vor allem aus spezifischen Datenbanken besteht. Damit stellt Silkroad eine Art Online-Schwarzmarkt dar; Jahresumsatz: 22 Millionen US-Dollar.[25] Als versteckter Dienst im TOR-Netzwerk[26] wird die Anonymität der Nutzer gewahrt und somit eine Strafverfolgung verhindert. Würde man die Identität der Silkroad-User herausfinden wollen, so gäbe es keine Anhaltspunkte. Erschwerend kommt hinzu, dass die Onlinebezahlungen allein über Bitcoins funktionieren.[27] Diese werden von Kunden an ein Treuhandkonto überwiesen und der Betrag erst an den Verkäufer ausgezahlt, wenn die Ware geliefert wurde. Die bestellten Waren – von Kleidung über Waffen bis hin zu illegalen Drogen – werden anschließend per Post geliefert. Inzwischen wurde das Krypto-Geld von einem Gericht in den USA sogar als reguläre Währung eingestuft.[28] Silkroad wurde in Internetforen und auf Blogs häufig als Durchbruch gefeiert, da die Vorteile klar auf der Hand lagen: Keine Treffen mit unzuverlässigen Dealern mehr und aufgrund der Nutzung von Bitcoins kein Risiko mehr, über den Tisch gezogen zu werden. Der Vergleich zu einem "Ebay für illegale Drogen"[29] liegt folglich nah.

Geldwäsche online: Liberty Reserve

So, wie auf der Welt unterschiedlichste Währungen existieren, verhält es sich auch im Cyberspace. Das System funktioniert zumeist wie bei "normalen" Währungen: In einer Art digitaler Wechselstube werden Euro, Dollar und andere Währungen gegen virtuelle Zahlungsmittel eingetauscht. Andere, wie der Bitcoin, werden durch Hochleistungscomputer quasi "errechnet", die Nutzer erzeugen somit erst die Währung, die schlussendlich als verschlüsselter Code auf dem Computer existiert. Da die Geldmenge einiger dieser Währungen begrenzt ist, gelten Bitcoins, Litecoins und andere als inflationssicher. Gezahlt werden kann bei Online-Anbietern.

Die relative Anonymität dieser Währungen stellt jedoch auch einen Anknüpfungspunkt für kriminelle Machenschaften dar. Nicht nur auf Silkroad konnte mit Bitcoins gezahlt werden, hinter anderen – wie dem bekannten Fall der Liberty Reserve – steckte ein richtiges Geschäftsmodell. Internetnutzer konnten bei Liberty-Reserve ein Konto eröffnen, auf das sie bei Drittanbietern "echtes" Geld einzahlen mussten, welche daraufhin die von ihnen erkauften Liberty Reserve-Geldeinheiten auf den Nutzerkonten zur Verfügung stellten. Transaktionen der Liberty Reserve erfolgten ebenfalls über Drittanbieter, wobei sich das Unternehmen vorbehielt, jeweils 1 Prozent der Transaktion einzubehalten. Da bei diesen Dienstleistungen die Angabe falscher Daten möglich ist und keine Authentifizierung verlangt wird, bot sich Liberty Reserve an, um Geldwäsche im großen Stil zu betreiben.[30] Also haben sich neben dieser "klassischen Geldwäsche" inzwischen auch Möglichkeiten entwickelt, dies online zu tun. Durch Überweisungen über Wechseldienste sind die Zahlungsvorgänge unnachvollziehbar.

Ausblick

Das BSI schrieb "Organisierte Kriminalität aber auch Nachrichtendienste führen heute hoch professionelle IT-Angriffe auf Firmen, Behörden und auch auf Privatpersonen durch. Die Methoden werden immer raffinierter, und die Abwehr von Angriffen erfordert einen immer höheren Aufwand. (…) Zu der quantitativ hohen Zahl der Angriffe kommt eine neue Qualität zielgerichteter Attacken hinzu. (…) Die Angreifer ‚verschwenden‘ ihr Wissen nicht."[31] Diese Aussage gilt auch heute noch.

