Kreuzfahrtschiffe vor Honningsvag

2.12.2014 | Von:
Barbara Kamutzki

Editorial

Laut einer aktuellen Umfrage halten 68 Prozent der Deutschen die Vereinigten Staaten von Amerika für den wichtigsten politischen Partner Deutschlands außerhalb Europas. Während der Wert bei den über 60-Jährigen sogar bei 75 Prozent liegt, teilen unter den 18- bis 29-Jährigen nur 57 Prozent diese Einschätzung. Dieser generationelle Sinneswandel findet Eingang auch in die derzeitigen Auseinandersetzungen um das transatlantische Freihandelsabkommen, das allenthalben die Gemüter erregt. Vorerst abgeklungen, so scheint es, sind dagegen die kollektiven Emotionen, die die von Edward Snowden aufgedeckten Geheimdienstaktivitäten der USA in Europa 2013 hervorgerufen hatten. Die Gratwanderung zwischen Freiheit und Sicherheit als Thema der transatlantischen Beziehungen bleibt gleichwohl auf der Tagesordnung.

Ein weiteres transatlantisches Thema berührt die Zukunft des Nordatlantikpaktes: Je stärker und je länger die russische Ukrainepolitik als Sicherheitsdilemma am östlichen Rand des NATO-Bündnisses wahrgenommen wird, desto gewichtiger wird diese Region für die Willens- und Strategiebildung innerhalb der NATO. Die Fragen nach den Grundlagen und den Zielen des Bündnisses gilt es neu zu beantworten. Angesichts weiterer, auch globaler Herausforderungen ist zudem eine neue sicherheitspolitische Positionierung der Obama-Administration in der Diskussion.

Welche Faktoren prägen das Image der USA? Ganz gewiss zeichnet die operative Außen- und Sicherheitspolitik der Weltmacht mit an den Bildern, die von ihr kursieren. Aber auch die Hervorbringungen der US-Unterhaltungsindustrie, die global verbreitet werden, haben ihren Anteil. Während die Kulturkritik die Botschaften dieser Filme, Serien und Shows sichtet, verweist sie gleichzeitig auf einen größeren Zusammenhang: auf die Grundlagen der Wertegemeinschaft, die einstmals als konstitutiv für die transatlantischen Beziehungen erachtet wurden und die zu erörtern gerade jetzt wieder erforderlich ist.