v.l.n.r die brasilianische Präsidentin, Dilma Rousseff, der russische Präsident, Vladmir Putin, der indische Premierminister, Manmohan Singh, der Präsident der Volksrepublik China, Hu Jintao and Präsident von Süd Afrika, Jacob Zuma

25.11.2013 | Von:
Johannes Piepenbrink

Editorial

Ende November 2001 führte der Chefökonom der Investmentbank Goldman Sachs, Jim O’Neill, das Kürzel "BRIC" ein. Er fasste damit Brasilien, Russland, Indien und China zusammen, und damit diejenigen Länder, denen er einen besonders großen Zuwachs an weltökonomischem Gewicht voraussagte. Zugleich – das wird häufig vergessen – empfahl er, die internationalen Politikforen so zu verändern, dass diese Länder stärker repräsentiert sind: "Die Terroranschläge von New York und Washington hatten mich in meiner Auffassung bestärkt, dass die westliche Dominanz durch irgendetwas anderes abgelöst oder zumindest ergänzt werden müsste", so O’Neill rückblickend in einem Interview.

Tatsächlich machte sich die Ländergruppe, zu der seit Ende 2010 auch Südafrika gezählt wird, die Abkürzung zu eigen und entwickelte ein politisches Eigenleben. 2014 wird der sechste gemeinsame Gipfel stattfinden. Was das Verhältnis von Wirtschaftskraft, Bevölkerungszahl und Repräsentation in den wichtigsten internationalen Institutionen angeht, gibt es jedoch weiterhin große Ungleichgewichte. Im Internationalen Währungsfonds zum Beispiel haben die BRICS einen etwa halb so großen Stimmenanteil wie die Länder der Eurozone. Die Bemühungen der BRICS, behutsam eine Art "Alternativmacht" zu etablieren – am sichtbarsten im 2013 gefassten Beschluss, eine eigene Entwicklungsbank zu gründen –, sind daher nicht verwunderlich.

Inwiefern sich der eher informelle Zusammenschluss verstetigen und institutionalisieren wird, hängt in starkem Maße von den Interessen der einzelnen Länder ab. Das nach einer längeren Phase des Booms zuletzt abgeschwächte Wirtschaftswachstum in den BRICS sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese (und andere) Länder weiter an Gewicht gewinnen werden. Entsprechend haben auch alternative "Clubs" aufstrebender Staaten gute Chancen, zumindest an weltwirtschaftlicher Bedeutung zu gewinnen, solange sie sich in den etablierten Institutionen nicht angemessen repräsentiert fühlen.