Cybercrime stellt ein lukratives und bequemes Geschäft für Kriminelle dar: Mit wenigen Klicks können Hacker Kundendaten und geistiges Eigentum erbeuten. Da die Digitalisierung aller Lebensbereiche voranschreitet, wird diese Art des Verbrechens auch zukünftig attraktiv bleiben – oder gar beliebter werden. Doch während sich Verbrechen, Protest und Spionage zunehmend auf das Internet verlagern, ziehen auch die Sicherheitsbehörden mit. Um den virtuellen Bedrohungen Herr zu werden, plant Interpol beispielsweise 2014 ein Zentrum zur Bekämpfung von Kriminalität in der digitalen Welt einzurichten. Gerade aus dem Web 2.0 ergeben sich für Zivil- und Katastrophenschutz vielseitige Chancen: Zur Verbreitung von Information, zur Interaktion im Katastrophenfall und zur Früherkennung von Risiken. Und auch die Polizei profitiert von Social Media. Sie dienen der Gewinnung kriminologischer Daten und ermöglichen den direkten Kontakt zur Bevölkerung.

Während sich unser Leben also mehr und mehr auf den Cyberspace verlagert, sollten die damit einhergehenden Gefahren nicht vernachlässigt werden. Die dargestellten Beispiele haben bewiesen, dass die Organisierte Kriminalität versteht, Informationstechnologien für sich zu nutzen. Hier gibt es – wie übrigens für die Wirtschaft auch – ein überproportionales Potenzial zu wachsen. Klar ist, dass auch weitere technische Neuerungen ihre Anwendung bei digitalen Straftaten finden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch Big Data von den Cyberkriminellen genutzt wird. Die Frage ist dabei nicht, wie man diese Entwicklung verhindern kann – keine Technologie kann von ihrem Missbrauch ausgeschlossen werden –, sondern darum, wie es Politik und Sicherheitsbehörden schaffen, mit der Technologie – und damit den Kriminellen – Schritt zu halten.

Fußnoten

25.
Vgl. Nicholas Christin, Traveling the Silk Road: A measurement analysis of a large anonymous online marketplace, 31.7.2012, http://arxiv.org/abs/1207.7139« (12.8.2013).
26.
TOR ist ein Netzwerk zur Anonymisierung von Verbindungsdaten und verschleiert sowohl den Standort der Server als auch jenen der Nutzer.
27.
Bitcoins sind eine virtuelle Peer-to-Peer Währung, die internationale Überweisungen unter ihren Nutzern ermöglicht. Dabei werden reale Währungen in Bitcoins getauscht. Die Finanzwelt der Bitcoins ist unabhängig von klassischen Banken oder Finanzinstituten und kann daher staatlich bisher nicht reguliert werden. Die Idee hinter einer solchen Währung war es, ein transparentes Handelssystem zu etablieren, das ohne eine dritte Partei, wie eine Bank, funktioniert, also: Algorithmen und Codes statt dritter Partei. Siehe auch: http://bitcoin.org/bitcoin.pdf« (12.8.2013).
28.
Vgl. Krypto-Geld: US-Richter stuft Bitcoins als reguläre Währung ein, 8.8.2013, http://www.spiegel.de/netzwelt/web/us-richter-stuft-bitcoins-als-regulaere-waehrung-ein-a-915445.html« (12.8.2013).
29.
Vgl. Bitcoin. Monetarists Anonymous, 29.9.2012, online: http://www.economist.com/node/21563752« (12.8.2013).
30.
Vgl. Patrick Beuth/Moritz Kohl, Liberty Reserve und Bitcoin (k)ein Vergleich, 29.5.2013, http://www.zeit.de/digital/internet/2013-05/liberty-reserve-bitcoin-vergleich« (12.8.2013).
31.
Vgl. BSI, Die Lage der IT-Sicherheit 2011, Bonn 2011, online: http://www.bsi.bund.de/DE/Publikationen/Lageberichte/lageberichte_node.html« (12.8.2013).
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Autor: Arne Schönbohm für bpb.de
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