Menschlicher Schatten in geöffneter Tür. Symbolbild für Angst.

Editorial


20.1.2017
Gewalt ist in ihrer Vielschichtigkeit allgegenwärtig, sei es als Handlungsoption oder mögliche Gefahr. Voraussetzung jeglichen menschlichen Zusammenlebens ist daher die Regulierung ihrer Anwendung. Zugleich erfordert die Durchsetzung von Regeln die glaubhafte Androhung bis hin zum Einsatz von Zwangsmitteln. Auch in den demokratischen Rechtsstaaten der Moderne, die dem Schutz der Menschenwürde verschrieben sind, ist die Gewalt nicht etwa geschwunden. Vielmehr ist das Recht, sie auszuüben, aufgrund eines vernunftbasierten Konsenses der Bürgerinnen und Bürger beim Staat monopolisiert, dessen institutionelles Gefüge die Teilung und Kontrolle der damit einhergehenden Macht gewährleisten soll.

Was vor diesem Hintergrund als legitime beziehungsweise illegitime Gewalt gilt, ist Gegenstand gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse und hängt vom jeweiligen historischen und kulturellen Kontext ab. So ist in Deutschland etwa die körperliche Bestrafung von Kindern erst seit 2000 als "Gewalt in der Erziehung" gesetzlich geächtet; und nach den massenhaften Übergriffen auf Frauen während der Silvesternacht 2015/16 in Köln mündete eine langjährige Debatte über eine Verschärfung des Sexualstrafrechts in eine dahin gehende Gesetzesreform. Von Chancen- und Einkommensungleichheiten bis zum globalen Wohlstandsgefälle werden immer häufiger auch soziale Verhältnisse mit Blick auf ihre Gewaltförmigkeit diskutiert.

Die Vielfalt ihrer Erscheinungsformen und -zusammenhänge sowie die normative Dimension ihrer Definition machen Gewalt zu einem hochkomplexen, schwer greifbaren Phänomen. Entsprechend breit gefächert sind die Ansätze für ihre Erforschung. Angesichts täglicher Berichte über Kriminalität, Terror und Krieg werden von den Wissenschaften Erklärungen erwartet, die Anknüpfungspunkte für eine erfolgreiche Gewaltprävention bieten – ob in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen oder in den internationalen Beziehungen.


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Autor: Anne-Sophie Friedel für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
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