30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren
Wortskulptur "Einheit" von Hüseyin Arda vor dem Pei-Bau des Deutschen Historischen Museums, Berlin

7.8.2015 | Von:
Barbara Kamutzki

Editorial

Frankfurt am Main ist vorbereitet: Die "zentralen Feierlichkeiten" zum 25. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung werden dort vom 2. bis 4. Oktober 2015 stattfinden, prominente Gäste wie Michail Gorbatschow und Jean-Claude Juncker haben ihr Kommen zugesagt. Frankfurts Städtepartnerschaft mit Leipzig spiegelt sich wider im Rahmenprogramm aus Konzerten, Lesungen, Filmen und Ausstellungen. Mit insgesamt einer Million Besucherinnen und Besuchern wird gerechnet. Flankierend gibt es hessenweit bereits jetzt eine Vielzahl von Veranstaltungen und Aktionen unter dem Motto "Grenzen überwinden". So hat sich für den 3. Oktober mittlerweile eine Kultur des Feierns und Gedenkens herausgebildet, angesichts derer es lohnend erscheint, auf die Anfänge zurückzublicken.

In immer neuen Studien werden die materiellen und ideellen Lebensbedingungen in den östlichen und in den westlichen Bundesländern, aber auch innerhalb Gesamtdeutschlands miteinander verglichen. Mithilfe des soeben freigeschalteten Online-Atlasses des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung lassen sich beispielsweise Unterschiede anhand einer Vielzahl von Indikatoren wie Lebenserwartung, Beschäftigtenquoten und Baulandpreise ermitteln. Und was Werthaltungen und Einstellungen betrifft: Auch die Meinungsforscher sind uns auf den Fersen, wenn es um Divergenzen und Konvergenzen geht. Von der "Mauer in den Köpfen" ist dagegen kaum noch die Rede; sie sei mittlerweile ebenso gefallen, wie zuvor diejenige aus Beton – so jedenfalls unlängst ein Befund der Demoskopen in Allensbach.

Introspektionen anlässlich des Jubiläums sollten aber den Blick nicht verstellen auf die Entwicklungen, die sich seit der Auflösung der bipolaren Weltordnung als stetige Herausforderung der gesamtdeutschen Außenpolitik vollzogen haben. Individuellen Identitäten waren im Zuge der Wiedervereinigung vielfach schweren Erschütterungen ausgesetzt; der kollektiven Identität und dem Selbstverständnis Deutschlands im internationalen Kontext erging es nicht anders. Gerade im laufenden Jahr gibt es reichlich Anlässe, über die "Staatsräson" zu diskutieren, die in der Außen- und Sicherheitspolitik zum Ausdruck kommt.